Borussia Mönchengladbach ohne Raffael bei Hannover 96

Seit vier Spielen ohne Punkt und Tor: Borussia muss ohne Raffael "den Bock umstoßen"

Am Samstag wird Borussia bei Hannover 96 versuchen, die Torlos-Niederlagen-Serie zu beenden. Allerdings muss Dieter Heckings Mannschaft dabei auf Raffael verzichten. Der für die Offensive so wichtige Brasilianer fehlt verletzt - wie sieben weitere Profis.

Es gibt bei Borussia Mönchengladbach derzeit gleich zwei alte Leiern: Die eine ist die anhaltende Torlosigkeit nach nun vier Niederlagen ohne eigenen Treffer, die andere ist die ebenso anhaltende Verletztenmisere. Beim Gastspiel am Samstag (15.30 Uhr/Live-Ticker) bei Hannover 96 fehlen erneut acht Spieler verletzt: Raffael, Julio Villalba, Tobias Strobl, Mamadou Doucouré, Oscar Wendt, Ibrahima Traoré, Fabian Johnson und Tony Jantschke stehen allesamt nicht zur Verfügung. "Das ist ein Thema, das uns ständig begleitet", sagte Trainer Dieter Hecking. "Das ist nicht gut, können wir aber seit Monaten nicht ändern. Kompliment, wie die Mannschaft damit umgeht. Das wird toleriert, ohne zu jammern."

Hoffnung gibt es noch bei Nico Elvedi, der sich vergangenen Sonntag bei der 0:1-Heimniederlage gegen Borussia Dortmund eine Bänderdehnung und Kapselverletzung im Fuß zugezogen hatte. "Nico kann morgen das Abschlusstraining mitmachen", sagte Hecking am Donnerstag. "Wir werden dann nach der Belastung entscheiden, ob er spielen kann oder nicht. Wenn nicht, gehen wir weiter auf die Suche nach einem passenden Ersatz." Zur Erinnerung: In Wendt, Jantschke, Johnson, Strobl, Doucouré und U23-Spieler Justin Hoffmanns fehlen Borussia bereits fünf Profis, die für die Außenverteidigerpositionen infrage kommen, die Elvedi zuletzt gar im Wechsel zwischen rechts und links bekleiden musste. Hecking betonte aber auch: "Nur, weil ein Spieler nicht mehr auf der Verletztenliste steht, heißt das nicht, dass er schon wieder zu 100 Prozent fit ist."

Das sah man zuletzt bei Raffael, der in der Offensive schmerzlich vermisst wird. Der Brasilianer laboriert immer noch an den Folgen seiner Wadenverhärtung. Da hat ihm offensichtlich das Spiel beim VfB Stuttgart, in dem er in der zweiten Halbzeit versuchen sollte, den 0:1-Rückstand wettzumachen, nicht geholfen. Hecking hatte schon vor dem Spiel gegen Dortmund gesagt, dass es eigentlich auch nicht geplant gewesen war, Raffael in Stuttgart so lange spielen zu lassen, doch nach dem Rückstand musste der "Maestro" ran — traf aber wie seine Kollegen nicht.

Das führt zur zweiten alten Leier, der Hecking zunächst einmal salopp begegnete: "Ich habe gerade Biathlon geguckt. Die haben auch nicht alle Scheiben getroffen, obwohl sie vorher alles abgeräumt haben", sagte der Trainer als Analogie zur Situation seiner Mannschaft, die seit 360 Minuten kein Tor mehr erzielt hat. Hecking schlug dann den Bogen: "Uns gefällt das im Moment auch nicht. Aber nochmal: Ich kann der Mannschaft insofern keinen Vorwurf machen, da wir uns Chancen kreieren. Ich bin weit davon entfernt, die Qualität unserer Offensivspieler infrage zu stellen. In dem einen Moment im Spiel musst du das Quäntchen Glück erzwingen. Wahrscheinlich ist es so, dass ein Ball in Hannover dreimal abgefälscht wird, und dann wissen wir auch nicht, wie er reingegangen ist", sagte der Ex-Stürmer, der in Hannover einen Klub wiedertrifft, in dem er bereits als Spieler und Trainer gearbeitet hat.

Hecking ergänzte, dass es keinen Knopf gebe, den man betätigen könne, und schon treffe eine Mannschaft wieder. "Letztendlich tappen wir alle ein bisschen im Dunkeln. Wir sind schon kritisch, aber den einen Punkt zu finden und den zu verändern, das ist es nicht. Wir müssen leidenschaftlich spielen wie gegen Dortmund. Dann klappt es vielleicht, den Bock umzustoßen. Gegen den BVB waren wir schon nahe dran." 28 Torschüsse gab sein Team gegen Dortmund ab, allerdings saß keiner. Das führt aber laut Hecking nicht dazu, dass die Spieler verzweifeln: "Ich sehe keinen Spieler, der jetzt hadert. Alle ziehen dran, um diesen Negativlauf zu beenden, am besten schon in Hannover", sagte der Trainer.

Er weiß indes, dass die Aufgabe beim Aufsteiger keine einfache ist: "Ich erwarte, dass die Hannoveraner so auftreten wie in den letzten Wochen oder eigentlich schon seit Saisonbeginn. Sie sind sehr nah an ihrem Ziel, den Klassenerhalt zu schaffen. Geschenkt werden wir da sicher nichts bekommen." Hecking ergänzte: "Sie machen es richtig gut und haben uns auch im Hinspiel sehr viele Probleme bereitet, als wir erst in der Nachspielzeit das 2:1-Siegtor gemacht haben." Damals der Schütze: Thorgan Hazard per Elfmeter, der auch den bislang letzten Treffer der Saison beim 2:0-Heimsieg gegen Augsburg erzielt hat. Im nächsten Spiel ballerte Hazard indes einen Elfmeter an die Latte, weshalb das 0:2 bei Eintracht Frankfurt der Startpunkt der Torlos-Niederlagen-Serie war. Diese — und damit zumindest eine Leier — zu beenden, das wünscht sich Hecking: "Ich habe eine hohe Lebensqualität, aber mit einem Sieg würde es mir noch besser gehen", sagte der Trainer.

(ame)