Borussia Mönchengladbach: Nico Elvedi und Jordan Beyer machen dicht

Elvedi und Beyer : Diese Bubis machen bei Borussia hinten dicht

Der 18 Jahre alte Jordan Beyer rückte am Wochenende kurzfristig ins Team der Borussia. Nico Elvedi war mit seinen 22 Jahren der Abwehrchef. Das Duo hatte zusammen mit Torhüter Yann Sommer die Hauptaktien am torlosen Remis.

Letztlich war es ganz gut, dass Jordan Beyer, 18 Jahre jung und von Berufswegen ein flexibler Defensivspieler bei Borussia, am Samstag in Sinsheim mit breiter Brust unterwegs war. Denn wäre es nicht so gewesen, hätte der junge Mann aus Kempen nach dem Treffen mit 1899 Hoffenheim vielleicht nicht von „einem glücklichen Punkt, den wir mitgenommen haben“, sprechen können.  So aber prallte der Kopfballversuch des Hoffenheimers Ishak Belfodil am Borussen ab, halb an der Schulter, halb an der Brust, weswegen auch niemand auf ein Handspiel plädierte. Belfodil raufte sich die Haare, Beyer heimste einen Dankes-Schubser von Yann Sommer ein. Der Torhüter wehrte kurz darauf noch den Kopfball von Ermin Bicakcic ab und machte damit endgültig einen Haken hinter das torlose Treiben.

Borussias Fans wählten Sommer angesichts dieser und weiterer Paraden zum Mann des Spiels, doch hätten sie sich auch für Beyer entscheiden können, der in seinem vierten Bundesligaspiel unterwegs war, „als hätte er nie was anderes gemacht“, wie Trainer Dieter Hecking feststellte. Er hatte dem Teenager den Job im Zentrum der Viererkette zugetraut, nachdem sich Routinier Tony Jantschke kurzfristig wegen muskulärer Probleme abgemeldet hatte.

„Als ich gehört habe, dass wir einen Ausfall haben, hatte ich schon im Hinterkopf, dass ich eventuell spielen würde“, berichtete Beyer. Hecking wog ein paar Optionen ab, dann entschied er sich für eine der jüngsten Innenverteidigungen, die Gladbach je hatte: Der 22-Jährige Nico Elvedi war Abwehrchef und Beyer sein Nebenmann, sie bringen es auf zusammen 40 Jahre. Elvedi war im Dezember 2015 Teil eines noch jüngeren Verteidiger-Duos: Er war 19, sein Nebenmann Andreas Christensen ebenfalls, das machte in der Summe 38 Lenze. Jener Christensen, der nun  wieder beim FC Chelsea, dort aber unglücklich und von daher sowohl ein Spekulationsobjekt in Gladbach als auch beim FC Barcelona ist, bildete am 15. August 2015 mit Marvin Schulz auch eine Innenverteidigung die jünger war als die in Hoffenheim, die beiden Herren, die beim 0:4 in Dortmund spielten, waren zusammen 39 Jahre alt.

Ob die Hoffenheim-Variante auch am Dienstag (18.30 Uhr) gegen den 1. FC Nürnberg und vielleicht sogar am Freitag (20.30 Uhr) beim Herbstmeister Dortmund erneut Heckings Wahl sein wird, hängt wohl von Jantschkes Muskulatur ab. Wird der 28-Jährige wieder fit, dürfte er die erste Option dort hinten sein – wobei Beyer im Kraichgau einige Argumente brachte, nicht wieder zehn Spiele auf den nächsten Bundesliga-Einsatz warten zu müssen. Zu Saisonbeginn, als Michael Lang fehlte, hatte das Eigengewächs, das im September einen Profivertrag bis 2022 unterschrieben hat, seine ersten drei Startelf-Einsätze als rechter Verteidiger, den letzten am vierten Spieltag gegen Eintracht Frankfurt. Doch dann schmerzte die Hüfte. „Der Rückschlag war blöd, ich wäre vermutlich auch in Wolfsburg im Team gewesen“, sagte er.

Lang kehrte zurück und spielte nun. Am Samstag  standen beide nebeneinander auf dem Platz. Erstmals in der Bundesliga machte Beyer den Job, den er als seine persönliche Präferenz definiert: Innenverteidiger. Als solcher ist er groß geworden als Nachwuchsspieler, nur in der U17 habe er ein paar Spiele rechts gemacht, erinnerte sich Beyer. „Oben“ jedoch, bei den Senioren, war er bisher vor allem Rechtsverteidiger, sowohl im Pokalspiel beim BSC Hastedt als auch beim Liga-Auftakt gegen Leverkusen, beim 1:1 in Augsburg und dann beim 3:1 gegen Frankfurt Ende September, dem letzten Spiel vor seiner ungewollten Pause.

Die endete nun, weil nicht nur Matthias Ginter (Augenhöhle und Kiefer gebrochen), sondern  Jantschke ausfielen. Beyer bestätigte, was der Trainer vermutete, nämlich, dass er seinen Mann stehen kann auch gegen ein vorn ausgesprochen gut besetztes Team wie Hoffenheim. „Gefühlt gab es jede Sekunde ein Kopfball-Duell oder einen Zweikampf“, der Druck war krass“, sagte Beyer. „Unser Abwehrverhalten war insgesamt nicht gut“, sagte Hecking mit Blick auf die 27 Torschüsse des Gegners, „aber da möchte ich unsere Innenverteidiger ausnehmen“.

Genauso jung wie  das Pärchen im defensiven Zentrum war die Doppel-Acht: Florian Neuhaus, 21, und Michael Cuisance, 19, der erstmals zur Startelf gehörte in dieser Saison. Cuisance hat schon weit besser gespielt in Gladbach als am Samstag, ihm merkte man den fehlenden Rhythmus an. Er und Neuhaus waren die Rekordläufer in Sinsheim, aber es fehlte die entscheidende Effektivität. So war es  der Bubi-Beton in der Abwehr, der neben Yann Sommer die Hauptaktien am neunten Auswärtspunkt der Saison hatte.

(kk)
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