Borussia Mönchengladbach: Michael Cuisance will bei der U20-WM 2019 auf sich aufmerksam machen

Borussias Franzose ist unzufrieden : Cuisance will die WM-Bühne für sich nutzen

Nach der starken Debüt-Saison lief es in der zweiten Borussia-Spielzeit nicht gut für Michael Cuisance. Nun tritt er in Polen bei der U20-Weltmeisterschaft an. Falls sein Team weit kommt, könnte er erneut den Anfang der Vorbereitung verpassen.

Michael Cuisance hatte sich etwas vorgenommen für diese Saison. Er wollte ein Tor machen. „In der Jugend habe ich ständig getroffen, für mich war es gewöhnungsbedürftig, ohne Tor zu sein“, sagte Borussias Franzose im Mai 2018. Seine erste Saison in Deutschland war da gerade zu Ende gegangen und Cuisance, 19 Jahre alt und derzeit unterwegs mit dem französischen U20-Team bei der Weltmeisterschaft in Polen, sprach über seine Erfolgsgeschichte. 26 Pflichtspieleinsätze im Profiteam hatte er eingesammelt, elf davon in der Startelf. Und die Fans hatten ihn zum Spieler der Saison gekürt. Bis auf das fehlende Tor war es eine perfekte Debüt-Saison im Männerfußball für Cuisance, der aus der U19 der AS Nancy geholt worden war.

Nun ist seine zweite Saison vorbei. Und Cuisance hat sein Tor gemacht. Ein schönes war es sogar: Er dribbelte in den Strafraum, schoss unvermittelt, und drin war der Ball. Indes: Das passierte im Regionalliga-Spiel der U23 gegen Alemannia Aachen. In der Bundesliga hat Cuisance noch nicht getroffen. Das entspricht ebenso wenig seinem Selbstverständnis wie die Einsatzzeit der abgelaufenen Spielzeit: Nur 268 Minuten kamen in der Bundesliga zusammen. Plus 44 im Pokal. Und 90 In der U23. Macht 402 Minuten insgesamt. In seiner ersten Spielzeit verbrachte er 1439 Minuten auf dem Rasen.

Zufrieden ist Cuisance daher nicht. Und das zeigt er. Es gab entsprechende Einlassungen in den sozialen Netzwerken und im Winter seine Anfrage, ob er ausgeliehen werden könne. Konnte er nicht. So blieb er und war weiter unzufrieden. Unter dem Strich stand ein Startelf-Einsatz beim 0:0 bei 1899 Hoffenheim. Ansonsten pendelte er zwischen Bank und Tribüne. Und wenn er eingewechselt wurde, wollte er es der Welt beweisen – und machte teilweise haarsträubende Fehler. Zudem wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er 2018 ohne Fahrerlaubnis Auto gefahren war. Der Aufsteiger der Vorsaison ist unsanft auf den Boden der Realität geknallt.

Anders als Denis Zakaria, bei der Wahl zum Spieler der Saison 2017/18 die Nummer zwei, kam Cuisance nicht damit klar, sich trotz seines starken ersten Jahres wieder einzureihen und geduldig sein zu müssen. Zakaria kämpfte sich zurück, wurde zum Gewinner der Rückrunde, Cuisance wirkte bockig, er fühlte sich schlecht behandelt. Nun hofft er, dass er wenigstens mit Frankreichs U20-Nationalteam Erfolg hat. Die Franzosen, 2013 Weltmeister, gehen am Samstag als einer der Titelfavoriten ins erste Spiel gegen Saudi Arabien (18 Uhr). Am Dienstag geht es gegen Panama (18 Uhr) und im letzten Gruppenspiel am Freitag gegen Mali (18 Uhr). Am 15. Juli ist das Finale. Cuisance und die anderen Franzosen wollen dabei sein.

Im Sommer 2018 war Cuisance mit der U19 Frankreichs ins EM-Halbfinale eingezogen (0:2 gegen Italien). Danach hatte er noch Urlaub. Borussia studierte in seiner Abwesenheit ein neues System ein, als Cuisance kam, waren die Hauptrollen verteilt. Wenn er nun weit kommt in Polen, wird er wieder den Anfang der Vorbereitung verpassen. Und dieses Mal kommt sogar ein neuer Trainer, Marco Rose. Im Mittelfeld wird dieser wohl mit einer Raute spielen lassen, in der Cuisance erneut mit Verspätung seinen Platz suchen müsste. Er kann alle Jobs in der Zentrale machen, aber es kommt darauf an, im System zu funktionieren. „Risiko gehört zu meinem Spiel“, sagt Cuisance. Inwieweit sein Spiel zum Ansatz von Rose passt, wird sich zeigen. Inspirierte Spieler kann jeder Trainer gebrauchen, doch ist Rose einer, der auf Disziplin setzt, nur dann funktioniert das offensiv ausgerichtete Spiel mit einer hoch stehenden Defensivkette und ständigem Druck auf den Gegner überall auf dem Feld.

Möglich, dass Rose Cuisance als interessantes Förderobjekt sieht, dass er dem ungeschliffenen Diamanten den nötigen Schliff geben kann. Möglich ist aber auch, dass Cuisance verliehen wird. Der Wunsch, sich verändern zu wollen, könnte auch bei ihm weiter da sein.

Aber jetzt ist erstmal die WM. „Die Saison ist noch nicht vorbei. Nächster Halt Weltmeisterschaft“, schrieb Cuisance bei Instagram unter ein Foto, das ihn im Trikot von „Les Bleus“ zeigt. Er sieht entschlossen und konzentriert aus. Cuisance hat sich etwas vorgenommen. Er will die WM-Bühne für sich nutzen. Um seine Stimmung zu heben. Vielleicht, um sich einzuspielen für seine dritte Saison in Gladbach. Vielleicht aber auch, um andere Klubs auf sich aufmerksam zu machen.

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