Borussia Mönchengladbach muss Wunden lecken nach Remis auf Schalke

"Wir sind noch dabei": Gladbach muss Wunden lecken nach Remis auf Schalke

Dieter Hecking sprach von einem "intensiven und hochemotionalen Westderby" – da wollte ihm nach dem 1:1 zwischen seinen Borussen und dem FC Schalke niemand widersprechen. Mit dem Auswärtspunkt konnte Gladbach trotz der langen Überzahl gut leben. Ein paar Wermutstropfen gab es jedoch.

Für Borussia Mönchengladbachs Kapitän Lars Stindl dürfte die Saison beendet sein. Beim 1:1 der Borussen auf Schalke hat er sich wahrscheinlich eine Bänderverletzung im linken Sprunggelenk zugezogen. Eine erste Untersuchung noch während des Spiels im Krankenhaus in Gelsenkirchen ergab, dass vermutlich zumindest nichts gebrochen ist. Am Samstagabend soll es eine MRT-Untersuchung in Gladbach geben, um eine endgültige Diagnose zu erhalten.

"Bestenfalls ist die Kapsel kaputt und der Fuß deshalb schnell angeschwollen", sagte Trainer Dieter Hecking bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. "Es ist wohl kein Bruch, das hat das erste Röntgenbild gezeigt, aber die Kernspinuntersuchung wird genauen Aufschluss geben", sagte Manager Max Eberl. "Wir müssen Lars die Daumen drücken, dass er nicht deswegen die WM verpasst. Einige Leute haben mir Bilder geschickt, die dramatisch aussahen. Deswegen wünsche ich ihm, dass er vor der WM-Nominierung wieder gesund ist", fügte Eberl hinzu.

Stindl war bei einer Aktion im Strafraum umgeknickt. Die Mitspieler signalisierten sofort, dass er wohl ausgewechselt werden müsse. Derweil beschimpfte Schalkes Thilo Kehrer den Borussen, weil er vermutete, Stindl habe einen Elfmeter schinden wollen in der Situation. Als Stindl vom Platz geführt wurde, wurde er von den Schalker Fans angepöbelt, auch in den sozialen Netzwerken gab es viele unschöne Tweets in seine Richtung. Der Grund für das wenig sportliche Verhalten der Fans lag in einer Szene zuvor: Da hatte Nabil Bentaleb bei einem Gerangel in Stindls Gesicht gelangt, woraufhin der Kapitän recht spektakulär zu Boden ging. Schiedsrichter Harm Osmers zeigte Bentaleb Rot (12.).

Danach wurde Stindl bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen. Vor seiner Verletzung hatte Stindl das 1:0 vorbereitet, nachdem Thorgan Hazard ihm den Ball nach einem schönen Solo zugespielt hatte. Stindl legte quer auf Raffael, der sein neuntes Saisontor erzielte. Schalkes 1:1 kam durch einen Handelfmeter, den Osmers nach der Zuhilfenahme des Videoassistenten gab, zustande. Zunächst hatte er weiterspielen lassen. "Ich habe so viele Versionen gehört zu diesem Handspiel. Irgendetwas passt. Aber ich hätte ihn nicht gegeben", sagte Trainer Dieter Hecking. Der Ball war Christoph Kramer, nach eigenem Bekunden "aus 80 Zentimetern", an den nicht angelegten Arm geprallt.

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"Ich freue mich über den Punkt, der hart erkämpft war. Der Punkt tut uns gut. Aber wenn du dann am nächsten Tag die Wunden leckst und feststellst, dass drei Spieler gesperrt sind und einer womöglich schwerer verletzt, dann trübt es die Freude natürlich", sagte Eberl. Gleichwohl sei "der Punkt gut", auch wenn er gegen eine über lange Zeit dezimierte Schalker Mannschaft geholt wurde.

Nach der Pause hatten die Borussen noch zwei gute Chancen durch Nico Elvedi, der erst nach Oscar Wendts Hereingabe kurz vor der Torlinie verpasste und dann mit einer verunglückten Flanke die Querlatte traf. Ansonsten gab es viel Ballbesitz (73 Prozent), aber nicht mehr den klaren Zug nach vorn wie in der ersten Halbzeit, als gerade die Flügelspieler Thorgan Hazard und Jonas Hofmann Schalke vor Probleme gestellt hatten. "In der ersten Halbzeit haben wir die Überzahl sehr gut ausgespielt und Schalke laufen lassen. In der zweiten haben wir zu früh die Lösung gesucht und zu schnell in die Halbräume gespielt, die noch gar nicht richtig besetzt waren. Schalke haben wir dadurch ein paar sehr gute Konterchancen ermöglicht. Das durfte so nicht passieren", analysierte Hecking.

Was der Punkt wert ist, wird sich später erweisen. "Wir haben einen Punkt geholt und Frankfurt hat minus drei Tore in der Tordifferenz. Wir wissen nicht, was noch passiert, darum ist es wichtig, dass wir was mitnehmen, so sind wir jetzt noch dabei", sagte Eberl. "Ich habe mich schon mehr geärgert und kann heute mit dem Punkt leben. Am letzten Spieltag ist – mit Schalker Hilfe – nach wie vor alles drin. Wir müssen selber unsere Aufgaben erledigen", sagte Hecking. Die Königsblauen empfangen dann Frankfurt. Nächste Woche ist der Hamburger SV bei der Eintracht zu Gast, am letzten Spieltag wiederum reist Borussia zum HSV.

Für Gladbachs Spiel am Samstag gegen Freiburg muss sich Hecking einige Gedanken über die Aufstellung machen. Neben dem verletzten Kapitän werden drei weitere Spieler fehlen: Jannik Vestergaard und Christoph Kramer sahen die fünfte, Denis Zakaria die zehnte Gelbe Karte der Saison. "Für mich war von den drei Gelben Karten eine berechtigt. Ich muss sehr vorsichtig sein, was ich sage. Das war für mich nicht verhältnismäßig. Die drei Spieler fehlen uns, aber das treibt mir keine Schweißperlen auf die Stirn, es sind ja ein paar zurückgekommen. Leider konnten wir nicht mehr so aggressiv spielen, wie wir es gewollt hätten", sagte Hecking.

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(kk)
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