Borussia Mönchengladbach: Pokalspiel kann Marco Rose in die Karten spielen

1:0 in Sandhausen : Borussias Pokalspiel kann Rose in die Karten spielen

Die Verletzung von Borussia Mönchengladbachs Jonas Hofmann ist bitter. Trotzdem kann das Pokalspiel Trainer Marco Rose Erkenntnisse bringen, die für die Zukunft wichtig sind.

Möglicherweise wird Jürgen Machmeier, der Präsident des SV Sandhausen, seine Worte im Nachhinein bereuen. Er hatte am Freitag nach der 0:1-Niederlage des Zweitligisten gegen Borussia Mönchengladbach dem Team des neuen Trainers Marco Rose geraten, es solle „weniger schauspielern“, nachdem seinem Team allzu große Härte vorgeworfen worden war. Die Diagnose, die am Sonntag die MRT-Untersuchung des Knies von Gladbachs Jonas Hofmann zu Tage förderte, belegte indes, dass es wenig mit Schauspielerei zu tun hatte, als Hofmann nach einer Attacke des Sandhäusers Rúrik Gíslason vom Platz musste: Er hat einen Innenbandriss im rechten Knie.

Hofmanns Verletzung ist für Gladbach ein bitterer Nachklang einer Geschichte, die zeigte: Das Projekt, das Rose bei Borussia begonnen hat, ist auch eine Geduldsprobe. Nur weil er da ist, wird nicht zwangsläufig sofort Rose-Fußball gespielt. Für den Trainer ist das keine neue Erkenntnis. Doch um ihn herum ist schon eine hysterische Euphorie entstanden, was den künftigen Fußball der Gladbacher angeht.

Rose will Tempo, rassige Zweikämpfe und viele Torraumszenen sehen, pure Action also. Doch man kann Action nicht planen. Fußball ist nicht Hollywood, er gehorcht keinem Drehbuch. So war das Spiel der Borussen in Sandhausen eines von der typischen Pokal-Stange: Underdog rennt und kämpft, Favorit tut sich schwer, muss fighten statt glänzen, tut das, gewinnt knapp.

Damit hat Borussia im ersten Rose-Spiel das Wesentliche getan: Sie hat die Pflicht erfüllt und sich ihren Platz in Runde zwei gesichert. Alles andere wäre problematisch gewesen: Ein Aus in Sandhausen hätte der neuen Geschichte, die in Gladbach geschrieben werden soll, einen argen Dämpfer verpasst.

Daher ist alles gut. Und vielleicht spielt das, was in Sandhausen geschah, Rose sogar in die Karten, wenn man die Erkenntnisse des Spiels betrachtet: „Wir haben nicht unseren Fußball, wie wir ihn spielen wollen, umgesetzt“, gestand Rechtsverteidiger Stefan Lainer. „Der Gegner hat uns ständig unter Druck gesetzt“, erklärte er, warum es so war.

Sandhausen bekämpfte quasi Feuer mit Feuer, denn das Stressen des Gegners, das wollen eigentlich die Gladbacher zu ihrem Prinzip machen. Das Projekt muss wachsen und gedeihen, es muss reifen und ausreifen. Auch in Salzburg, das hat Rose schon oft betont, hat es gedauert, bis seine Idee im letzten Winkel der Spielerköpfe angekommen war.

Rose weiß, dass in der Umsetzungsphase gute Ergebnisse besonders wichtig sind. Denn Erfolg ist nun mal die härteste Währung im Fußball. Wer gewinnt, macht alles richtig. „Im Endeffekt ist es ein Ergebnissport“, stellte Sechser Tobias Strobl entsprechend fest. Er selbst war neben dem starken Torwart Yann Sommer und dem Siegtorschützen Marcus Thuram, der gleich im ersten Pflichtspiel traf, Garant für den gelungenen Auftakt der Rose-Ära. Strobl sorgte für Ruhe im Zentrum und war auch noch der Vorlagengeber für Thuram.

Die Art, wie das erste Pflichtspieltor der Borussen fiel, passte zum Abend: Es war kein Treffer, der auf beachtliche Weise herauskombiniert wurde, sondern eines nach alter Väter Sitte: Flanke, Kopfball, Tor. Dass Thuram für seinen Abschluss die Variante Flugkopfball wählte, die man so lange nicht gesehen hat in Gladbach, gab der entscheidenden Aktion etwas Spektakuläres.

Rose wird nun weiter an seinem Projekt arbeiten und feilen. Was ihm das Pokalspiel gebracht hat: Erstens die Gewissheit, dass sein Team auch im unfertigen Zustand Erfolge einsammeln kann. Und zweitens, dass die Fußballwelt nun den Beleg hat, dass die neue Borussia nicht von heute auf Morgen fertig ist. Das Spiel war keine Schauspielerei, sondern ein Plädoyer für Realismus.

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