„Bälle wie Brandbomben“ Farkes Rezept gegen Freiburgs Standards

Mönchengladbach · Der SC Freiburg ist extrem stark bei ruhenden Bällen. Das hat Borussia schon oft zu spüren bekommen. Daniel Farke hat mit seinem Team daher nochmal eigens am Thema Standards gearbeitet. Was der Coach zur Spezialität der Freiburger und einem Ex-Borussen, der stets daran beteiligt ist, sagte.

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Foto: dpa/Federico Gambarini

Es wäre nicht nur ein kleines bisschen Horrorshow für die Borussen: die bewegten Bilder der ersten Halbzeit des 0:6 in der vergangenen Saison gegen den SC Freiburg im Borussia-Park. Ob Daniel Farke sie den Seinen gezeigt hat im Kontext des Sonntagsspiels bei eben diesem Gegner (17.30 Uhr, Dazn), ist nicht bekannt. Doch wären die Szenen, die vor der Pause zu den sechs Gegentoren führten, wohl bestes Lehrmaterial nach dem Motto: So geht es nicht gegen Freiburg. Ein Standardtor nach dem anderen fiel damals vor der heimischen Nordkurve, die Gladbacher waren nichts als staunende Statisten.

„Freiburg ist eines der besten Standardteams der Liga“, weiß Farke, der beim 0:6 noch nicht in verantwortlicher Position in Gladbach war. Die Zahlen belegen das: Fünf der zehn Freiburger Liga-Tore resultierten aus Standards, jeweils zwei fielen nach Ecken und Freistößen von der Seite, eines per direktem Freistoß.

Dabei ist die Qualität der Freiburger Standards hinlänglich bekannt. Dennoch und trotz aller Vorbereitung fällt die Verteidigung schwer. „Freiburg hat sehr, sehr gute Schützen und in Vincenzo Grifo einen Schützen mit außergewöhnlicher Qualität, der den Ball so auf den Kopf zirkelt, dass der Mitspieler gar nicht mehr viel machen muss. Das ist die halbe Miete, damit du brandgefährlich bist bei Standardsituationen“, sagt Farke. Und: „Darüber hinaus hat Freiburg Zielspieler, die mit hoher Bereitschaft in die Bälle gehen und sie attackieren. Als Offensivspieler hast du einen Bewegungsvorteil. Und wenn die Bälle wie Brandbomben reingefeuert werden, ist es nicht so einfach, das zu verteidigen.“

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Foto: dpa/David Young

Aber: „Wir haben eine große Widerstandsfähigkeit in den Situationen, bisher haben wir das sehr gut gemacht“, weiß Gladbachs Trainer. Die Zahlen belegen das. Weder nach einer Ecke noch nach einem Freistoß von außen gab es ein Gegentor bislang. „Diese Qualität wollen wir auch in dem Spiel zeigen. Es wird aber auch notwendig sein, um bei dem Thema nichts anbrennen zu lassen“, sagt Farke. Die sicherste Verhütung bei dem Thema: „So wenig Standards wie möglich zuzulassen.“ Die eindeutige Logik dabei: ohne Standards des Gegners kein Standard-Gegentor.

Indes sollte auch Freiburg auf der Hut sein, vor allem bei Gladbachs Ecken, die bei neun Versuchen immerhin schon drei Tore brachten in dieser Bundesliga-Saison, auch wenn einmal Schalkes Torwart Alexander Schwolow schwer nachhalf und einmal Elvedi erst im Nachgang traf. Dazu kommt ein verwandelter Elfmeter. Gladbach traf überhaupt erst siebenmal, viermal dabei jedoch durch Standards.

In Freiburg will Farkes Team in der Königsdisziplin des Gegners dagegenhalten. „Wir haben uns um die offensiven Standards gekümmert, wir sind ein Team, das immer gefährlich ist bei Ecken und Freistößen“, sagt Farke. Doch nicht nur vor Freiburg wird „defensiv und offensiv“ an den Standards gearbeitet.

„Tore aus Standards zu erzielen und Standards gut zu verteidigen, das ist ein ständiger Prozess, es war auch ein extrem großer Block in der Vorbereitung, aber es ist ein Thema, das du immer wieder in den Fokus nehmen musst. Es ist nicht immer das Spannendste für die Spieler, aber extrem wichtig“, sagt Farke. „Wenn man dann auf eine Mannschaft trifft, die so extrem ihre Stärken bei Standards hat, geht es auch darum, nochmal nachzuschärfen und im Detail fokussierter darauf hinzuweisen, was Freiburg da an den Tag legt, um nicht im Spiel überrascht zu werden.“

Freiburg jubelte, Gladbach war bedient: Das 0:6 der vergangenen Saison war auch ein Standard-Festival des Sport-Clubs.

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Foto: Dirk Päffgen

Allerdings darf aus dem Respekt vor den Standards keine Phobie werden. „Man darf es auch nicht überhöhen. Wenn man ständig nur über die Standardstärke von Freiburg spricht, wird es eine selbst erfüllende Prophezeiung. Ich setze auf das Selbstbewusstsein meines Teams, darauf, dass wir die Situationen konsequent und mit Klasse verteidigen wie bisher“, sagt Farke.

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