Borussia Mönchengladbach: Rechtsverteidiger Stefan Lainer mit Vorlage und Tor für Österreich

Traumpass und Tor : Lainer bucht die EM für Österreich

Stefan Lainer war wesentlich beteiligt am 2:1 gegen Nordmazedoinien, das Österreich das EM-Ticket einbrachte. Er bereitete das 1:0 vor und erzielte das 2:0 selbst. Der Rechtsverteidiger hat nun im Nationalteam die gleiche Bilanz wie bei Borussia.

Stefan Lainer ist in Österreichs Nationalteam ein relativer Spätstarter. Mit 24 feierte er am 28. März 2017 sein Länderspiel-Debüt. Es endete mit einem 1:1 gegen Finnland. Bei seinem Tor-Debüt gab es jetzt einen Sieg: Am Samstag beim 2:1 gegen Nordmazedonien traf Borussias inzwischen 27-jähriger Rechtsverteidiger erstmals für Österreichs A-Team: Drei Minuten nach der Pause erzielte er das 2:0. Zuvor hatte er schon das 1:0 durch David Alaba vorbereitet.

Lainer hat mit dem Assist und dem Tor sozusagen das Tickt der Österreicher für die Europameisterschaft 2020 gebucht. Zum dritten Mal ist das Austria-Team bei einer EM dabei. Lainer hat im Nationalteam nun eine nahezu identische Bilanz wie bei Borussia. In 18 Spielen schaffte er ein Tor und zwei Vorlagen. Für Gladbach hat er 17 Pflichtspiele gemacht und ebenfalls einmal getroffen und zweimal assistiert.

Kurios: Seine Tore für Gladbach und Österreich ähneln sich. In beiden Fällen war es ein Abstauber, nachdem ihm der Ball nach einem Standard eher zufällig vor die Füße gefallen war. In Mainz erzielte er am zweiten Bundesliga-Spieltag das 1:1 und legte damit die Basis für den 3:1-Auswärtssieg, den ersten Dreier unter Trainer Marco Rose. Nun war sein Tor erlösend für Österreich, ohne das 2:0 wäre es vielleicht nichts geworden mit dem Sieg.

Lainers Freude war entsprechend groß. Doch Fußball-Ästheten werden viel lieber über seinen Pass auf Bayern-Star Alaba sprechen als über sein Tor. Denn der Pass war, man darf da schon etwas euphorisch sein, durchaus ein Kunstwerk. Lainer bekam den Ball unweit der Mittellinie und spielte ihn dann in eine zuvor unsichtbare Gasse durch die gesamte Abwehr des Gegners in den freien Raum, in den Alaba dann rannte und vollstreckte.

Lars Stindl, Borussias Kapitän, ist einer, der die geheimen Räume des Fußballs kennt und sie genau so zu bespielen weiß wie es jetzt Lainer getan hat - mit Pässen, die wie Seziermesser sind. Von daher ist nicht auszuschließen, dass er dem Kollegen gleich eine Jubel-SMS schreibt, wenn er die Szene sieht.

Die Aktion war typisch für Lainer: Er spielt radikal vertikal und das immer so schnell wie möglich. Nun gegen Nordmazedonien zögerte er nicht den Bruchteil einer Sekunde, als der Ball zu ihm kam, er spielte ihn direkt und präzise weiter, der Laufweg des Balles war verblüffend. Beim 3:0 der Gladbacher bei 1899 Hoffenheim hatte er auch schon mal einen Zuckerpass fabriziert vor dem Tor, da schickte er Marcus Thuram auf die Reise, der dann Allasane Plea bediente.

„Stefan setzt Impulse und Akzente“, sagte Sportdirektor Max Eberl nach dem Hoffenheim-Spiel, ähnlich dürfte Österreichs Trainer Franco Foda den Unermüdlichen einordnen. „Er schiebt brutal an, immer wenn er am Ball ist, passiert etwas“, sagte Lainers Gladbach-Kollege Christoph Kramer. Das Spiel gegen Nordmazedonien belegt diese These.