Heimbilanz, Gegentore, Punkte Wie Borussias desaströse Zahlen einzuordnen sind

Mönchengladbach · Auftritte wie der gegen den SC Freiburg sind besorgniserregend, auch mit Blick auf das, was Gladbach in dieser Saison noch erwartet. Rechnet man die Zahl der Gegentore und Punkte hoch, wird deutlich, wie schwach die Spielzeit am Ende wirklich sein könnte.

Noten Borussia Mönchengladbach: Einzelkritik zum 0:3 gegen Freiburg
29 Bilder

Borussia - Freiburg: die Fohlen in der Einzelkritik

29 Bilder
Foto: dpa/David Inderlied

Die Niederlage gegen den SC Freiburg hat bei Borussia Mönchengladbach eine Serie beendet, auf die der Klub ohnehin nicht hätte stolz sein können: Im September, Oktober, November, Dezember, Januar und Februar hatte Borussia jeweils einen Bundesligasieg eingefahren. Freiburg war die letzte Chance, den Lauf fortzusetzen – die 0:3-Pleite markiert nach dem Pokal-Aus beim Drittligisten 1. FC Saarbrücken den nächsten Tiefpunkt einer Saison, die die Gladbacher historisch schlecht beenden könnten. Das Spiel gegen Freiburg hat mit Blick auf die desaströsen Zahlen insbesondere drei wesentliche Punkte weiter genährt.

Heimbilanz Nach dem Auftaktprogramm mit den Heimspielen gegen Bayer Leverkusen (0:3), den FC Bayern München (1:2) und RB Leipzig (0:1) gelang es Borussia zwischenzeitlich, sechs Ligaspiele in Folge zu Hause ungeschlagen zu bleiben. Nacheinander wurden Siege gegen den FC Heidenheim (2:1), den VfL Wolfsburg (4:0) und 1899 Hoffenheim (2:1) eingefahren.

Doch eine Heim-Macht ist Gladbach in dieser Saison nicht. Nur 19 von möglichen 42 Punkten wurden geholt. In der Vergangenheit war es unter anderem Borussias Stärke, die Großen der Liga regelmäßig zu Hause zu ärgern. Ein wirklicher Achtungserfolg ist Trainer Gerardo Seoane und seinem Team nur einer geglückt: das 3:1 zum Jahresauftakt gegen den VfB Stuttgart. In der vergangenen Saison hatte Gladbach zum gleichen Saisonzeitpunkt aus 14 Heimspielen 27 Punkte geholt, am Ende gab es zehn Siege und nur vier Niederlagen.

Drei Heimspiele bleiben, um die Bilanz im Borussia-Park aufzupolieren. Im April und Mai sind Borussia Dortmund, Union Berlin und Eintracht Frankfurt zu Gast. In diesen Partien ist Borussia fast zum Siegen verdammt, denn Auswärtserfolge (ein Sieg in 13 Spielen) sind ebenfalls Mangelware.

Borussia Mönchengladbach: Zuschauer-Schnitt seit 2004
22 Bilder

Der Zuschauer-Schnitt im Borussia-Park

22 Bilder
Foto: dpa/Federico Gambarini

Gegentore Gegen Freiburg kassierte Gladbach die Gegentore Nummer 51, 52 und 53. Nur der VfL Bochum und Darmstadt 98 haben ligaweit eine noch schlechtere Abwehr. Unter Seoane kassiert Borussia pro Spiel im Schnitt 1,96 Gegentore, hochgerechnet ergäbe das am Saisonende 66 zugelassene Treffer – mehr waren es nur nach der ersten Bundesligasaison 1965/66 (68 Gegentore) und in der Abstiegssaison 1999, damals war Gladbach mit 79 Gegentoren die Schießbude der Liga.

Mit dem Defensivproblem hatten bereits Seoanes Vorgänger zu kämpfen. Daniel Farke (55 Gegentore), Adi Hütter (61 Gegentore) und Marco Rose (56 in der zweiten Saison) bekamen die löchrige Abwehr nicht in den Griff. Das größte Problem in dieser Saison sind dabei nicht regelmäßig hohe Klatschen (die 0:3-Spiele gegen Leverkusen und Freiburg sind die höchsten Saisonniederlagen), sondern die Tatsache, dass Borussia bislang nur drei Zu-Null-Spiele vorzuweisen hat.

Und: Borussia spielte bereits dreimal 3:3, am ersten Spieltag gar 4:4. Macht alleine 13 Gegentore in vier Duellen mit Teams wie Augsburg, Darmstadt, Freiburg und dem 1. FC Köln, hinzu kommen jeweils ein 2:2 gegen Werder Bremen und Mainz. Das zeigt, dass Gladbach selbst gegen die schwächsten der Liga nicht verteidigen kann.

Punkte Es ist häufig eine Frage der Betrachtung: Ist es positiv, dass Borussia trotz regelmäßiger besorgniserregender Auftritte bereits 28 Punkte auf dem Konto hat, weil sie damit noch acht Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hat, oder ist es besorgniserregend, weil man nach einem Spiel gegen Freiburg nicht weiß, wie noch weitere Punkte hinzukommen sollen?

Fest steht: Nur in fünf Spielzeiten hatte Borussia nach 27 Spieltagen weniger Punkte, darunter die Abstiegssaisons 1998/99 und 2006/07 sowie das Relegationsjahr 2010/11. Pro Spiel holt Gladbach durchschnittlich 1,04 Punkte, macht 35 Punkte am Saisonende – eine Zahl, mit der man zuletzt in der Saison 2015/16 direkt abgestiegen wäre. Gladbachs Glück: Mainz, Köln und Darmstadt bilden ein historisch schlechtes Schlusslicht-Trio.

Um die Ausbeute der Vorsaison (43) zu erreichen, müsste Borussia sich im Endspurt in einen Rausch spielen. Das scheint angesichts der jüngsten Ereignisse allerdings utopisch und würde alle Trends der Saison (viele Gegentore, Auswärtsschwäche, keine zwei Siege in Folge) auf den Kopf stellen. Wahrscheinlicher ist es, dass Gladbach zum vierten Mal in Folge schlechter abschneidet als in der Saison zuvor. Das gab es in Borussias Bundesliga-Geschichte erst einmal – von 1995 bis 1999 – und mündete im ersten Abstieg.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort