Borussia Mönchengladbach: Nach dem Bayern-Debakel muss die Trendwende her

Gladbach nach 1:5 gegen Bayern unter Druck : Borussia wackelt

Die Bayern nutzen das Topspiel in Mönchengladbach für eine pure Demonstration der Stärke. Die Gladbacher hingegen müssen nach der dritten Heimniederlage in Serie dringend eine Trendwende hinkriegen.

Da hatte sich jemand viel Mühe gemacht. Er hatte eine Fotomontage entworfen, die dann bei Twitter zu sehen war. Sie zeigte die Nordkurve von Borussia Mönchengladbach – und die Köpfe einiger Dortmunder Spieler waren einmontiert. Marco Reus war unter anderem zu sehen, und auch Mario Götze. Hätte man die Kreation nach dem 5:1-Sieg des FC Bayern überarbeitet, man hätte Gesichter der Herren voller Entsetzen zeigen müssen. Denn das, was die Bayern vorführten im Borussia-Park, mithin beim bis vor dem Spiel Tabellendritten, war eine pure Demonstration der Stärke.

„Das beste Saisonspiel“ seines Teams sah Trainer Niko Kovac. Umgekehrt erlebte sein Kollege Dieter Hecking die schlechteste Saisondarbietung seiner Mannschaft. Und weil Fußball nun mal auch Kopfsache ist, war die Partie zwischen den Borussen und den Bayern eine, die für beide Mannschaften aussagekräftig war.

Die Bayern meißelten das „Mia san Mia“ in Tore, denn dass sie in Gladbach nicht nur gewinnen, sondern auch noch etwas für die Torbilanz tun würden, das hatten sich alle Borussen, sowohl die Gladbacher natürlich, aber eben auch die Dortmunder, ganz anders vorgestellt. „Man kann nicht davon ausgehen, dass man hier bei Borussia 5:1 gewinnt“, gestand dann auch Bayern-Trainer Niko Kovac. Punktgleich ist der Rekordmeister nun mit dem BVB, erstmals seit dem 5. Spieltag übrigens, und nur noch zwei Tore schlechter. Psychologisch jedoch darf man nun die Münchener definitiv im Vorteil wähnen im Titelkampf.

Und die Borussen? Da dürfte das genaue Gegenteil der Fall sein, was das Rennen um die Champions-League-Plätze angeht. Noch ist es keine Apokalypse am Niederrhein, die mancher dort schon ausruft, noch stehen die Borussen auf dem vierten Platz, und Niederlagen gegen die Bayern sind keinesfalls unfassbar. Doch ein 1:5 im eigenen Stadion „darf uns nicht passieren“, wie Torwart Yann Sommer sagte. Nicht in der Höhe, nicht in der Art und Weise. Zumal, wenn es die dritte Heimniederlage am Stück ist und es 1:11 Tore gab. In der Bilanz-Rechnung der jüngsten vier Spiele ist kein Bundesligist schlechter als Gladbach. Es ist ein gefährlicher Trend, zumal es wie schon gegen Wolfsburg beim 0:3 haarsträubende Fehler auch von Leistungsträgern gab. Inklusive der ungewollten Botschaft an die Konkurrenten im Rennen um die Champions-League-Plätze muss man sagen: Borussia wackelt.

Das sagt auch die Tabelle. Leipzig zog mit dem 1:0-Sieg beim 1. FC Nürnberg an Borussia vorbei, erstmals seit dem sechsten Spieltag ist Gladbach schlechter als Platz drei. Nach dem 20. Spieltag, als es das 2:0 auf Schalke gab, hatten die Borussen fünf Punkte Vorsprung auf die Sachsen. Frankfurt, jetzt drei Punkte hinter den Borussen, hatte damals zehn Punkte weniger, Leverkusen (vier Zähler hinter Gladbach) zwölf. Die Eintracht hat jetzt auch die bessere Tordifferenz, weswegen die Borussen am nächsten Spieltag erstmals seit dem vierten Spieltag, als es das 2:4 in Berlin gab, aus den Champions-League-Rängen herausrutschen könnten. Nur zweimal in dieser Saison waren die Borussen bisher schlechter als Rang vier.

Für Präsidiumsmitglied Hans Meyer zeigt die aktuelle Phase dennoch, dass „wir auf dem zweiten oder dritten Platz in Deutschland normalerweise nichts verloren haben.“ Die Wahrheit liege weder da noch in der aktuellen Serie, sagte Meyer im Sport1-Doppelpass. „Die Aufgabe von Trainer Dieter Hecking ist es nun, zusammen mit der Mannschaft dahin zurückzukommen was uns stark gemacht hat – davon sind wir momentan weit entfernt.“

Borussia nicht stabil genug

Zwölf Gegentore in vier Spielen zeigen tatsächlich ein Hauptproblem der Gladbacher in der aktuellen Phase. „Wir brauchen die defensive Stabilität wieder“, stellte Hecking klar. Er ist nun gefordert, dem Team bis zum Spiel am Samstag in Mainz wieder die alte Stärke einzuimpfen.

Die Selbstverständlichkeit vorn und hinten muss wiederkommen. Lars Stindl erzielte immerhin das 1:2, es war sein 50. Bundesliga-Tor. Doch war es ein Muster ohne Wert. Kaum zehn Minuten dauerte das Gefühl, Borussia könne den Bayern etwas entgegenhalten. Doch das 3:1 durch Robert Lewandowski in der 46. Minute wischte die zarte Hoffnung weg.

„Wir waren einfach nicht da“, resümierte Sommer, der ein höheres Debakel verhinderte mit seinen Paraden. Nicht da zu sein gegen die Bayern, das ist dann schon eine bittere Erkenntnis, schließlich hatte Hecking gerade Mut als Matchplan ausgegeben. Das war auch der Ursprung des 3:0 in München im Oktober 2018. Das war ein Höhepunkt dieser Saison. Das 1:5 war ein Tiefpunkt. Bei den Bayern ist es genau umgekehrt. Sie haben am Samstag gleich zwei Borussias unter Druck gesetzt.

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