1. Sport
  2. Fußball
  3. Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach rettet mit 3:3 beim SC Freiburg einen Punkt

3:3 nach 2:0 und 2:3 : Gladbach rettet einen Punkt in Freiburg

Mit einer der letzten Aktionen des Spiels hat sich Borussia Mönchengladbach beim SC Freiburg noch einen Punkt gesichert. Dabei hatte trotz der zwischenzeitlichen 2:0-Führung bereits alles auf eine erneute Enttäuschung hingedeutet.

Borussia Mönchengladbach hat es verpasst, am Samstagnachmittag vorzeitig den Klassenerhalt klarzumachen, beim SC Freiburg aber in der Nachspielzeit einen Punkt gerettet. In einem kuriosen Spiel führte Borussia nach 13 Minuten mit 2:0, lag nach 80 Minuten mit 2:3 hinten und glich durch Kapitän Lars Stindl noch ganz spät aus. Damit wäre Borussia erst definitiv gerettet, wenn der VfB Stuttgart am Sonntag bei Hertha BSC verliert.

Die Ausgangslage und -stimmung vor dem Spiel hätten kaum unterschiedlicher sein können: Während der Stadionsprecher neben den Pokalfinal-Feierlichkeiten noch betonte, dass der SC Freiburg ja auch mit Platz fünf vor dem 31. Spieltag in einer herausragenden Ausgangslage sei, hatten die Gladbach-Fans eine klare Botschaft an ihre Mannschaft. Auf einem Banner, das am Zaun des Gästeblocks befestigt war, stand: „Kein Kampf, kein Wille, kein Charakter – Ihr seid eine Schande für Stadt und Verein!“ Der Stachel der 1:3-Derbypleite in der Vorwoche saß auch im Breisgau noch tief.

Doch bevor herauszufinden war, ob die Wut zunächst auch mit entsprechendem Schweigen verbunden sein würde, lief Jonas Hofmann bereits in den Strafraum, wo seine Hereingabe vom ausgestreckten Arm des grätschenden Nicolas Höfler gestoppt wurde. Die Borussia-Bank sprang nach 13 Sekunden auf, Freiburg-Trainer Christian Streich mit seinen Assistenten ebenso – sie wollten in der Entstehung ein Offensivfoul gesehen haben. Schiedsrichter Benjamin Brand ging zur Seitenlinie, um sich die Handszene auf dem Monitor anzusehen und zeigte auf den Elfmeterpunkt, eine folgerichtige Entscheidung. 123 Sekunden waren rum, als Ramy Bensebaini den Ball locker in die rechte Ecke schob, das frühe 1:0 für Gladbach.

Die nächsten Minuten kontrollierte der SC Freiburg, ohne indes zu großen Möglichkeiten zu kommen. Den ersten Ball nach einer Freistoßvariante schnappte sich Yann Sommer sicher. Und sozusagen mit dem zweiten Angriff schlug Gladbach auch schon zum zweiten Mal zu: Ein Pass von Schlotterbeck im Spielaufbau wurde zum Bumerang, weil Florian Neuhaus stark den Ball eroberte. Über Alassane Plea und Hofmann landete der, gepaart mit schlauen Laufwegen, bei Breel Embolo. Der Angreifer setzte gegen Schlotterbeck seinen Körper gewinnbringend ein und verwandelte souverän gegen Mark Flekken – das siebte Saisontor des Schweizers in der 13. Minute.

  • Erstmals im neuen Stadion zu Gast : Borussias erneuter Anlauf in Freiburg unter veränderten Vorzeichen
  • Borussia droht lahmes Saisonfinale : Hecking musste gehen, Rose wollte gehen - und Hütter?
  • Jubel bei Torschütze Mark Uth.
    Bundesliga kompakt : 1. FC Köln nimmt Kurs auf Europa – Union gelingt Revanche gegen Leipzig

Borussia stand in einem 5-3-2 mit Hofmann in einer Linie neben den beiden Sechsern Neuhaus und Manu Koné und ließ die Freiburger, die über die gesamte erste Halbzeit rund 70 Prozent Ballbesitz hatten, das Spiel machen. Während Sommer Vincenzo Grifos zu unplatzierten Schuss wegfausten konnte, lag Gladbachs Erfolgsquote vor dem Tor weiter bei 100 Prozent. Um ein Haar wäre es auch nach 27 Minuten dabei geblieben, als Jordan Beyer ungestört von halbrechts Flanken konnte und Embolos Kopfball knapp am linken Pfosten vorbeiging.

Freiburgs Standardstärke hatte Hütter bereits auf der Pressekonferenz thematisiert. Und der erste Eckball der Gastgeber brachte nach 31 Minuten beinahe den Anschlusstreffer: Philipp Lienhart verlängerte per Kopf und Roland Sallai fehlten wenige Zentimeter. Durchschnittlich befanden sich nur zwei Borussen in der gegnerischen Hälfte, aber sieben Freiburger in der Gladbacher Hälfte. Einerseits schafften es die Gäste, die Gefahrenmomente auf Standardsituationen zu beschränken, andererseits nahmen diese bis zur Pause zu. Dennoch hatte Borussias 2:0-Führung beim Halbzeitpfiff Bestand.

Würde dem Gegner diesmal wieder etwas einfallen, um eine stabile Gladbacher Mannschaft ins Wanken zu bringen? Streich versuchte es mit einem Doppelwechsel: Lucas Höler sollte anstelle von Ermedin Demirovic einen klareren Zielspieler im Sturmzentrum geben, der junge Noah Weißhaupt ersetzte Woo-Yeong Jeong, womit Grifo auf die Zehn rückte. Dass der Ex-Borusse in der 49. Minute bereits auf 1:2 verkürzte, hatte jedoch andere Gründe: Stefan Lainer brachte Höfler bei einer Ecke zu Fall, wieder bemühte Brand den Monitor am Spielfeldrand und wieder zeigte er auf den Elfmeterpunkt. Grifo verwandelte sicher.

Nur drei Minuten später lag der gerade eingewechselte Weißhaupt am Boden: Bei einem Laufduell mit Beyer war er gestürzt und unglücklich auf der Schulter gelandet. Jonathan Schmid ersetzte den 20-Jährigen, womit Sallai im 4-2-3-1 der Freiburger nach vorne links rückte. Auch Bensebaini musste wenige Momente später behandelt werden, konnte mit ein paar Schmerzen am Fuß aber weitermachen.

Die ersten zehn Minuten nach der Pause beinhalteten deshalb wenig Fußball, doch Gladbach geriet schnell so unter Druck, dass der Ausgleich eher eine Frage der Zeit zu sein schien. Und es vergingen nur weitere fünf Minuten (immerhin tauchte Neuhaus einmal kurz gefährlich im Strafraum auf), bis Christian Günter mit einem Flachschuss aus 20 Metern das 2:2 erzielte. Sommer hatte den Ball durch Hofmann und Beyer hindurch erst spät gesehen.

Die Frage, die sich nun stellte: Würde Borussia sich noch mal befreien können, würde sie dagegenhalten können oder würde sie auseinanderfallen? Freiburg hielt den Druck hoch, doch Hofmann prüfte auch einmal Flekken, soll dabei im Abseits gestanden haben, wurde aber eher gefoult. Hütter unternahm in der 69. Minute einen jugendlichen Doppelwechsel: Joe Scally und Conor Noß kamen für Lainer und Neuhaus. Kurz darauf ging es bei Plea nicht mehr weiter, Stindl ersetzte den Franzosen, der bis auf seine Beteiligung am zwischenzeitlichen 2:0 wenig zeigte.

Die zehnte Freiburger Ecke brachte in der 80. Minute schließlich die Führung: Lienhart stieg bei Günters Hereingabe am höchsten, Sommer hatte aus kurzer Distanz keine Chance. „Wir ham die Schanze voll!“, skandierten die Gladbacher Fans, drangen akustisch gegen die Freiburger Jubelgesänge aber kaum durch. Kurz vor Schluss verpasste Schmid die Entscheidung, Elvedi konnte gerade noch auf der Linie klären.

Hütter nutzte seinen letzten Wechsel-Slot, indem er Patrick Herrmann für Beyer brachte. Ein Gladbacher Aufbäumen war bis tief in die Nachspielzeit kaum zu sehen, doch eine Co-Produktion der Joker sorgte mit einer der letzten Aktionen noch für den Ausgleich: Herrmann flankte, Stindl köpfte und Torwart Flekken hechtete vergeblich. Dann war Schluss, und so richtig wusste keine der beiden Mannschaften, was sie mit dem 3:3 anfangen sollte.