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Borussia Mönchengladbach: Max Eberl will einfach Max Eberl sein

Emotionaler Abschied : Das war Eberls letzter Auftritt als Borussia-Manager

Sportdirektor Max Eberl erklärt in einem emotionalen Auftritt die Gründe für seinen sofortigen Rückzug aus dem Fußball und verrät, was er demnächst mit der neu gewonnenen Zeit anfangen will. Für Borussia beginnt die Suche nach einem Nachfolger inmitten einer sportlichen Krise.

Die Stimmung war gedrückt im Presseraum des Borussia-Parks in Mönchengladbach. Die Protagonisten auf dem Podium waren sich einig: „Es ist kein schöner Tag für Borussia. Es ist ein trauriger Tag“, sagte Rolf Königs, der Präsident des Bundesligisten stellvertretend für die anderen. Der 28. Januar 2022 war der Tag, an dem die Ära des Managers Max Eberl unter Tränen endete, nach mehr als 13 Jahren auf dem Posten des Sportdirektors, zuvor dreieinhalb Jahren als Nachwuchsdirektor und sechs Jahren als Profi. 23 Jahre insgesamt.

„Ich habe eine unfassbar schwere Entscheidung getroffen“, sagte Eberl, der sich sammeln musste, bevor er erklären konnte, warum er ab sofort nicht mehr Manager sein will. „Das ist ein ganz simpler Grund, warum ich nicht mehr arbeiten kann; weil ich einfach erschöpft bin; weil ich einfach müde bin, weil ich keine Kraft mehr habe, diesen Job, so wie es der Verein benötigt, auszuüben“, sagte Eberl und weinte dabei.

Dass darüber spekuliert werde, er werde bald für einen anderen Klub arbeiten, dass andere, private Gründe für seinen Rückzug ins Feld geführt wurden, „ist genau das, was mich tatsächlich krank macht“, sagte Eberl. Darum will er „raus aus dem Fußball“, der, das versicherte Eberl, „eigentlich mein Leben ist“.

Das hat er über zwei Dekaden bei Borussia tatsächlich intensiv gelebt, als kämpfender Verteidiger ohne Torschussglück und Treffer, dann als talentesuchender Nachwuchsdirektor und schließlich als gewiefter Sportdirektor, der entscheidend mitgewirkt hat am Aufschwung der Gladbacher. Nur ist der aktuell arg in Stocken geraten, Borussia steckt im Abstiegskampf. Weswegen er seine Entscheidung zu einem „unfassbar ungünstigen Zeitpunkt“ getroffen habe, weiß Eberl.

Es war ein tränenreicher Abschied des Managers einen Tag, nachdem bekannt geworden war, dass er Gladbach um die Auflösung seines im Dezember 2020 bis 2026 verlängerten Vertrages gebeten habe. Dieser ist nach Informationen unserer Redaktion nicht aufgelöst, aber Eberl arbeitet ab jetzt nicht mehr als Sportdirektor Borussias. Tausende Fans verfolgten seinen letzten Auftritt als Manager via sozialer Netzwerke, es gab viele Respektbekundungen. Im Fußball-Business wird selten so offen über Schwächen gesprochen, wie es Eberl nun tat.

Fast unanständig wirkten in dieser schwermütigen Szenerie die Fragen, wie die Gladbacher die Post-Eberl-Ära planen. „Das Leben geht weiter“, befand Geschäftsführer Stephan Schippers vergleichsweise nüchtern, Königs und Vizepräsent Rainer Bonhof berichteten, dass Kaderplaner Steffen Korell als Nachfolger angedacht war, aber nur als Interimslösung zu Verfügung stehe, um sich danach wieder seinen bisherigen Aufgaben zu widmen. „Es wird eine externe Lösung geben“, sagte Königs. Es gibt Ideen, aber nichts „ist fix“, sagte Bonhof.

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Ansonsten versicherte man sich auch gegenseitige Dankbarkeit für die lange und weitgehend erfolgreiche Zusammenarbeit. Nun aber sei „ein vergleichsweise guter Zeitpunkt, neue Wege zu gehen“, findet Eberl. Er hat sich dazu entschieden, Borussia muss sich anschließen. Eberl für seinen Teil will „einfach Max Eberl sein“, Spaß haben, Urlaub machen. „Ich bin dann wie Hape Kerkeling einfach mal weg“, erinnerte Eberl an die Auszeit des Komikers, der diese nutzte, um den Jakobsweg zu gehen. Dies, versicherte Eberl werde er nicht tun, „dazu bin ich nicht fit genug“. Kerkeling hatte Ende 2014 seinen Rückzug aus dem Showgeschäft angekündigt, aber so ganz ist er nicht gegangen. „Ich will mit dem Fußball nichts zu tun haben“, sagte  Eberl aber. Er sagte das quasi als Privatmann, dem der Manager-Job zur Last geworden ist. Inwieweit eines der üblichen Axiome des Sportdirektors Eberl, das „Stand jetzt“, mitklang zwischen den Zeilen, bleibt abzuwarten.

Wenn die Akkus wieder voll sind, wird einer wie er, der seit früher Jugend Fußballer ist, der den Traum vom Profidasein lebte und es dann auch nach der Karriere machte, im Fußball die Sehnsucht spüren nach dem Spiel, auch wenn seine Nebenwirkungen ihm nun zusetzen. Am Freitag aber zog Eberl mindestens einen Schlussstrich unter seine Zeit als Borusse. Das Kapitel „Jlabbacher Jong“, so der Titel einer Buches über Eberl, ist zu Ende geschrieben in seiner Biografie. Der Scheidende hatte auf dem Podium den Platz in der Mitte, genau über der  Borussen-Raute. Die ist ihm seit seinem Wechsel von Greuter Fürth zu Borussia im Januar 1999 ins Herz hineingewachsen. Sie wird nicht gelöscht werden nach der Trennung. Weswegen Eberl angefasst war am Tag, als er erklärte, warum er Schluss macht mit einem Job, den er lange nicht nur gelebt, sondern auch geliebt hat.

Hier geht es zur Infostrecke: Sportwelt zollt Eberl „allergrößten Respekt für diese Entscheidung“