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Borussia Mönchengladbach: Rechenspiele im Schneckenrennen

Borussia Mönchengladbach : Rechenspiele im Schneckenrennen

Wäre die Bundesliga-Saison ein 400-Meter-Lauf, würde sie in Kürze auf die Zielgerade einbiegen. Während die ersten beiden Plätze vergeben sind und die halbe Liga nach unten schaut, kristallisiert sich im Kampf um die Champions League ein Krimi heraus – mit Borussia Mönchengladbach mittendrin.

Wäre die Bundesliga-Saison ein 400-Meter-Lauf, würde sie in Kürze auf die Zielgerade einbiegen. Während die ersten beiden Plätze vergeben sind und die halbe Liga nach unten schaut, kristallisiert sich im Kampf um die Champions League ein Krimi heraus — mit Borussia Mönchengladbach mittendrin.

Elf Punkte thront der FC Bayern München über dem VfL Wolfsburg, der wiederum neun Punkte Vorsprung auf Gladbach hat. Nur an einer Stelle in der Tabelle ist der Trennstrich zwischen zwei Positionen ähnlich klar gezogen: Der FC Augsburg liegt als Sechster momentan fünf Zähler vor der TSG Hoffenheim. Und so deutet viel darauf hin, dass Augsburg, der punktgleiche FC Schalke, Bayer Leverkusen und die Borussia als aktueller Dritter bis zum Saisonende eine Art Parallelwettbewerb austragen werden.

Zu vergeben sind ein direktes Ticket für die Champions League, eines für die Play-offs der Königsklasse, eines für die Gruppenphase der Europa League und eines für die 3. Qualifikations-Runde. Die Resultate im DFB-Pokal können noch für leichte Verschiebungen sorgen, aber endgültige Gewissheit herrscht dort ja erst, wenn die Bundesliga gelaufen ist und alle Teams — bis auf zwei — ohne jeden Einfluss das Endspiel in Berlin anschauen.

Bei den Fans von Gladbach, Leverkusen, Schalke und Augsburg hat längst die große Königsklassen-Kalkulation begonnen, wenn auch mit unterschiedlicher Intensität. Überall lautet die Frage: Wie viele Punkte sind nötig für Platz drei? Die Tabellenrechner im Netz haben so langsam wieder Hochkonjunktur. Hier sind ein paar Anhaltspunkte, was im Saison-Endspurt noch von Lucien Favres Borussia und den drei Konkurrenten zu erwarten ist.

Hinrunde als warnendes Beispiel

Gladbachs notorische Rückrundenschwäche der vergangenen Jahre war in der Winterpause oft ein Thema. 14 Punkte aus sieben Partien sind stark und deuten keinesfalls auf einen Einbruch hin. Doch den gab es bereits im Herbst 2014. In den letzten zehn Hinrundenspielen sammelte Gladbach nur noch 14 Punkte, in den ersten sieben waren es 13 gewesen. Unterdessen kam Leverkusen vom 8. bis zum 17. Spieltag auf 16 Zähler, Schalke (19) und Augsburg (18) drangen dank ihrer Serien überhaupt erst ins obere Tabellendrittel vor.

Topspiele en masse

Als Erklärung für das bessere Abschneiden der heutigen Konkurrenz konnte schon damals deren leichteres Restprogramm herhalten. Jetzt hat die Borussia noch sechs der ersten acht Teams vor der Brust — eines ist sie selbst, gegen Schalke gab es bereits eine Niederlage. Derzeit stehen die verbleibenden zehn Gegner im Schnitt auf Rang 7,3. Leverkusen (8,4) hat es einen Tick leichter, Schalke (11,6) und Augsburg (11,1) treffen jeweils noch auf sieben Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte. Dass der Abstiegskampf die halbe Liga in Atem hält, relativiert den vermeintlichen Vorteil der Schalker und Augsburger etwas. Dennoch ist das Restprogramm ein Nachteil für Gladbach.

Angst- und Lieblingsgegner

Zu Hause gegen Leverkusen hat die Borussia nicht nur unter Lucien Favre keinen Sieg errungen, sondern seit 1989 überhaupt nicht mehr gewonnen. In Bremen gab es unter dem Schweizer zwar drei Unentschieden, der letzte Sieg im Weserstadion liegt jedoch 28 Jahre zurück. Und im Borussia-Park steht gegen Augsburg nur ein Erfolg aus drei Duellen zu Buche. Die letzten drei Ligaaufgaben des VfL klingen nicht gerade verheißungsvoll, und der Weg davor ist auch nicht mit Lieblingsgegnern gepflastert. In der Favre-Ära holte Gladbach in 31 vergleichbaren Spielen gegen diese Teams 44 Punkte, ein Schnitt von 1,42.

Endspurt-Bilanz unter Favre

2011 sammelte die Borussia in den letzten zehn Saisonspielen 17 Punkte, fast so viele wie in 24 Partien davor. Am Ende gab's ein Wunder. 2012 kamen auf der Zielgeraden nur noch 13 Zähler dazu, Platz drei wurde verspielt. 2013 konnte Gladbach den Schnitt halbwegs halten, nur war der allgemein nicht gut genug, um sich fürs internationale Geschäft zu qualifizieren. 19 Punkte im Endspurt 2014 waren stark und brachten eine Verbesserung von Rang acht auf Rang sechs. Auf dem Papier war das Restprogramm viel leichter als diese Jahr. Doch gegen die fünf Gegner aus der ersten Tabellenhälfte holte die Borussia zwölf Punkte, gegen die fünf aus der unteren waren es nur sieben.

Das Schneckenrennen

Blickt man auf die Hinrunde, sind vom VfL noch 14 Punkte zu erwarten. Die Analyse der Angst- und Lieblingsgegner liefert ebenfalls 14 Punkte als Prognose. Unter Favre gab es in den letzten zehn Saisonspielen durchschnittlich 15,5. Bei etwa 55 bis 57 Punkten würde sich die Borussia demnach einpendeln, der Minusrekord des schwächsten Dritten seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995 liegt bei 55.

So ein Schneckenrennen um die Königsklasse gab es lange nicht. Nur in sechs von 19 Jahren reichten weniger als 60 Zähler. Keiner der damaligen Tabellendritten nach 24 Spieltagen hatten zu diesem Zeitpunkt weniger Punkte gesammelt als Gladbach heute. Das heißt: Sechs Siege sollten es sein, um den Champions-League-Traum wahr werden zu lassen. Werden es nur fünf, sind Erfolge in den direkten Duellen mit der Konkurrenz Pflicht (zu Hause gegen Leverkusen und Augsburg). Außerdem muss Schalke noch nach Augsburg und empfängt Leverkusen. Mit Sicherheit lässt sich nur eines sagen: Dass es bis zum Ende ein Krimi bleiben wird.

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