Borussia Mönchengladbach: Nürnberg ist ein Endspiel um Europa

Kampf um Europa : Borussia hat ein Endspiel in Nürnberg

Vor 19 Jahren schaffte die Borussia in Nürnberg den Aufstieg nicht. Nun will sie dort einen wichtigen Sieg einfahren. Es geht um die Champions League, um den gelungenen Schlussstrich des Trainers und um Millionen.

Borussia Mönchengladbach hatte schon mal ein Finale in Nürnberg. Das ist 19 Jahre her, und es war in der Zweiten Liga. Borussia hatte die Chance, mit einem Sieg noch Platz drei zu erlangen und aufzusteigen. Doch ging das Spiel beim „Club“ 1:2 verloren. Da aber ohnehin der 1. FC Köln, der längst als Aufsteiger feststand, 0:2 bei Gladbachs Konkurrent Energie Cottbus verlor, wäre es sowieso nichts mehr geworden mit der Bundesliga-Rückkehr.

Nun spielen die Borussen wieder kurz vor Schluss in Nürnberg. Und wieder geht es um etwas, nur hat sich Gladbachs Welt komplett gedreht seit jenem 26. Mai 2000. Es geht nicht um die Erstklassigkeit, es geht um Europa. Und vor allem: Die Borussen sind nicht abhängig von anderen wie damals vom Kölner Erzrivalen. Sie haben es selbst in der Hand. Zumindest, was die Plätze fünf und sechs angeht. Für Platz vier müssen Frankfurt und Leverkusen mitspielen. Mit einem Sieg und einem günstigen Verlauf des Restspieltags kann am Ende des Samstags aber eine Europa-Tour für die nächste Saison fix gebucht sein. Welches Europa es dann wird, das bliebe offen bis zum letzten Spiel gegen Borussia Dortmund.

Dass der siebte Platz eine langwierige Ochsen-Tour mit drei Qualifikationsrunden beinhalten würde, legt die Vermutung nahe, dass die Borussen alles dafür tun sollten, mindestens den sechsten Platz zu behalten, den sie aktuell haben. Bislang waren sie noch nicht schlechter in dieser Saison. Geht das Spiel in Nürnberg verloren, würde es vermutlich erstmals so kommen. Und ob das im letzten Spiel gegen den BVB, das dann kein Finale, sondern ein Schicksalsspiel wäre, zu reparieren wäre nach dann zwei Niederlagen in Folge, wäre zu bezweifeln.

Für die Königsklasse qualifizierte sich Borussia 2016 als Vierter mit 55 Punkten. Die hatte Gladbach auch zwei Jahre zuvor eingesammelt, doch da reichte es nur zum sechsten Platz und der Qualifikationsrunde zur Europa League. Dieses Mal könnten 55 Punkte sogar zu wenig sein für Europa. Maximal können die Borussen auf 58 Punkte kommen. Die könnten für die Champions League reichen.

Schafft Borussia Europa, bedeutet das:

Dieter Hecking verabschiedet sich nach zweieinhalb Jahren mit dem erhofften Resultat und übergibt seinem Nachfolger Marco Rose einen Europapokal-Teilnehmer. Es wäre der vor der Saison erhoffte Schritt nach vorn nach zweimal Platz neun in den Spielzeiten zuvor.

• Die Borussen sind beim Neubau des Teams nicht nur abhängig von Transfereinnahmen. Rund zehn Millionen Euro darf ein Klub alles inklusive für die Gruppenphase der Europa League taxieren, rund 30 Millionen sind es, wenn er in der Champions League dabei sein kann.

• Manager Max Eberl und der neue Trainer Marco Rose hätten ein gewichtiges Argument für die Verhandlungen mit möglichen neuen Spielern.

Schafft es Borussia nicht nach Europa, bedeutet das:

.• Zum dritten Mal in Folge gibt es keine internationalen Einnahmen. 2018 war ein Jahr ganz ohne „Sonderspiele“, es gab ein Minus von 3,64 Millionen Euro. Geschäftsführer Stephan Schippers deutete zuletzt an, dass es langfristig zu einer Reduzierung der Kaderkosten kommen könnte, wenn Borussia in Europa außen vor bleibt. Der Etat für das Profi-Team liegt derzeit bei geschätzt 70 Millionen Euro. „Es tut allen Bereichen gut, sich für Europa zu qualifizieren“, sagte Schippers.

• Die Sehnsucht nach Europa würde weiter wachsen, die Ungeduld auch. Das wäre kontraproduktiv, denn Eberl hat für ein wenig Zeit geworben, wenn es um die Umsetzung der neuen Ausrichtung geht.

• Die Bewertung der Trainer-Ära Hecking würde auch in diesem Licht erscheinen.

Wie vor 19 Jahren geht es für die Borussen also am Samstag in Nürnberg um die Rückkehr auf die nächsthöhere Stufe, nur haben sich die Dimensionen verschoben. Damals war es ein Aufstiegsfinale in Abhängigkeit, nun ist es ein Finale um Europa, in dem Borussia „das Heft des Handelns wieder in die Hand nehmen“ will, wie Hecking sagt.

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