Borussia Mönchengladbach: Neues E-Sports-Team spielt in der Bundesliga

Neues E-Sports-Team: Borussia spielt nun auch digital Bundesliga

Die Borussen steigen ab Freitag offiziell in den digitalen Fußball ein. Vier Spieler gehören zum neuen „Fifa“-Aufgebot des Klubs.

Wenn sich Michael Gherman am Freitag an seinen Computer setzt, um „Fifa zu zocken“, wie es in der Welt des E-Sports heißt, geht für den 24-Jährigen aus Jüchen ein Traum in Erfüllung. Denn dann ist er offiziell ein Spieler von Borussia Mönchengladbach. Das wollte er immer werden. Er spielte in der Jugend für die Gladbacher, sogar ab und an mit Patrick Herrmann. Doch „zum Profi hat es bei ihm leider nicht gereicht“, sagt Gherman. Nun gehört er zum just gegründeten E-Sports-Team der Borussen, das am Freitag eingeführt wird. Er ist unter dem Namen X Phenomeno X aktiv. Georgios Papatolis (18, Spielername Georgios7), Yannick Reiners (23, Jeff95) und Stefan Beer (19, Topik) komplettieren die Mannschaft, die Borussia in der digitalen Fußballwelt vertreten und „Fifa“, die populäre elektronische Fußball-Simulation spielen wird.

Gherman, der auf der Xbox spielt, und Papatolis, der wie die anderen beiden die Playstation-Version nutzt, hatten sich 2018 in einem Turnier die beiden Startplätze für Borussias VBL-Debüt gesichert. Nun haben sie wie ihren beiden Teamkollegen Teilzeit-Verträge mit dem Klub. Training, Spiele, aber auch PR-Termine sind da inkludiert. Die E-Sportler spielen unter anderem im neuen Club-Championchip-Fomat der Virtuellen Bundesliga (VBL) der Deutschen Fußball-Liga mit. Zum Auftakt trifft Gladbach am Mittwoch auf den VfL Bochum. Insgesamt sind Teams von 22 Profiklubs dabei, aus der Bundesliga sind nur die Bayern, Borussia Dortmund, 1899 Hoffenheim, der SC Freiburg und Fortuna Düsseldorf ohne E-Sports-Team. Am 19. Januar reisen die Gladbacher nach Leverkusen, um sich dort mit den an der Konsole mit Bayers E-Sportlern zu messen - im Vorfeld des realen Bundesligaspiels. Am 7. Februar, wenn Borussia gegen Hertha BSC digital antritt, wird diese Partie bei Pro 7 Maxx live gezeigt (20.15 Uhr).

In der wirklichen Welt sind die Borussen oben dabei. Virtuell sind andere besser besetzt. Werder Bremen oder Schalke zum Beispiel investieren weit mehr in dieses Segment und haben somit auch stärkere Teams. Borussia bleibt ihrem Ansatz im echten Leben im digitalen Bereich treu, der „Messi des E-Sports“, ein Argentinier, wurde ihr angeboten, doch er war zu teuer. „Wir setzen analog zu unserer Fohlenphilosophie auf Talente, von denen wir überzeugt sind, dass sie sich mit unserer Unterstützung kontinuierlich verbessern und weiterentwickeln können.“ Das sagt nicht Borussen-Manager Max Eberl, sondern Andreas Cüppers, Leiter der Abteilung Digitale Entwicklung des Bundesligisten. Auch Borussias Affinität zur Schweiz spiegelt sich im E-Sports-Team wider, Beer ist Eidgenosse.

Die ersten Sechs des Club-Champions-Wettbewerbs kommen in die Finalrunde der Virtuellen Bundesliga, die Plätze sieben bis 14 berechtigen zur Teilnahme an den Playoffs. „Das ist unser Ziel. Aber der sportliche Erfolg steht nicht im Vordergrund“, sagt Cüppers.

Dass es im Borussen-Universum auch kritische Stimmen gibt zum Thema E-Sports, weiß er. „Wir sehen E-Sports vor allem als eine Möglichkeit, Borussia in einer Zielgruppe bekannt zu machen, die sich sonst womöglich gar nicht mir dem klassischen Fußball beschäftigen würde.“ Dass eine boomende Branche wie die der digitalen Spiele zugleich finanziell lukrativ sein kann und neue Vermarktungs-Möglichkeiten bietet, ist klar.

Borussias E-Sportler haben eigene, schwarze Trikots und auch ein eigenes Logo. Das Fohlen darauf schaut einigermaßen aggressiv und grimmig aus einer Raute heraus. „Dabei haben wir uns an der Bildsprache der E-Sport-Szene orientiert“, sagt Cüppers. In dieser dauert ein Fußballspiel fiktiv 90 Minuten, real aber nur zwölf.

(kk)
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