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Borussia Mönchengladbach muss auswärts auftreten wie zu Hause

Gladbach vor dem Wolfsburg-Spiel : Borussia muss sich auswärts wie daheim fühlen

Im eigenen Stadion haben die Borussen dreimal gewonnen und spielten sehr attraktiv. In der Fremde müssen sie sich fühlen wie zu Hause. In Wolfsburg gelang das zuletzt 2003.

Da war sie wieder, die attraktive Dame namens Heimspiel-Borussia. Sie ist sogar richtig sexy, das hatten die ersten zwei Spiele im Borussia-Park gegen Leverkusen und Schalke bereits gezeigt, und das hat nun das 3:1 gegen Eintracht Frankfurt bestätigt. Gegen die als unangenehmer Gegner verschrienen Hessen kam dazu, dass die Dame des Hauses auch kratzbürstig sein kann, wenn nötig. Genau das war der Unterschied zu den vergangenen Spielen gegen Frankfurt, in denen Borussia gut im Geschäft war, aber nie der Sieger.

Das war auch der Unterschied zum Spiel in Berlin, in dem sich die Borussen von der „alten Dame“ Hertha überrumpeln ließen. Jetzt waren es die Borussen, die, so Trainer Dieter Hecking, „eine Welle aufbauten, die dann über die Eintracht hereingebrochen ist“. Der Lohn war der dritte Heimsieg. Allein etwas effektiver könnte Heckings Team sein, denn für die drei Tore gegen Frankfurt brauchte es 21 Torschüsse.

Dass es hinten zuweilen etwas luftiger zugeht, ist auch dem Grundansatz geschuldet: Die neue Borussia ist im offensiv gestalteten 4-3-3-System offener in der Rückwärtsbewegung als sie es im konservativeren 4-4-2, in dem es einen Defensiv-Job mehr gibt, war.

Das muss jedoch nicht zu einer extremen Durchlässigkeit wie in Berlin führen, wie das Spiel gegen die Eintracht zeigte. Da stimmte die Balance, und durch das Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ wird letztlich der Gegner gebunden.

Zu dieser Spielweise gehört auch Mut. Und Fleiß, denn die Laufwerte des Gladbacher Mittelfeldes legen nahe, dass die Kompaktheit im 4-3-3 ursächlich damit zu tun hat: Jonas Hofmann war erneut Rekordmann, Rückkehrer Christoph Kramer die Nummer zwei und Doppelvorbereiter Florian Neuhaus die Nummer vier im Kilometer-Ranking.

Borussia hat mit im Schnitt 52 Prozent immer noch mehr Ballbesitz als der Gegner, aber klar weniger hat, als in den Jahren zuvor. Dafür hat sie mehr Abschlüsse (im Schnitt 15,6 pro Spiel). Das belegt, dass ihr Spiel zielgerichteter und somit attraktiver geworden ist. Daheim kommt noch das Adjektiv „erfolgreich“ dazu.

Unterhaltsam war auch das 2:4 in Berlin, das muss man nüchtern festhalten, wenn man einen objektiven Standpunkt einnimmt. Massig Torraumszenen und satte sechs Treffer, es war ein sehenswertes Spiel. Aber es gab eben das Manko der vielen Gastgeschenke.

Man darf den Borussen mit auf den Weg nach Wolfsburg geben: Fühlt euch wie zu Hause! Das taten sie in Wolfsburg zuletzt 2003 beim 3:1-Erfolg. Dem ging ein Trainingslager in der niedersächsischen Einöde am Tankumsee voraus. Maßnahmen wie diese gibt es anno 2018 nicht. Den Geist jener Tage wünscht man den Jetztzeit-Borussen aber doch. Nach 15 Jahren darf man mal wieder ein ungern gesehener Gast in Wolfsburg sein.