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Borussia Mönchengladbach: Patzer von Florian Neuhaus im Derby hat mehrere Ebenen

Borussia schenkt Momentum her : Neuhaus-Patzer gegen Köln hat mehrere Ebenen

Der eingewechselte Florian Neuhaus brachte den 1. FC Köln im Derby mit einem Fehlpass auf die Siegerstraße. Es war nicht der erste Aussetzer des Borussen in den vergangenen Wochen. Und auch noch aus einem anderen Grund bekommt die Sache einen bitteren Beigeschmack.

Florian Neuhaus, das verrät sein Blick, war sich am Samstagabend nach dem Abpfiff des 93. Bundesliga-Duells zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln bewusst, dass er Entscheidendes dazu beigetragen hatte, aus Gladbacher Sicht die negative Wende einzuleiten. Sein Querpass in der 77. Minute wurde zur Steilvorlage für Mark Uth und die Kölner, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch dabei waren, das Ausgleichstor zum 1:1 durch Jonas Hofmann zu verdauen.

Denn drei Minuten zuvor war ein Großteil der 50.000 Zuschauer im ausverkauften Rheinenergiestadion verstummt. Die Borussia-Fans gaben nach Hofmanns Tor auf den Rängen den Ton an, nachdem sich die Gladbacher für ihre stärkste Phase im Spiel verdient belohnt hatten. In den Minuten vor dem 1:1 hatte Plea erst den Pfosten getroffen, ehe Hofmann nach einem Konter das Tor verfehlte und abermals Plea aus kurzer Distanz an FC-Torhüter Marvin Schwäbe scheiterte. Das Momentum des Spiels kippte spätestens mit dem Hofmann-Treffer auf die Seite der Borussen.

Neuhaus‘ Aussetzer sorgte kurz darauf dafür, dass das schnell wieder vorbei war. „Köln war ein bisschen down, das muss man ausnutzen, aber wir haben leider ein paar Geschenke gemacht“, sagte Gladbachs Torhüter Yann Sommer nach dem Spiel. „Solche Fehler passieren leider einfach, das passiert jedem, sie gehören zum Sport dazu“, so Sommer, der Neuhaus damit in Schutz nahm, aber auch anmerkte, dass der Fehlpass die Mannschaft „ein wenig aus dem Konzept gebracht“ habe.

Dass Borussia nur 89 Sekunden später das dritte Tor kassierte und es den Kölnern gelang, dem Team von Trainer Adi Hütter so endgültig den Stecker zu ziehen, muss sich nicht nur Neuhaus vorwerfen lassen. Bis zum missglückten Rettungsversuch durch Nico Elvedi im eigenen Sechzehner schaffte es keiner der Borussen, die kurzzeitig paralysiert wirkten, beim Angriff der Kölner auch nur ansatzweise in die Nähe des Balls zu kommen. Auch beim Tor zum 1:4-Endstand in der Nachspielzeit war die Gegenwehr aller Borussen erschreckend gering.

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  • Borussia-Trainer Adi Hütter.
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Trotzdem, und das wird Neuhaus vermutlich selbst durch den Kopf gegangen sein, hat sein Fehler mehrere Ebenen – und darüber hinaus noch einen „Ausgerechnet“-Faktor. Denn erneut hatte Neuhaus eine unerklärliche Aktion in seinem Spiel. Nach seiner Einwechslung gegen den VfL Bochum (2:1) wagte er vor rund vier Wochen ohne Not ein Dribbling im eigenen Sechzehner. Damals hatte der Ballverlust keine schweren Folgen, womit man bei der nächsten Ebene landet: Nun hat Neuhaus das Derby verbockt – so lautet zumindest der Tenor bei zahlreichen Gladbach-Anhängern, die aber auch zugeben sollten, dass der 1. FC Köln von Beginn an mehr von den Dingen ins Spiel investierte, die es in einem Derby braucht, wenngleich ein Unentschieden nach 75 Minuten durchaus gerecht gewesen wäre. „Köln ist uns sehr hoch angegangen, war bissig und aggressiv in den Zweikämpfen und hat sehr emotional Fußball gespielt“, sagte Hütter anerkennend.

Die dritte Ebene: Neuhaus hatte nach dem 1:1 in Mainz, wo er nach seiner Einwechslung das zwischenzeitliche Führungstor erzielte, öffentlich über fehlende Rückendeckung des Vereins geklagt. Dass ausgerechnet er die Kölner mit so einem Fehlpass auf die Siegerstraße brachte, passt für viele Beobachter nicht zusammen. Dass seine Ungenauigkeiten, die er auch in der Woche zuvor gegen die SpVgg Greuther Fürth, wo er ebenfalls einen Treffer erzielte, eine Folge mangelndem Selbstvertrauens und Unsicherheit sein könnten, gilt im Leistungssport meist nicht als Entschuldigung.

Neuhaus selbst dürften die ganzen Zusammenhänge gerade wie ein Albtraum vorkommen. „Ich habe gemerkt, wie schnell es im Profifußball gehen kann“, hatte Neuhaus in Mainz gesagt. Nach dem Derby wollte er sich nicht äußern. Dort bekam er nun auf die bitterste Art und Weise gezeigt, wie schnell ein Fehler bestraft werden kann – nämlich nach 3,4 Sekunden.

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