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Borussia Mönchengladbach: Max Eberl will mit Granit Xhaka reden

„Es ist eine schöne Geschichte“ : Eberl antwortet auf Xhakas Initiativbewerbung bei Borussia

Granit Xhaka kann sich eine Rückkehr zu Borussia Mönchengladbach vorstellen – das hat er in einem Podcast-Interview betont. Warum das aktuell unrealistisch ist und was Manager Max Eberl zu der ganzen Sache zu sagen hat.

Bis heute hat Granit Xhaka eine enge Bindung zu seinem Ex-Klub Borussia Mönchengladbach. In der Stadt lebt die Familie seiner Frau, er selbst sei oft vor Ort und trage den Klub noch immer im Herzen, hatte Xhaka zu Beginn der Woche im „Mitgeredet“-Podcast erzählt. Auch über eine mögliche Rückkehr an den Niederrhein hat er gesprochen. „Ich habe gerade meinen Vertrag verlängert, der geht noch zweieinhalb Jahre. Dann bin ich 32. Und wenn Max Eberl noch mal bereit ist, mich zurückzuholen mit 32, ist meine Tür auch auf“, sagte Xhaka.

Borussias Manager ging am Donnerstag auf Xhakas Initiativbewerbung ein. „Dass Granit hier eine großartige Zeit hatte und viel funktioniert hat von dem, was wir uns damals vorgestellt haben und dass er eine sehr enge Bindung zum Verein hat – das freut uns sehr“, sagte Eberl auf der Pressekonferenz vor dem Derby gegen den 1. FC Köln am Samstag. „Wir haben immer noch, regelmäßig unregelmäßig, Kontakt. Er hat das öfter schon angedeutet“, erzählte Eberl weiter. „Dann hat er mir sein Gehalt gesagt und dann habe ich gesagt, er soll noch ein paar Jahre in Arsenal spielen. Dann können wir weiterreden. Es ist eine schöne Geschichte, wenn solche Spieler sich so über den Verein äußern. Wenn er dann wirklich 32 Jahre alt ist, dann rede ich mit ihm noch mal“, so Eberl.

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Xhaka hat in vier Jahren 140 Spiele für Borussia Mönchengladbach absolviert, ein großer Torjäger war der Schweizer mit dem starken linken Fuß in dieser Zeit aber nie. Neun Tore waren es am Ende, doch eines davon schrieb Vereinsgeschichte – Xhakas Kopfball zum Derbysieg in der Nachspielzeit gegen den 1. FC Köln am 14. Februar 2015. Auch wenn in den vergangenen Jahren viele Spieler ihren Teil zu Erfolgen über den großen Rivalen beitrugen, ist der 29-Jährige aufgrund dieser Szene inklusive des Jubels der Derbyheld der Neuzeit schlechthin.

„Den Tag werde ich nie vergessen. Das Datum, die Spielminute habe ich sogar auf meinem Handy unter Notizen gespeichert“, erzählt Xhaka. „Ich will nicht zu viel versprechen, aber ich glaube, der Tag wird irgendwann auf meinen Körper tätowiert, weil er ganz besonders war.“

Als Motiv könne er sich das Bild vorstellen, auf dem er mit weit ausgebreiteten Armen in Richtung Nordkurve sprintet und am Ende seines Laufs in die Arme von Torwart Yann Sommer hüpft. „Das Tor, der Sprint danach zu Yann, das ganze Stadion bebt – das ist einfach Wahnsinn“, sagt Xhaka. „Wenn man das Wort ‚Derby‘ in den Mund nimmt, wissen alle, um was es geht für den Klub, für die Fans und die Spieler. Ich persönlich habe super Erinnerungen daran. Vor allem das Tor gegen Köln war die Krönung meiner Gladbacher Zeit. Es gibt nichts Schöneres, als ein Derby zu gewinnen.“

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Am Samstag ist es wieder so weit, Borussia reist nach Köln, wo Xhaka ein Sieg tatsächlich versagt blieb in seiner Gladbacher Zeit. Zuerst war der FC zweitklassig, 2014 gab es dann ein 0:0, 2015 das 0:1, in dessen Anschluss Lucien Favre seinen Rücktritt erklärte. Dem Trainer ist Xhaka, auch wenn beide höchst unterschiedliche Charaktere sind, auch immer noch sehr dankbar: „Ein Spieler, der zwischen 18 und 22 unter Lucien Favre trainieren darf, wird automatisch besser.“

Dabei hatte Xhaka einen enorm schwierigen Start in Gladbach. „Als ich gekommen bin, habe ich vielleicht mehr gesagt als getan und viele eigene Fehler gemacht. Ich war jung, 19 Jahre alt, kam aus Basel als Meister und Pokalsieger“, erinnert er sich. „Ich habe die ersten sechs Monate auf die Fresse bekommen.“ Im Winter habe er bereits über einen Wechsel nachgedacht, ein Gespräch mit seinem Vater habe dann den Ausschlag gegeben, sich in Gladbach durchsetzen zu wollen: „Der hat mir gesagt: Es ist immer einfacher, zu lächeln, wenn es gut läuft. Aber wenn es einmal schlecht läuft, ist es eine gute Erfahrung für dich selbst. Weglaufen kannst du immer. Jetzt ist die Frage, wie stark du wirklich bist.“

Vom Frühjahr 2013 bis zu seinem Abschied war Xhaka durchgängig Stammspieler und fehlte fast nur, wenn er eine seiner nicht wenigen Sperren abzusitzen hatte. Auf Platz acht und sechs in den ersten beiden Jahren folgten Platz drei und vier. „Ich kriege heute noch Gänsehaut, wenn ich zurückblicke, wie die Zeit in Gladbach verlaufen ist. Wie gesagt, der Anfang war schwierig. Aber danach ging es nur noch bergauf. Ich hatte das Glück, mit einer Mannschaft zu trainieren um Stranzl, Daems, Brouwers. Du hattest Spieler dabei, die sich jeder wünscht. Diese Persönlichkeiten kriegt man nicht jeden Tag. Als junger Mann habe ich sehr viel gelernt und diese Mentalität mitgenommen in den nächsten Jahren“, so Xhaka.

Seit seinem Abschied im Mai 2016 ist der Schweizer Nationalmannschaftskapitän Borussias Rekordtransfer. 45 Millionen Euro kassierten die Gladbacher vom FC Arsenal – eine Summe, die noch eine Weile unerreicht bleiben dürfte. „Ich habe den Schritt von Borussia zu Arsenal nie wegen des Geldes gemacht, sondern es war ein Traum für mich, in England zu spielen“, erklärt Xhaka, der offenbar wild entschlossen ist, noch einmal für Borussia aufzulaufen. Und selbst wenn es nicht mehr klappt: Einen Moment für die Ewigkeit hat er am 14. Februar 2015 geschaffen.