Borussia Mönchengladbach: Raffael blick auf wechselhafte Hinrunde zurück

Borussias Raffael: Das gute Gefühl des Doppelpacks

Raffael ballte die Fäuste und schrie seine Freude hinaus. Er geht mit einem guten Gefühl aus der Hinrunde der Bundesliga. Diese war nicht immer die seine, weswegen es beim "Maestro" war wie beim Rest der Borussen: wechselhaft.

Doch am Ende ist er obenauf, hat zwei der drei Tore geschossen gegen den HSV, war der Matchwinner und hat damit seinem Team drei wichtige Punkte beschert.

Sechs Tore hat Raffael in der Hinrunde erzielt, verteilt indes auf drei Spiele. Gegen den VfB Stuttgart (2:0), in Berlin (3:2) und nun gegen den HSV schaffte er ein Doppelpack. Gegen die Hanseaten gab es indes eine Saisonpremiere: Raffaels Pass auf Thorgan Hazard im Vorfeld des 1:0 war sein erster Assist im 17. Spiel, der erste in der Bundesliga seit dem 20. Februar 2016, als er Mo Dahoud den Derby-Sieg gegen Köln auflegte. Sieben Scorerpunkte hat der Brasilianer nun beisammen, das ist okay — doch er selbst hat höhere Ansprüche an seine Arbeit.

Seine Saison begann optimal, beim Pokalspiel in Essen erzielte er das 2:1-Siegtor. Dann aber kam das Warten: Vier Spiele war er ohne Tor, nach dem Stuttgart-Doppepack hatte er fünf torlose Einsätze, bis er wieder traf in Berlin, seither gab es viermal kein Raffael-Tor. Dafür aber immer wieder, nach verpassten Chancen, den trotzig-genervten Blick Raffaels, der zeigte: Nein, ich bin nicht zufrieden.

Auch gegen den HSV gab es diesen Raffael-Blick zu sehen — der auch voller Sehnsucht ist, der Sehnsucht nach dem Tor. Erst, als ihn Michael Cuisance auf die Reise schickte, sein Schuss aber knapp am langen Pfosten vorbeistrich, und dann, als Patrick Herrmann scharf flankte und Raffael per Kopf zur Stelle war, der Ball aber Torwart Christian Mathenia traf und nicht das Tor. Da stand es 1:1. Wäre es dabei geblieben oder gar schlimmer gekommen, wäre die Szene wohl dafür mitverantwortlich gemacht worden dafür.

So aber war Raffael der Held. Mit seinen Toren fünf und sechs hat er in einer Saisonhälfte seine Ausbeute der Vorsaison (sieben Treffer) schon fast eingestellt. Hält er die Quote, wird er vermutlich zum vierten Mal in fünf Jahren Gladbach zweistellig treffen. Und: Mit seinen sechs Toren hat er Borussia im Alleingang neun Punkte beschert. Also ist auch ein Raffael, der längst noch nicht alles gezeigt hat, eine wichtige Komponente im Gladbacher Konstrukt.

Raffael ist nach Thorgan Hazard, der gegen den HSV sein sechstes Saisontor erzielte und den sechsten Assist einsammelte, der zweitbeste Scorer der Hinrunde. Lars Stindl kommt auf sechs Scorerpunkte. Gegen den HSV zeigte sich zudem: Wenn Borussias Vorzeigeoffensive in Spiellaune ist, darf man höchste ästhetische Maßstäbe ansetzen. Die Art und Weise, wie Raffael, Hazard und Stindl kombinierten bei den Toren Nummer eins und zwei, das war vom Feinsten. Beim zweiten Treffer holte Hazard im Mittelfeld den Ball, schickte Vincenzo Grifo auf die Reise, der dann Raffael seinen ersten Treffer auflegte.

Hecking weiß, wie wichtig das Trio ist, weswegen er kaum auf die drei Herren verzichtet. Stindl hat in den 19 Pflichtspielen gerade mal sieben Minuten verpasst, Hazard nur 47, beide gehörten immer zur Startelf. Raffael stand in 17 der 19 Partien beim Anpfiff auf dem Platz.

Das wird sicherlich auch am Mittwoch der Fall sein, wenn Bayer Leverkusen kommt, um die Borussen im Pokal-Achtelfinale herauszufordern. Dass es Raffaels großer Traum ist, in seiner früheren Heimat Berlin mal das Finale zu erleben, hat er schon oft gesagt. Deswegen gibt es gegen Bayer auch keine Alternative, als zu siegen.

Raffael ist mental gut vorbereitet. Er geht mit dem guten Gefühl des Doppelpacks in das Spiel, zudem hat er in beiden bisherigen Pokalspielen "gescored": In Essen traf er nach Hazards Vorarbeit, in Düsseldorf legte er Hazard das 1:0-Siegtor auf. Raffael und auch der Rest der Borussen hätten nichts dagegen, wenn er auch im dritten Pokalspiel wieder produktiv wäre.

(kk)