Borussia Mönchengladbach: Patrick Herrmann auf dem Abstellgleis

Das große Trainingslager-Fazit : Hecking setzt mit dem neuen System voll auf die Offensive der Borussia

Trainer Dieter Hecking hat seinen Spielern klare Ansagen gemacht. Die Mannschaft scheint die verstanden zu haben. Das Team von Borussia Mönchengladbach machte im Trainingslager einen guten Eindruck.

Borussias Trainingslager am Tegernsee war die zweite Phase der Vorbereitung. Bis auf Thorgan Hazard und Michael Cuisance sind alle Spieler eingestiegen, der Konkurrenzkampf hat konkret begonnen. Es waren wieder viele Fans da, die in Rottach-Egern am Team nah dran waren und genau hinschauen konnten. „Die Mannschaft hat sich gut verhalten“, fasste Trainer Dieter Hecking die Woche zusammen. Für die Borussen ging es gerade am Tegernsee auch darum, Hinweise zu geben, dass sich vieles, was in der vergangenen Saison nicht gut gelaufen ist, geändert hat. Es gibt frohe Botschaften.

Der Trainer Dieter Hecking hat sich am Tegernsee öffentlich kaum geäußert. Er hat gesagt, dem Fußball täte es gut, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und lebt das nun vor. Er hat ein neues System auserkoren, eines mit einem offensiven Spieler mehr. Das zeigt: Heckings neue Borussia geht in die Offensive. „Wir haben in der vergangenen Saison zu viel quer und nach hinten gespielt, jetzt wollen wir mehr Zug nach vorn haben“, stellte Hecking klar. Er weiß, dass er liefern muss, er selbst hat höhere Ansprüche. „Wenn der Kader komplett zur Verfügung steht, sollten wir unsere Ziele erreichen. Daran lasse ich mich messen“, hat er gesagt. Man darf es auch als klare Ansage an die Mannschaft verstehen.

Das Team „Die selbstgefällige Art und Weise, wie wir sie im letzten Saisonspiel in Hamburg gesehen haben, werden wir nicht mehr akzeptieren“, hat Hecking den Spielern klargemacht. Wer die ersten vier Wochen der Vorbereitung als Maßstab nimmt, sieht: Die Mannschaft hat offenbar verstanden. Die Spieler wirken konzentriert, fokussiert und stabil, mental und physisch. Es gibt trotz der Verletzungen von Michael Lang und Laszlo Bénes, die sehr ärgerlich sind, einen gesunden Konkurrenzkampf. Im wahrsten Sinne des Wortes. „Es gibt auf jeder Position Alternativen. Das stachelt an“, sagt Hecking. Bestenfalls wird es Härtefälle geben. Heckings Aufgabe ist, das zu moderieren.

System „Das 4-3-3 wird das zentrale Thema in der neuen Saison sein“, sagt Hecking. „Aber wir werden auch die Dreierkette intensiv trainieren.“ In den letzten beiden Testspielen gegen Espanyol Barcelona und Wegberg wird das defensive Dreierkonstrukt (3-4-3, 3-5-2) auch gespielt werden. Der Trainer setzt auf taktische Flexibilität, nachdem das 4-4-2 ein wenig zum Symbol für ein gewisse Eingefahrenheit geworden ist. Es ist als Backup weiter da, es ist die Muttersprache der Borussen. Nun kommen zwei neue Sprachen konkret hinzu – das passt, denn die Gladbacher wollen zurück ins internationale Geschäft. Doch am Ende geht es nicht um Systeme, sondern darum sie gut und ertragreich mit Leben zu füllen.

Personal In Alassane Plea ist eine echte Neun geholt worden, „ein Spielertyp, der uns gefehlt hat“, sagt Hecking. Der Franzose muss aber noch richtig ankommen. Dass er nicht nur eine Alternative zu Raffael ist, sondern auch ein Sturmpartner sein kann, hat Hecking klargestellt. Und auch, dass Thorgan Hazard bleiben soll. Patrick Herrmann hat indes keine Zukunft mehr bei Borussia, er dürfte auf der Suche nach einem neuen Klub sein. Ein neuer Verteidiger wird noch kommen, um eventuelle Ausfälle besser kompensieren zu können.

Offensive Nach den Eindrücken der ersten Wochen der Vorbereitung darf man sich auf Borussia in der neuen Saison freuen. Schnell, mutig, zielstrebig und zuweilen spektakulär kommt das Spiel nach vorn daher. Hecking fordert ein hohes Pressing, setzt auf kurze Weg zum Ziel. Das erfordert ein hohes Maß an körperlicher und geistiger Fitness. Gerade die offensive „Senioren-Riege“ Raffael (33), Fabian Johnson (30) und Ibrahima Traoré (30) tut sich in der Vorbereitung hervor. Das Konstrukt mit der Doppel-Acht kann ein Quell von Ideen und Torgefahr werden, insbesondere auf Florian Neuhaus darf man gespannt sein. Borussia hat das Potenzial, Spaß zu machen, und alle scheinen gewillt, das abzurufen.

Defensive Der Knackpunkt ist, zugleich mutig und offensiv, aber auch stabil zu sein. Ein defensiver Mittelfeldspieler fällt weg, umso mehr wird es auf das ganzheitliche Verteidigen ankommen. Nico Elvedi soll die Defensive schneller machen. Tony Jantschke ist Backup für die Innenverteidigung, Tobias Strobl für die Sechs. Beide sind als Multi-Talente wichtig, sie könnten auch in einer Dreierkette dabei sein. In der letzten Phase der Vorbereitung muss die Arbeit an der Stabilität das Hauptthema sein.

Fazit Die Borussen müssen das Sieger-Gen, das verloren gegangen ist, wiederfinden, das unbedingte Gewinnen-Wollen. „Das kommt aber nicht von selbst, das muss man sich erarbeiten“, sagt Hecking. Die neu definierte Borussia macht einen guten Eindruck. Aber alle, Trainer und Team, müssen das hohe Level halten. Dann können aus den schönen Versprechungen auch Fakten werden.

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