Borussia Mönchengladbach: Preis für Niclas Füllkrug wäre normal

Marktwert-Entwicklung: Wie viele de Jongs sind für Borussia ein Füllkrug?

Borussia könnte von der Inflation auf dem Transfermarkt sowohl profitieren als auch darunter leiden. Das veranschaulichen das Beispiel Niclas Füllkrug und die Werte der Gladbacher Topspieler.

Anfangs hieß es, unter acht Millionen Euro sei ganz sicher nichts zu machen. Dann bot Borussia zehn Millionen, die andere Seite rief schier irrsinnige 20 auf, am Ende traf man sich bei zwölf. Sechs Jahre ist es her, dass Luuk de Jong vom FC Twente aus Enschede kam und vier Jahre lang Gladbachs Rekordeinkauf blieb – zwei Jahre länger, als er dort überhaupt unter Vertrag stand. Das gleichzeitig teuerste Missverständnis der Vereinsgeschichte lädt ein, sich die Frage zu stellen, auf welche Summe sich Borussia und Twente heute einigen würden.

Der Transfermarkt hat sich nicht ganz so verändert wie die Skyline Shanghais seit 1987 (einfach mal googeln), scheint sich aber auf dem besten Weg zu befinden. Zur Erinnerung: De Jong war bei seinem Wechsel nach Gladbach 21 Jahre alt, war gerade zur EM gefahren und hatte in 31 Ligaspielen in den Niederlanden 25 Tore und neun Vorlagen für Twente produziert.

Heute heißen die begehrtesten Spieler der Eredivisie unter anderem Hakim Ziyech (25 Millionen Euro) und David Neres (20). Die Offensivspieler von Ajax Amsterdam werden derzeit für 36 und 30 Millionen gehandelt – wie einst de Jong etwa 50 Prozent über ihrem Marktwert auf transfermarkt.de. Es darf angenommen werden, dass Borussia de Jong vor sechs Jahren gewiss nicht unter 20 Millionen bekommen hätte.

Nicht lange ist es her, da geriet der Niederrhein bei zweistelligen Millionenbeträgen noch in kollektive Schnappatmung. Der Sommer 2016, als 42 Millionen für Granit Xhaka reinkamen und 15 für Christoph Kramer sowie 11 für Jannik Vestergaard ausgegeben wurden, hat sowohl sensibilisiert als auch abstumpfen lassen. Zwölf Millionen für Denis Zakaria und 17 Millionen für Matthias Ginter lasen sich im Jahr danach nur noch halb so dramatisch. Inzwischen hat es den Anschein, als gäben Marktwerte nur noch Relationen wider: Spieler A hat Summe X gekostet, damit ist Summe Y für Spieler B gerechtfertigt. Nach der WM kommen für jede gute Leistung, für jedes Tor noch Aufschläge dazu wie bei einem Auto, dessen Basisversion aufgemotzt wird. Borussias Manager Max Eberl sprach vor mehr als zwei Jahren erstmals von „Monopoly“, wobei selbst beim beliebten Gesellschaftsspiel die Preise für die Straßen vor vielen Jahren mal deutlich reduziert wurden.

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Borussia Mönchengladbach: Mehr Marktwert trotz enttäuschender Saison

Der Fußball-Transfermarkt verspricht dagegen einen Sommer, wie er früher niemals war. Borussia hat besonderes Potenzial, einiges zu erleben, weil sie nicht nur mit sieben Spielern bei der WM vertreten ist, sondern fünf dieser Spieler auch zu den wertvollsten im Kader gehören. Neben Ginter, Zakaria, Thorgan Hazard, Nico Elvedi und Vestergaard zählen Lars Stindl und Kramer zu den sieben Borussen mit dem höchsten Marktwert laut transfermarkt.de. Zusammen kommen sie auf 128 Millionen, gekostet haben sie etwa 60 – verkauft werden könnten sie in diesem Sommer für 180, wenngleich der Verein es sich schon überlegt haben wird, wo die unmoralischen Sphären liegen. „Natürlich gibt es immer Situationen, in denen wir als Borussia gar nicht anders können“, sagte Eberl im Interview mit unserer Redaktion.

Trotz einer enttäuschenden Saison hat Borussia um 23 Prozent (Rest der Liga: 36,8) zugelegt seit dem Ende der Sommer-Transferperiode 2017. Zuvor war der Kaderwert durch die Abgänge von Mo Dahoud und Andreas Christensen erstmals seit Jahren gesunken. Momentan werden Spieler teurer wie in Fässern lagernder Whiskey, nur schneller. Dass Niclas Füllkrug passiv an Wert dazugewonnen hätte, kann dagegen niemand behaupten. Der Stürmer von Hannover 96 traf 14-mal in der Bundesliga. Angebote über elf und 13 Millionen Euro soll Borussia abgegeben haben – beide abgelehnt. Trotzdem kommen die weiteren Verhandlungen nach Informationen unserer Redaktion voran.

Wechselt Füllkrug wirklich nach Gladbach, wäre er offiziell einer der teuersten Einkäufe der Vereinsgeschichte. Berücksichtigt man die Inflation auf dem Transfermarkt, müsste Borussia aber schon mehr als 20 Millionen zahlen, damit Füllkrug umgerechnet teurer würde als de Jong. Wer scheinbar wahnsinnige Preise zahlt, der kann sie auch verlangen. Und andersherum.

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