Borussia Mönchengladbach rettet Rang fünf knapp ins Ziel

Nach 0:2-Pleite gegen Dortmund : Gladbach rettet Rang fünf knapp ins Ziel

In einem engen Saisonfinale ist es am Ende nur noch ein Tor, das die Gladbacher an Vorsprung vor dem VfL Wolfsburg haben, um als Fünfter die Saison abzuschließen. Sie selbst verlieren gegen den Vizemeister Borussia Dortmund 0:2, Leverkusen zieht mit einem 5:1 in Berlin an ihnen vorbei.

In seinem 99. und letzten Spiel als Gladbacher Trainer wollte Dieter Hecking mit Borussia den Einzug in die Champions League klarmachen. Nötig dazu war mindestens ein Unentschieden daheim gegen Borussia Dortmund und dazu passende Ergebnisse aus anderen Stadien.

Die Borussen, die Hecking in nahezu derselben Aufstellung wie beim 4:0-Sieg in Nürnberg zuletzt auf den Rasen geschickt hatte – nur Jonas Hofmann ersetzte den gelbgesperrten Florian Neuhaus –, begannen die Partie aber so, dass sie möglichst viel in der eigenen Hand halten wollten. Von Beginn an versuchten sie, auf einen eigenen Treffer zu spielen und setzten die Dortmunder vor allem mit Christoph Kramer, Denis Zakaria und auch Josip Drmic bereits früh unter Druck. Nach rund drei Minuten startete Thorgan Hazard auf der linken Seite einen Solo-Lauf und vernaschte drei Gegner, sein Schuss im Strafraum wurde aber geblockt. Dennoch explodierte die Stimmung im Borussia-Park keine Minute später, als das erste digitale „Wiehern“ durch das Stadion schallte, das bei Heimspielen der Fohlenelf einen Treffer in einem anderen Bundesligaspiel begleitet: Coman hatte die Bayern gegen Eintracht Frankfurt in Front geschossen, und das sollte ein Stimmungskiller für den BVB sein, der nur bei einer Münchner Niederlage und einem eigenen Sieg noch Meister werden konnte.

Tatsächlich kam von den Gästen in Gladbach erstaunlich wenig für ein Team, das noch Chancen auf den Titel hatte. Ein Kopfball nach rund sechs Minuten von Marco Reus war weit davon entfernt, gefährlich zu werden, danach geschah lange nichts vor dem Tor von Yann Sommer, der froh sein durfte, auf der Sonnenseite des Stadions zu stehen, so dass ihm nicht kalt wurde.

Auf der anderen Seite blieb seinem Kollegen aus der Schweizer Nationalmannschaft nur banges Hinterherblicken, als der schöne Schlenzer von Ibrahima Traoré ans Lattenkreuz klatschte (12.). Kurz darauf musste sich Bürki schon bewegen, als Hofmann aus rund 20 Metern abzog, der Ball aber knapp links vorbeirauschte. Um 15.56 Uhr „wieherte“ es wieder im Borussia-Park und von der Nordkurve kam ein langgezogenes „Ooooohhh“, das erneut in lauten Jubel überging, als das 2:0 aus München eingeblendet wurde. Gnabrys Treffer wurde aber später zurückgenommen. Auf die Anzeigetafel eines anderen Stadions schaffte es dann aber ein Leverkusener: Havertz‘ 1:0 in Berlin sorgte dafür, dass sein Team an Borussia vorbeizog und auf Rang vier kletterte. In diesem Moment waren die Gladbacher raus aus der Champions League und drin in der Europa League.

Um 16.05 Uhr jubelte die Nordkurve erneut nicht wegen eines Treffers auf dem eigenen Rasen, sondern auf dem im Berliner Olympiastadion: Lazaro hatte den Ausgleich erzielt, Borussia stand wieder auf Platz vier. Zeitgleich schoss Reus in Gladbach einen Freistoß von der Strafraumkante knapp am Tor vorbei. Um 16.09 waren die Hausherren wieder am Zug, Nico Elvedi köpfte eine Flanke von Traoré über das Tor – zeitgleich traf Alario für Leverkusen zur erneuten Führung, die Champions League war zu diesem Zeitpunkt wieder verpasst für die Gladbacher.

Mit einem weiteren Auge musste es langsam auch in ein anderes Stadion gehen: Der VfL Wolfsburg führte daheim 3:0 gegen Augsburg und musste um 16.13 Uhr „nur“ noch sieben Treffer auf die Gladbacher aufholen, um an ihnen vorbeizuziehen, sollten sie gegen den BVB nicht punkten. Eine Minute darauf war das unrealistische Szenario ein Stück weit wirklicher geworden und es waren „nur“ noch sechs Treffer Vorsprung auf Wolfsburg. Denn der BVB hatte zum 1:0 im Borussia-Park getroffen, nachdem Marco Reus den Ball in die Mitte geflankt und Jadon Sancho aus fünf Metern abgestaubt hatte. Da Reus‘ Vorarbeit arg verdächtigt wurde, dass der Ball vor seiner Flanke schon über die Tor-Aus-Linie gerollt war, musste sich Schiedsrichter Manuel Gräfe die Szene noch einmal auf Video ansehen. Hauchdünn war der Ball wohl – was ohne technische Hilfsmittel kaum zu entscheiden war –noch auf der Linie und damit im Spiel gewesen, um 16.17 Uhr zählte der Treffer, Borussia war zu diesem Zeitpunkt Fünfter, Wolfsburg drängte von hinten.

Und plötzlich öffnete sich auch für die Dortmunder wieder eine Tür: Haller traf um 16.39 Uhr für Frankfurt und sorgte für ein 1:1 in München. Das reichte dem BVB zwar noch nicht, aber es machte ihm Mut, dass die Hessen ihnen vielleicht doch noch die Meisterschaft bescheren könnten, wenn sie nur selber ihren Sieg in Gladbach einfuhren. Das machte die Aufgabe für die Borussen nicht einfacher, das Spiel zu drehen und damit in die Champions League zu kommen, denn die Westfalen drehten nun ein wenig auf. Mitten in diese aufkommende Euphorie „wieherte“ es um 16.43 Uhr wieder: Alaba traf zum 2:1 für München. Das traf den BVB indes nicht wie von den Gladbachern erhofft: Reus traf um 16.44 Uhr zum 2:0 für die Dortmunder, zeitgleich brachte Brandt Leverkusen 3:1 in Führung. Zu allem Überfluss erzielte Wolfsburg das 4:0 und 5:0 und hatte um 16.45 Uhr nur noch drei Treffer Rückstand auf die Gladbacher, die sich nun dringend fangen mussten, um nicht noch auf Rang sechs zu purzeln.

Um 16.48 Uhr „wieherte“ es wieder, Renato Sanches hatte Bayerns 3:1 erzielt, parallel unterlief Nico Elvedi beinahe ein Eigentor und Wolfsburg stellte auf 6:0 – nur noch zwei Treffer Vorsprung für die Gladbacher auf Rang fünf. Der BVB wiederum schien sich mit der Vizemeisterschaft zumindest so weit abgefunden zu haben, dass er trotz der klaren Führung der Bayern im Fernduell weiter nach vorne spielte, die Gladbacher hatten Schwierigkeiten, sich zu befreien. Das Vorhaben, das Spiel noch zu drehen, war da kaum mehr zu erkennen, ein Drehschuss von Drmic ging um 16.52 Uhr weit über das Dortmunder Tor. Hecking brachte danach Tobias Strobl für Kramer, um mit dessen präzisen Steilpässen das Angriffsspiel seines Teams aus der Tiefe, in die der Gegner die Gladbacher drückte, wiederzubeleben. Um 16.56 Uhr ging Hecking noch einen Schritt weiter und wechselte in Alassane Plea den mit zwölf Treffern besten Torschützen der Gladbacher in dieser Saison ein, für ihn ging Traoré vom Feld.

Auf dem Gladbacher Rasen passierte in der Folge dennoch wenig, auch das „Wiehern“ bei Ribérys 4:1 in München um 17.02 Uhr sorgte nicht mehr für allzu viel Jubel der Nordkurve im Borussia-Park, die eine Minute später raunte, als Plea über das Dortmunder Tor schoss. Um 17.04 Uhr gab es gar ein gellendes Pfeifkonzert, als Hazard ausgewechselt wurde, der in der kommenden Saison für den BVB kicken soll. Der für ihn eingewechselte Patrick Herrmann, der Ur-Borusse, wurde dagegen mit Sprechchören gefeiert. Derweil hatte Alario das 4:1 für Leverkusen erzielt, der vierte Platz war also futsch für die Gladbacher. Das „Wiehern“ um 17.08 Uhr mit Robbens 5:1 für die Bayern sorgte dann höchstens noch für Gemurmel, längst waren die Blicke bang nach hinten, nach Wolfsburg und auf den eigenen Rasen gerichtet. Zumindest aus Niedersachsen gab es eine kleine Erleichterung, als Augsburg um 17.10 Uhr der Ehrentreffer gelang, nur betrug der Gladbacher Vorsprung auf dem fünften Platz immerhin wieder drei Tore. Um 17.14 Uhr hatte Wolfsburg allerdings mit dem 7:1 wieder auf zwei Treffer verkürzt, um 17.17 Uhr war es nach dem 8:1 nur ein Treffer.

Immerhin der hatte auch zum Abpfiff um 17.20 Uhr Bestand an einem Saisonfinaltag, an dem Dortmund und Gladbach aus den anderen Stadien keine Schützenhilfe bekamen. Dennoch durften beide Fan-Lager ihre Mannschaften feiern: die einen für die Vize-Meisterschaft und die anderen für die direkte Qualifikation zur Europa League. Heckings Wunsch, sich mit der Champions-League-Qualifikation zu verabschieden, ging nicht auf, doch es wird ein europäischer Wettbewerb, in den sein Nachfolger Marco Rose die Gladbacher in der kommenden Saison betreuen kann.

Ganz zum Schluss versammelten sich die Gladbacher an der Mittellinie, schlossen Hecking und seinen ebenfalls scheidenden Co-Trainer Dirk Bremser in einen Kreis ein und applaudierten ihnen. Danach gab es auch Applaus aus der Nordkurve und Hecking sagte über das Stadionmikrofon: „Es waren zweieinhalb Jahre mit vielen Höhen und Tiefen. Leider war es nicht ganz die Champions League, ich hätte sie euch gerne gegeben. Aber: Die Seele brennt heute. Danke!“. Der weiter recht vollbesetzte Borussia-Park ließ Hecking dann noch dreimal hochleben.

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