Borussia Mönchengladbach: Patrick Herrmann meldet sich zurück

Im Sommer war er fast weg, nun gehörte er zur Startelf: Patrick Herrmann ist wieder da

Mönchengladbachs Eigengewächs Patrick Herrmann stand im Sommer vor einem Wechsel, überzeugte dann aber seinen Trainer Dieter Hecking. Beim 3:1 gegen Frankfurt gehörte der Flügelstürmer zur Startelf. Das könnte auch jetzt in Wolfsburg so sein.

Was jetzt wäre, wenn sich Ibrahima Traoré am 4. August beim Testspiel von Borussia Mönchengladbach beim FC Southampton nicht verletzt hätte, darüber lässt sich trefflich philosophieren. Eine These: Patrick Herrmann wäre womöglich kein Borusse mehr. Der ewige Gladbacher, der seit zehn Jahren im Klub ist, hätte sich vielleicht einen neuen Arbeitgeber gesucht – wegen mangelnder Perspektiven. Doch Traoré musste raus, Herrmann kam ins Spiel und schoss zwei Tore beim 3:0 gegen den englischen Premier-League-Klub.

In den Tagen zuvor war ausführlich spekuliert worden, dass eine Trennung wahrscheinlich sei. In einem offenen Gespräch hatte Trainer Hecking dem Spross des Borussen-Internats seine Situation dargelegt und ihm klargemacht, unter welchen Umständen Herrmann welche Chancen haben würde. Es gab Interessenten, Werder Bremen, Hannover 96 und der 1. FC Nürnberg wurden genannt.

Es wird nicht nur das Spiel im St. Mary’s Stadium gewesen sein, dass der Geschichte einen neuen Dreh gab, doch dürfte es wesentlichen Anteil daran gehabt haben, dass Herrmann wenige Tage nach dem Spiel dort erneut ein Gespräch mit Hecking hatte und danach via Instagram mitteilte: „Ich bleibe definitiv.“ Er habe nie wirklich wechseln wollen, versicherte Herrmann später unserer Redaktion. Bei jedem Wort war spürbar, wie erleichtert er war, Borusse bleiben zu können.

In Southampton hatte Hecking einen Herrmann gesehen, den er in seiner Zeit als Borussen-Trainer noch nicht erlebt hatte: konkret, zielgerichtet, entschlossen. Er fand die richtigen Räume, arbeitete gut nach hinten, war sicher im Abschluss. „Er wäre wahrscheinlich nicht im Verein geblieben, wenn wir nicht mit seiner Entwicklung im Sommer zufrieden gewesen wären. Er hat sich durch eine sehr gute Vorbereitung aber deutlich gezeigt, deshalb wollten wir ihn behalten“, sagte Hecking nun. Gegen Frankfurt (3:1) hatte er Herrmann, der auch um einen neuen Vertrag spielt, da der aktuelle 2019 endet, erstmals in die Startelf beordert, nachdem dieser zuvor gegen Schalke als Joker getroffen und in Berlin nach seiner Einwechslung Alassane Plea das 2:3 aufgelegt hatte. „Das Wichtigste ist, dass er Leistung bringt – und die hat gestimmt in den Spielen gegen Schalke und in Berlin. Gegen Frankfurt hätte ich mir ein bisschen mehr gewünscht. Aber generell hat Patrick in den ersten fünf Bundesligaspielen seinen Wert für uns gezeigt“, sagte Hecking.

Herrmann wurde im Sommer 2015 nach seiner bis dahin besten Saison Nationalspieler. Doch dann gab es die Verletzungs-Odyssee, die im Oktober 2015 mit einem Kreuzbandriss begann, sich mit einem Syndesmosebandriss im November 2016 dem Außenbandriss im April 2018 fortsetzte. Leichtigkeit und Spielfreude kamen ihm abhanden. Jetzt ist all das raus aus dem Kopf. Und Herrmann hat im Sommer erfahren, dass zehn Jahre Borussen-Dasein keine Garantie ist. Er hat hart gearbeitet, hat Hecking überzeugt. Nun ist er wieder da. Überspitzt gesagt ist es eine Art Neuanfang nach einem Jahrzehnt bei den Fohlen in Mönchengladbach.

Das 4-3-3-System kommt dem gelernten Außenstürmer entgegen. „Die Wege zum Tor sind kürzer und mit den beiden Achtern gibt es mehr Optionen vorne zu kombinieren“, sagt Herrmann. Er kann seine wiedergewonnene Schnelligkeit ausspielen und kommt öfter in Abschluss-Situationen. Dass er zudem sauber nach hinten arbeitet, war ein weiterer Aspekt, der ihm nach dem 2:4 in Berlin den Startelfplatz einbrachte und nun in Wolfsburg ebenfalls für Herrmann sprechen könnte.

Würde am Samstag seine beachtliche Auswechsel-Bilanz (131 Mal in 225 Spielen, 58 Prozent) weiter anwachsen, wäre er froh. Denn das würde bedeuten, dass er erneut erste Wahl war.

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