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Borussia Mönchengladbach: Neuzugänge stehen für den Weg des Vereins

Zwischen Perspektive und gezielten Investitionen : Die Neuen stehen für Borussias Weg

Borussia hat bislang fast genauso viel investiert wie eingenommen. Am teuersten war Stürmer Alassane Plea. Die restlichen Neuen sind zum Teil hochtalentiert, brauchen aber noch Zeit. Geduld zahlte sich in den vergangenen Jahren oft aus.

Die Lücke ist keine Absicht. Aber in gewisser Weise hat es Sportdirektor Max Eberl drauf angelegt, dass in Borussias Bundesliga-Kader kein 1995er zu finden ist. Ordnet man die 30 Spieler, die offiziell dazu gehören, nach ihrem Alter, ist Matthias Ginter (19. Januar 1994) die Nummer 17 und Nico Elvedi (30. September 1996) die Nummer 18. Heißt: Alle ab Elvedi könnten noch für die U 21 ihres Landes auflaufen. Nun gehört der als Schweizer A-Nationalspieler und mit der Erfahrung von 127 Profispielen nicht weniger zum Establishment als Ginter, doch beide sind auf sehr unterschiedlichen Wegen zu Borussia gekommen.

Mit einer Ablöse von 17 Millionen Euro hatte Ginter ein Jahr lang den Titel „Rekord-Einkauf“ inne, vom Mann, der ihn jüngst ablöste, wird später noch die Rede sein. Nach dem Sieg der deutschen Nationalmannschaft beim Confed-Cup 2017 holte Gladbach Ginter von Borussia Dortmund. Solche Transfers kann die finanzschwächere, aber keinesfalls finanzschwache der beiden Borussias inzwischen locker stemmen. Sie sind jedoch kein Mittel, um in der Bundesliga eine Strategie mit Wiedererkennungswert zu fahren. Zu jener Strategie passt ein Elvedi viel eher, in gewisser Weise war er sogar der erste Teenager, bei dem sich die meisten Beobachter am Tag seiner Verpflichtung fragten: „Wer? Wie viele Millionen?“ Dass der damals 18-Jährige vor drei Jahren vier Millionen Euro kostete, war beachtlich.

Wollte ihn jetzt noch ein Klub loseisen, würde unter 25 Millionen Euro ganz sicher nichts gehen. Borussia hat mehr oder weniger 13 Elvedis im Kader, die zusammen in etwa 25 Millionen gekostet haben. Die Hälfte davon musste der Klub vor einem Jahr für Denis Zakaria bezahlen, um den sich schon 2019 Top-Klubs mit schwindelerregenden Angeboten reißen könnten. Eberl und Hecking benutzen beide öffentlich oft das Wort „unmoralisch“. Auch dieser Sommer hat wieder ein paar Elvedis nach Gladbach gebracht: Andreas Poulsen (Linksverteidiger, 18 Jahre, 4,5 Millionen Euro, FC Midtjylland), Keanan Bennetts (Linksaußen, 19 Jahre, 250.000 Euro Ausbildungsentschädigung, Tottenham Hotspur) und Torben Müsel (Offensiv-Allrounder, 19 Jahre, ablösefrei, 1. FC Kaiserslautern).

Mittlerweile ist es bei Borussia gar nicht mehr so leicht zu benennen, ob ein Profi nun zum Bundesliga-Kader gehört oder zur Regionalliga-Mannschaft von Arie van Lent. Spätestens seit der Verpflichtung Otto Addos als Trainer für den Übergangsbereich schwirren einige Spieler ständig an der Schwelle herum. Und so ließ sich an einem kleineren Mannschaftsfoto, das am „Media Day“ geschossen wurde, ebenfalls viel ablesen über Gladbachs Transferpolitik. Die sieben Neuen posierten mit Trainer Hecking, doch richtig neu waren nicht alle. Die Eigengewächse Jordan Beyer und Florian Mayer waren schon vergangenes Jahr mit ins Trainingslager gereist und gehören nun fest zum Profikader.

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Mit auf dem Foto stehen Poulsen, Bennetts und Müsel aus der „Elvedi-Fraktion“. Florian Neuhaus gehört auch dazu, er wurde 2017 bereits ablösefrei von 1860 München geholt, aber sofort an Fortuna Düsseldorf verliehen. Er kehrt zurück als Aufstiegsheld und deutscher U21-Nationalspieler. Und dann wären da noch zwei Zugänge, wie sie früher einmal waren: Michael Lang, 27 Jahre, Schweizer Nationalspieler, für 2,8 Millionen Euro vom FC Basel gekommen, und neben ihm Alassane Plea, 25 Jahre und mit einer Ablöse von 23 Millionen Euro der neue Rekord-Einkauf.

Der Stürmer aus Frankreich hat also fast so viel gekostet wie alle U21-Spieler zusammen, die Eberl seit 2015 nach Gladbach geholt hat. „Wir müssen Puzzleteile finden, die unserem Spiel gut tun“, hatte der Manager Anfang Mai im Interview mit unserer Redaktion gesagt. Plea, zuletzt mit 16 Ligatoren für Lucien Favres Ex-Klub OGC Nizza, ist das mit Abstand teuerste Puzzleteil geworden, weil Stürmer zum einen immer etwas kostspieliger sind und Borussia zum anderen nach der Epoche der falschen Neuner wie Raffael, Lars Stindl und Max Kruse einen anderen Weg gehen wollte, um weniger ausrechenbar zu sein.

Mit den anderen Neuen sollen ein paar Schlaglöcher im Kader ausgebessert werden, vor allem in der Außenverteidigung, wo mit Poulsen und Lang nun zwei da sind, die für diese Position ausgebildet wurden. Bennetts bringt Geschwindigkeit in den Kader und dürfte als Sohn einer Deutschen und eines Nigerianers, aufgewachsen in England, schnell zu integrieren sein. Müsel ist von der Strategie hinter der Verpflichtung ein Neuhaus-Nachfolger: Beide wurden nach dem Zweitliga-Abstieg ihrer Vereine (FCK und 1860) ablösefrei. „No-brainer“ ist ein Anglizismus dafür – sie zu verpflichten, bedurfte keiner langen Überlegungen, geschweige denn Kopfzerbrechens.

An Möglichkeiten mangelt es Dieter Hecking bei der Zusammenstellung seiner besten Elf ganz sicher nicht. Er kann eine verkappte U 21 aufbieten wie in manchen Spielen der Vorbereitung, er kann aber auch seiner Ü 30-Fraktion vertrauen, so dass der Altersschnitt bei etwa 28 Jahren liegt. Für den Trainer wird es darum gehen, die beiden Hälften der Gladbacher Transfer-Strategie bestmöglich zusammenzuführen.