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Borussia Mönchengladbach: Mit "Uff" und "Puh" zum Startrekord

Borussia Mönchengladbach : Mit "Uff" und "Puh" zur Nummer 18

Die Serie ist volljährig: Borussia Mönchengladbach übersteht auch das 18. Saisonspiel ohne Niederlage. Warum eine Flugzeug-Batterie als Metapher für den Auftritt bei Apollon Limassol dient und es um ein Haar niemals eine Serie gegeben hätte.

Manchmal sind keine Wörter aus dem Repertoire des Dudens nötig, um eine Gefühlslage einzufangen: "Puh", "Uff" und "Puhhhhhh" twitterte die Borussia-affine Timeline erleichtert, nachdem Raffael in der 55. Minute das 1:0 geköpft hatte. Lange schien es sich zum "Goldenen Tor" aufzuschwingen, bis Patrick Herrmann in der 95. Minute das 2:0 nachlegte und Raffaels Treffer spät zu Silber degradierte. Zunächst hatte der Vierte Offizielle aus Frankreich für unangemessene Spannung gesorgt, indem er die Leuchttafel mit der Zahl Fünf in den Abendhimmel von Nikosia reckte. So viel wird in der Bundesliga allenfalls wegen einer halbstündigen Nebel-Unterbrechung nachgespielt. Unterm Strich darf sich Stephan Luzi für seine Großzügigkeit aber noch einen Assist notieren.

Damit führt die Borussia jetzt nicht nur die Zuschauertabelle der Europa League, sondern auch die Gruppe A an. Der bisherige Spitzenreiter Villarreal verlor eine verrückte Partie in Zürich mit 2:3 — alle Treffer fielen von der 19. bis 29. Minute. Nun reicht der Borussia ein Unentschieden gegen Zürich (11. Dezember) ganz sicher zum Weiterkommen, selbst wenn vorher das Spiel in Villarreal (27. November) verloren geht. Weniger minimalistisch ausgedrückt: Ein Sieg bei den Spaniern genügt sogar zum Gruppensieg. Dann würde es in der Zwischenrunde gegen einen der zwölf Gruppenzweiten oder einen der vier Dritten aus der Champions League mit der schlechtesten Bilanz gehen — plus Heimspiel im Rückspiel.

Lucien Favre entschied sich für fünf Änderungen in der Startelf: Branimir Hrgota kam rein plus eine komplett neue Außenbahn, defensiv wie offensiv. Seit der vergangenen Länderspielpause hat sich eine Liga- und eine Pokal-Mannschaft etabliert. Da darf man mit ausgeprägtem Augenzwinkern schon einmal aufs Europa-League-Finale in Warschau blicken und sich fragen, ob André Hahn, Patrick Herrmann und Álvaro Dominguez dann auch auf der Bank Platz nehmen.

Oscar Wendt ist Teil beider Teams, sowohl bei Borussia 1a als auch bei Borussia 1b teilt er sich den Job des Linksverteidigers mit Dominguez. Nun kehrte der Schwede also zurück an den Ort, an dem er vor zwei Jahren in der 97. Minute einen Elfmeter an die Latte setzte. Das Scheppern des Aluminiums ist mittlerweile verklungen, mit dem GSP-Stadion von Nikosia dürfte Wendt aber immer noch nicht warm geworden sein. Gegen Apollon gehörte er zu den schwächsten Borussen (RP-Note 4-), ließ sich andauernd auf seiner Seite überspielen. Dominguez interpretiert die Position hinten links mit solch einer beeindruckenden Mischung aus defensiver Entschlossenheit und offensivem Tatendrang, dass Joachim Löw alles an ihm gefallen müsste — außer sein spanischer Pass. Die Statistik spricht sich jedoch für Wendt aus: Mit dem Schweden kassiert die Borussia alle 181 Minuten ein Gegentor, mit Dominguez hinten links alle 119.

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Überhaupt ist die Viererkette nicht einfach eine Viererkette. Vielmehr liegen neun verschiedene Ketten, die Lucien Favre häufiger oder seltener benutzt, in einer Schmuckkiste parat — in so vielen Konstellationen haben Borussias Verteidiger bislang zusammengespielt. So sicher stehen die fünf Varianten, die sich mindestens über 90 Minuten beweisen durften, geordnet nach ihre Quote "Minuten pro Gegentor":

Wohin Borussias Fans auch gefahren oder geflogen sind in dieser Saison, Gegentore waren in der Regel ihre geringste Sorge — im Gegensatz zu Bierpreisen in Zürich oder den Streiks der Deutschen Bahn. Insofern war Zypern trotz der 2800 Kilometer, die die Hauptstadt Nikosia (Luftlinie!) von Mönchengladbach trennen, auch bei der zweiten Stippvisite innerhalb von zwei Jahren ein Auswärtsfahrer-Paradies. Multipliziert man die 1200 Fans mit der Hin-und-zurück-Distanz zwischen Borussia-Park und GSP-Stadion, kommt man auf 6,7 Millionen Reisekilometer. 9000 Zürich-Reisende ergeben nach der gleichen Formel 8,1 Millionen.

Alle, die sich auf den Weg gemacht hatten, durften sich Anfang November über "einen Donnerstag Sandstrand" bei 22 Grad freuen. Darüber hinaus ist das Stadion in Nikosia ebenfalls ein echtes Highlight, nicht in einem Old-Trafford- oder Nou-Camp-Sinne, sondern eher nach dem Motto: "So etwas findest du nicht oft in Europa." Jenseits der Stadt und nennenswerter Vegetation steht es einfach da rum, eine große Tribüne, drei mittelgroße. Drumherum Beton, Staubwüste oder Staubwüste, die auf Beton geweht wurde. Innen haben sich einige Sitzschalen in der Pyrotechnik-Hitze verflüssigt. Zu essen gibt es Knabberzeug, das selbst die Enten im Park dem Fütterer pikiert zurückschleudern würden. Draußen am Imbissstand wird dafür eine kalorienreiche Mischung aus Hot Dog, Baguette und Döner serviert — "einmal alles" at its best.

#APOBMG lieferte anders als #AELBMG vor zwei Jahren ein sportliches Happy End, obwohl #BMG über weite Strecken eine uninspirierte Leistung zeigte. Dass eine defekte Batterie am Freitagvormittag die Rückreise an den Niederrhein verzögerte, sorgte für eine augenzwinkernde Analogie — mit dem Unterschied, dass man mit halber Power ein Fußballspiel gewinnen, aber kein Flugzeug fliegen kann. Doch auch das Luftfahrt-Happy-End kam. Wie auf dem Rasen dauerte es 90 Minuten plus Nachspielzeit.

Weiter geht es am Sonntag mit #BVBBMG. Das Borussenduell hat es seit etwa 30 Jahren nicht mehr unter diesen sportlichen Voraussetzungen gegeben. Von anderen Dingen lässt sich seit Gladbachs 2:0 gegen Apollon Limassol sogar behaupten, dass es sie noch nie gegeben hat: Nach dem 18. Saisonspiel ohne Niederlage hat das Favre-Team jetzt den alleinigen Startrekord inne. Die Serie ist volljährig geworden.

An dieser Stelle kann man sich noch einmal daran zurückerinnern, dass nicht viel gefehlt hat, um eine damals noch gar nicht vorhandene Serie bereits Ende August zu eliminieren. Gegen den VfB Stuttgart rettete Christoph Kramer in der 90. Minute einen Punkt. Beim SC Freiburg vergab Admir Mehmedi vom Punkt, das Spiel endete torlos. Seitdem existiert innerhalb der langen Serie eine Sorglos-Serie von 13 Spielen — so lange stand der VfL nun nicht mehr am Rande einer Niederlage.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Limassol - Borussia: Einzelkritik