Borussia Mönchengladbach: Michael Lang geht gerne in die Offensive

Tor geklaut : Borussias Michael Lang hat Alassane Plea verziehen

Kann ja mal passieren: Der Schweizer Michael Lang war beim 3:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart ungehalten, doch er hat Alassane Plea den Torklau vom Sonntag verziehen.

Wer sich die Bilder des Spiels der Borussen gegen den VfB Stuttgart (3:0) anschaut, dem fallen ein paar Szenen ins Auge, die gar nicht nach Friede und Freude aussehen und daher konträr sind zur allgemeinen Stimmung im Borussia-Park. Auf den Fotos schaut Michael Lang, der Schweizer Rechtsverteidiger, gar nicht glücklich drein und gestikuliert in Richtung seines Teamkollegen Alassane Plea, der fragend bis entschuldigend die Arme hebt.

Lang war ungehalten, weil ein Tor nicht zählte. Er hatte den Ball mit dem Außenrist unterschnitten und aus günstiger Position aufs Stuttgarter Tor gebracht, vorbei am guten VfB-Torwart Ron-Robert Zieler. Doch bevor das Spielgerät über die Ziellinie stürzte, gab Plea ihm einen Stubs hinein ins Netz. Der Franzose jedoch stand dabei im Abseits, der Treffer zählte nicht. Also schimpfte Lang mit Plea. „Meine Reaktion war übertrieben“, gestand er aber beim Rückblick auf die Plea-Situation und stellte klar, dass „alles gut mit Alassane“ sei. „Es ist normal für einen Stürmer, dass er ein Tor machen will“, sagte Lang. Allerdings hätte er selbst auch gern getroffen. Es wäre das zweite Bundesligator für ihn gewesen, und das im zweiten Heimspiel in Folge.

Beim 4:1 gegen Hannover 96 hatte der Verteidiger, der gern in die Offensive geht, seinen Erstling fabriziert und erstmals belegt, dass sein Nebentalent, das Toreschießen, dem er in der Schweiz ausgiebig gefrönt hat (47 Treffer in knapp 400 Profispielen), auch in der Bundesliga zieht. Gegen Stuttgart war er bemüht um eine Wiederholung. Seine vier Torschüsse waren der Bestwert im Gladbacher Team. „Es wäre schön gewesen, wenn es geklappt hätte“, sagte Lang. Doch auch so war er zufrieden.

Das passt zu den vergangenen Wochen. Nach dem schwierigen Start in Gladbach mit der Knieverletzung, die er sich gleich am ersten Tag im Trainingslager am Tegernsee einhandelte, ist er nach seinem Debüt in Wolfsburg (2:2) schnell angekommen. Seit Wolfsburg gehörte er immer zur Startelf. Dass er schnell merkte, dass die Bundesliga eine andere Herausforderung ist als die Erste Klasse der Schweiz, verriet er nun dem „Blick“: „Beim FC Basel konnte man auch mal stehen bleiben, das geht hier nicht“, sagte Lang.

Als er beim Termin mit den Journalisten aus der Heimat vor einem Foto von Gladbach-Ikone Günter Netzer posieren sollte, weil beide lange Haare haben, lehnte Lang ab. „Das steht mir nicht zu“, sagte der 27-Jährige. Er geht seinen neuen Job mit all seiner Routine, aber auch mit viel Respekt vor der Aufgabe an. Die lautet zuvorderst: defensive Stabilität. Dass diese einiger Arbeit und ständiger Vollkonzentration bedarf, bekam Lang schon zu spüren, unter anderem beim 0:2 in Leipzig, als die schnellen RB-Angreifer die Unstimmigkeiten in der Borussen-Abwehr eiskalt nutzten.

Bei 1899 Hoffenheim darf man sich ebenso wenig eine Blöße geben wie in Leipzig. Auch der kommende Gegner hat starke Angreifer und zudem schnelle Außen, die im 3-5-2-System aus der Tiefe kommen. Unter anderem ist da Nico Schulz, der Ex-Borusse, der nach einer tristen Zeit in Gladbach bei 1899 zum Nationalspieler wurde. Wie Lang war er am Knie verletzt, schwerer indes, und er kam nie richtig an in Gladbach.

Bei Lang ist das anders. Dass er zudem, wie seine Landsleute Yann Sommer, Nico Elvedi und Denis Zakaria das Understatement-Prinzip der Borussen schon verinnerlicht hat, stellten die eidgenössischen Reporter fest. „Sollten wir die Vorrunde auf Platz zwei beenden, würden wir sicher nicht Platz fünf als Ziel aussetzen“, wurde Lang zitiert, als es um das Saisonziel ging. Das ist defensiv offensiv gesagt, ganz so, wie Langs Job definiert ist. Klar ist aber: Er ist ehrgeizig. Weswegen er auch mit Plea wegen des geklauten Tores engagiert diskutierte.

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