Diagnose Hodentumor Welche medizinischen Checks bei Borussias Profis regelmäßig stattfinden

Mönchengladbach · Die Hodentumor-Diagnose bei Sébastian Haller wirft die Frage auf, ob die Vereine bei ihren Medizin- und Leistungschecks auch das Thema Vorsorgeuntersuchung angehen. Wir haben nachgefragt, wie das bei Borussia Mönchengladbach gehandhabt wird.

Borussia Mönchengladbach: Rückennummern 2024/25 - 18 und 22 neu
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Die Rückennummern der Borussia-Profis 2024/25

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Foto: jdp/Jens Dirk Paeffgen

Vor jeder Saison müssen sich die Fußball-Profis der Bundesliga-Klubs umfangreichen medizinischen Untersuchungen und Leistungschecks unterziehen. Dabei wird unter anderem das Herz-Kreislaufsystem der Sportler überprüft, um Krankheiten oder sonstige Auffälligkeiten möglichst früh zu erkennen. Im Detail unterscheiden sich die Untersuchungen bei den einzelnen Klubs vor allem, was den Umfang angeht.

Anfang der Woche wurde bei Dortmunds Sébastian Haller ein Tumor im Hoden festgestellt, zuvor hatte der Angreifer über Unwohlsein geklagt. Erst vor vier Wochen war Haller zum BVB gewechselt. Auch Timo Baumgartl (Union Berlin) und Marco Richter (Hertha BSC) waren kürzlich von der Diagnose Hodentumor betroffen. Auch wenn jeder dieser Fälle für sich betrachtet werden muss und nicht bekannt ist, wann die Tumore erkennbar gewesen wären, wirft es die Frage auf, inwieweit sich die Vereine mit dem Thema Vorsorge beschäftigen. Denn Hodentumore treten insbesondere bei jungen Männern auf. Vorgeschrieben ist die Vorsorgeuntersuchung durch die Deutsche Fußball Liga (DFL) allerdings nicht.

„Bei Borussia werden im Rahmen der umfangreichen sportärztlich internistischen Untersuchungen bei allen männlichen Sportlern regelmäßig auch die Hoden klinisch untersucht. Bei auffälligen Befunden erfolgt eine weitere urologische Abklärung“, sagt Heribert Ditzel, der seit 1994 internistischer Mannschaftsarzt der Profis ist und seine Praxis mittlerweile im Neubau des Borussia-Parks hat, auf Nachfrage unserer Redaktion. Ergänzt wird das Ärzte-Team des Vereins von Stefan Hertl und Ralf Doyscher.

„Unabhängig vom Thema Sport kann ich jedem Mann jüngeren und mittleren Alters nur empfehlen, im Rahmen einer eigenen Vorsorgeuntersuchung in Abständen die eigenen Hoden abzutasten und bei Auffälligkeiten (dies wären vor allen Dingen am Anfang kleine schmerzlose feste bis harte Knotenbildungen) den Befund dem Hausarzt oder gleich einem Urologen vorzustellen“, sagt Ditzel und betont, dass bei frühzeitiger Diagnose eine hohe Heilungschance besteht.

Die Vorsorgeuntersuchung ist allerdings nur ein kleiner Teil der Gesundheitsdiagnostik. Hinzu kommen zahlreiche Tests zur Motorik und Ausdauer, auch Fehlstellungen und Dysbalancen des Körpers werden überprüft. Die Augen werden mit einem Sehtest durchgecheckt, eine Laufanalyse findet ebenso statt wie ein Sprungkraft-Test und die Messung der Atemgase während körperlicher Belastung. Zwei Tage waren vor dem Trainingsauftakt im Juni dafür angesetzt. Borussias Ärzte, Athletiktrainer und Physiotherapeuten erfassten alle Daten detailliert, damit die Ergebnisse auch mit denen aus den Vorjahren verglichen werden können.

 Heribert Ditzel ist bei Borussia Mönchengladbach als internistischer Mannschaftsarzt tätig.

Heribert Ditzel ist bei Borussia Mönchengladbach als internistischer Mannschaftsarzt tätig.

Foto: Christian Verheyen

Die Erkenntnisse dienen zudem dem Trainerteam, um die Belastung der Trainingseinheiten während der Vorbereitung auf die Spieler abzustimmen. Während der Saison wird bei Borussia zudem regelmäßig der CK-Wert der Spieler gemessen. Ist der Wert des Enzyms Creatin-Kinase (CK) zu hoch, kann das frühzeitig auf eine Schädigung der Muskulatur hindeuten und ein Indiz dafür sein, die Trainingsbelastung des betreffenden Spielers herunterzufahren, um keine Verletzung zu riskieren.