Borussia Mönchengladbach muss auch im Erfolg besonnen bleiben

In Berlin gab es in der Euphorie Fehler : Borussia muss gegen Frankfurt besonnen bleiben

Trainer Dieter Hecking hat festgestellt, dass sein Team in der Euphorie nach dem 1:0-Führungstor in Berlin Fehler machte. Im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt (Mittwoch, 20.30 Uhr) soll dem Team so etwas nicht noch einmal passieren.

Fußball ist immer auch Kopfsache, in der Niederlage ebenso wie im Erfolgsfall. Beides liegt zuweilen sehr nah beisammen, manchmal sind es nur Minuten, die Glück und Traurigkeit trennen. Das erlebten die Borussen in Berlin, beim 2:4. Soeben waren sie durch das Elfmetertor von Thorgan Hazard in Führung gegangen, da lagen sie auch schon 1:2 zurück, weil sie Hertha zwei ganz einfache Treffer erlaubten, beide nach dem Prinzip: Flanke, Kopfball, Tor.

Den Grund dafür definierte Trainer Dieter Hecking nicht als das Problem eines Einzelnen, sondern als ein gesamtmannschaftliches, weil es im Verbund nicht stimmte. In der Tiefenanalyse machte Hecking einen weiteren Faktor aus: möglicherweise waren es zu viele Glückhormone, die seine Spieler zu einer gewissen Sorglosigkeit verführten nach dem Führungstor.

Das Hormon Dopamin wird im Falle eines überschwänglichen Gemütszustandes in Massen ausgeschüttet und sorgt für Euphorie. Die konnten manche Borussen womöglich nicht richtig kanalisieren. Generell hat Hecking ein Hochgefühl im und um den Borussia-Park herum ausgemacht nach dem Start mit sieben Punkten und dem 2:1-Sieg gegen Vize-Meister Schalke 04. Und nun das Tor – da wähnte sich der eine oder andere Borusse vielleicht schon einen Schritt weiter, als er war.

Die Folge: „Nach der Führung waren wir in Berlin vielleicht etwas zu euphorisch. Gleich in der ersten Aktion nach dem Treffer sind wir mit zwei Mann den gegnerischen Torwart angelaufen“, sagte Hecking. Das indes taten sie zu ungestüm und ohne Erfolg, im Rücken wurden dadurch Räume frei, die Hertha kühl nutzte. Gegen Frankfurt, so hofft Hecking, soll so etwas nicht passieren, bestenfalls gibt es die Gelegenheit, es gleich viel besser zu machen, dann nämlich, wenn es erneut eine frühe Führung gibt.

Gegen Schalke war die gelungen durch das Kopfball-Tor von Matthias Ginter nach drei Minuten. In dem Spiel schafften es die Borussen, sich nicht selbst auf dem Konzept zu bringen durch die Euphorie des frühen Treffers, sie blieben besonnen und konzentriert. Von daher können sich die Gladbacher selbst ein Vorbild sein für den Mittwochabend. Zugleich können sie von sich selbst lernen durch eine Rückbesinnung auf das, was gegen Hertha gar nicht klappte: der Umgang mit den langen Bällen in die Spitze. „Frankfurt kann mit langen Bällen auf Haller Druck aufbauen. Was das angeht, haben sie eine ähnliche Spielweise wie Hertha“, weiß Hecking.

Ansonsten aber ist die Eintracht ein ganz anderer Gegner als die Berliner, und was das angeht hat sich auch mit dem neuen Trainer Adi Hütter nicht viel geändert: „Es wird ein sehr, sehr intensives Spiel“, vermutet Hecking. Eines, das auch weh tun kann, denn die Frankfurter suchen gern den Körperkontakt, gehen dabei auch mal an die Grenze des Erlaubten. „Es ist eine läuferisch starke und sehr athletische Mannschaft, die eine hohe Präsenz in den Zweikämpfen hat“, weiß Hecking. „Da müssen wir uns wehren und uns in den direkten Duellen deutlicher durchsetzen, als es in Berlin der Fall war.“

Gleichwohl werden die Borussen den spielerischen Ansatz bevorzugen. Sie haben sich in dieser Saison für einen offensiven Ansatz entschieden und sind, was die Umsetzung angeht, noch in der Erkundungsphase. „Trotz der Niederlage können wir mit dem Saisonstart zufrieden sein, auch offensiv war es in Berlin okay. Die Mannschaft steckt in einer Entwicklung. Deswegen kann ich nur Geduld für sie einfordern“, sagte Hecking. Das hat er sicher auch seinem Team gesagt. Ungeduldig sein kann denselben Effekt haben wie Euphorie, denn auch die kann dazu führen, zu schnell zu viel zu wollen. Es kommt auf die Balance an: Euphorie zu erzeugen ist wichtig, auch, um das Stadion für sich einzunehmen, aber eben auch, dann richtig damit umzugehen.

(kk)