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Borussia Mönchengladbach: Matthias Ginter will weitere Titel gewinnen

Gladbachs Abwehrchef Matthias Ginter : „Titelgewinne sind wie eine Sucht“

Gladbachs Abwehrchef Matthias Ginter spricht im Interview über den Restart der Fußball-Bundesliga, seinen Umgang mit der Corona-Situation und die Chance, als Borusse weitere Trophäen zu holen.

Herr Ginter, Borussia hat das erste Spiel nach dem Restart 3:1 in Frankfurt gewonnen. Wie war für Sie der Auftakt in die Rest-Saison?

Ginter Sportlich war es sehr gut, gerade wenn man nach 36 Sekunden schon 1:0 führt, ist das natürlich perfekt. Wir haben gezeigt, dass wir wieder da sind, auch wenn man in der zweiten Halbzeit gemerkt hat, dass die Kräfte noch schwinden können, das ist aber normal nach der Pause. Grundsätzlich ist es aber ohne Fans einfach nicht das Gleiche. Es geht nun aber darum, einen Kompromiss zu finden und aus der Situation das Beste zu machen.

Wie hat Ihnen der gesamte Start der Bundesliga gefallen?

Ginter Auch gut. Es gab keine größeren Vorkommnisse, vielleicht der Tor-Jubel von Berlin. Sportlich sieht man bei den Laufwerten keine großen Unterschiede, aber ich denke, fußballerisch wird es noch ein, zwei Wochen dauern, bis das normale Niveau wieder erreicht ist.

Ärgert Sie, dass sich die Spieler von Hertha BSC nicht an die Vorgaben beim Torjubel gehalten haben?

Ginter Ich glaube, da gibt es zwei Perspektiven. Als Außenstehender kann man das schon deutlich hinterfragen. Aber als Fußballer kann ich es auch verstehen, weil man eben nicht alles kontrollieren kann, gerade wenn man große Glücksgefühle wie bei Toren erlebt.

Haben Sie das Gefühl, dass im Fußball gerade zu sehr nach den Haaren in der Suppe gesucht wird?

Ginter Die Bundesliga wird gerade sehr unter dem Brennglas beobachtet, es gibt ja auch Leute, die es nicht gut finden, dass wir wieder spielen. Das ist aber teilweise auch verständlich, wenn andere noch einige Wochen darauf warten müssen, ihren Job wieder ausüben zu können.

Vor dem Spiel am Samstag gegen Leverkusen (15.30 Uhr) gibt es keine Quarantäne-Woche, Sie verbringen die Freizeit wieder zu Hause.

Ginter Ich passe schon extrem auf und schränke mich noch mehr ein. Das liegt auch daran, dass das Testergebnis bestimmt, ob man im nächsten Spiel spielen kann. Das ist ein neuer Faktor neben der Trainingsleistung zum Beispiel. Das Ergebnis muss negativ sein, sonst ist man nicht dabei. Deswegen verzichte ich auch weitgehend auf Besuche. Das ist zwar ungewohnt, gerade mit Blick auf die Familie, aber das müssen wir jetzt durchziehen.

Wie oft wurden Sie bislang auf Covid-19 getestet?

Ginter Wir werden immer am Tag vor dem Spiel getestet und zu Wochenbeginn. Insgesamt wurde ich bislang bestimmt sechsmal getestet, jedes Mal glücklicherweise negativ.

Wird auch Ihre Familie getestet?

Ginter Man kann entweder ein Tagebuch führen, in dem man genau aufschreibt, wann man mit wem Kontakt hatte, oder man lässt das nähere Umfeld testen. Wir haben uns dafür entschieden, meine Frau testen zu lassen. Sie ist hauptsächlich mit unserem Sohn zu Hause, da ist das Risiko gering, dass sie sich irgendwo anders ansteckt. Wir versuchen, uns so akribisch wie möglich an die Vorgaben zu halten und hoffen, dass wir in einigen Wochen wieder unsere Familien treffen können.

Ihre Frau und ihr Sohn Matteo werden beim Spiel gegen Leverkusen im Borussia-Park dabei sein.

Ginter (lacht) Das stimmt, es gibt auch von den beiden Pappaufsteller im Stadion. Das ist eine tolle Aktion, an der wir uns beteiligen wollten.

Wo sind die beiden platziert?

Ginter In der Ecke Haupttribüne/Nordkurve in der ersten oder zweiten Reihe. Da kann ich nochmal einen kleinen Gruß absenden.

Spielt das Team jetzt noch mehr für die Fans und den Klub als sonst?

Ginter Das würde ich schon so sagen. Natürlich war es immer so, dass wir für Borussia und das Umfeld gespielt haben, aber jetzt haben wir mitbekommen, dass viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, die wir sichern wollen. Und auch für die Fans, die leider nicht bei den Spielen sein können, wollen wir so erfolgreich wie möglich sein, damit Sie mit uns in der nächsten Saison durch Europa reisen können. Es ist eine schwierige Situation, aber wir stehen im Verein zusammen und versuchen, mit den Ergebnissen den Fans die Situation zu verschönern.

Können Sie den Geisterspielen irgendwas Positives abgewinnen?

Ginter Man kann auf dem Platz besser kommunizieren. Wenn 50.000 Leute Lärm machen, erreiche ich verbal nicht alle, da komme ich vielleicht 15 Meter weit, jetzt klappt das. Man kann sich auch mehr mit dem Trainer austauschen. Aber das ist auch wirklich der einzige Vorteil.

Gibt das Frankfurt-Spiel ein gutes Gefühl für die restliche Saison?

Ginter Dafür ist es noch zu früh. Aber wir sind gut gestartet und können sagen, dass wir wieder auf einem guten Level sind. Aber wenn ich das Spiel von Leverkusen gesehen habe, muss ich sagen, dass sie es auch sind. Das wird ein sehr enges Match. In Frankfurt war nicht alles perfekt, wir müssen einiges optimieren und nun gilt es, in jedem Spiel die nötige Intensität auf den Platz zu bringen. Das war in Frankfurt wichtig und wird es auch gegen Leverkusen und die folgenden Spiele sein.

Leverkusens Außenverteidiger spielen recht offensiv. Da könnten Sie wie in Frankfurt beim Tor zum 2:0 wieder mit Diagonalbällen gefährliche Situationen einleiten.

Ginter (lacht) Mal schauen. Sie spielen mal mit Dreier-, mal mit Viererkette, das muss man situativ entscheiden. Ist es sinnvoll, werde ich wieder einen langen Ball schlagen.

Mittlerweile ist das zur Waffe für Borussia geworden. Haben Sie sich diese Pässe von Jerome Boateng abgeschaut, der diese in den vergangenen Jahren perfektioniert hat?

Ginter Es war für meine Entwicklung unheimlich gut, mit 20 Jahren mit Weltklasse-Verteidigern wie Jerome und Mats Hummels in der Nationalmannschaft spielen zu können, mit Mats auch in Dortmund. Da habe ich mir viel abgeguckt und sie haben mir sehr geholfen. Ich habe zwar schon vorher diese Bälle gespielt, aber bei Jerome habe ich dann schon noch dazugelernt, wann der richtige Zeitpunkt ist und wie der Pass geschlagen werden sollte.

Ist in dieser Saison eigentlich für Borussia sogar der Titel drin?

Ginter Wir müssen uns alles hart erarbeiten und dranbleiben. Es hat sich auch nicht viel getan. Wir haben zwar Leipzig überholt, aber die anderen Teams haben gewonnen und wir alle wissen, welche Qualität RB hat. Das sind alles harte Bretter. Aber wir wollen alle Spiele erfolgreich gestalten, dafür müssen wir unser Spiel weiter optimieren und auf uns schauen. Gegen Leverkusen wird es sehr schwierig und danach gibt es noch ein paar spannende Aspekte in dieser Saison. Beispielsweise bin ich gespannt, wie es in den englischen Wochen sein wird oder wenn es Verletzungen gibt. Aber darauf wollen wir uns bestmöglich einstellen.

Spielt das Thema „Titel“ für Sie grundsätzlich eine wichtige Rolle?

Ginter Ich würde mich als sehr ehrgeizig bezeichnen, ich strebe immer nach dem Maximum – deshalb spielt das schon eine Rolle. Ich will eben das Bestmögliche erreichen und das sind Titel. Ich würde zwar nicht zusammenbrechen, wenn ich keinen mehr gewinne, aber das ist einfach das Größte für einen Sportler. Wenn man das mal erlebt hat, will man es immer wieder, Titelgewinne sind wie eine Sucht. Es gibt viele Faktoren, die mir wichtig sind, und der Titelfaktor gehört dazu.

Sie wurden mit Deutschland 2014 Weltmeister, 2016 Silbermedaillen-Gewinner bei Olympia, 2017 Confed-Cup-Sieger und 2017 mit Dortmund Pokalsieger. Ist Gladbach der Ort, an dem Sie diese Sammlung erweitern können?

Ginter Ich weiß, dass Borussia nicht der größte Favorit ist, wenn es um die Titel geht, aber wir haben ein wahnsinniges Potenzial im Team und wollen uns weiterentwickeln. Wenn die Mannschaft noch ein, zwei Jahre zusammenbleiben und punktuell verstärkt werden würde, hätten wir unglaubliche Möglichkeiten. Aber der Fußball ist schwer planbar, zum Beispiel kann es immer wieder zu Abgängen kommen. Doch auch dann ist mit diesem Klub vieles möglich. Gladbach ist ein großer Verein, mir macht es wahnsinnig Spaß hier.

Wird das Gefühl noch besser, wenn Sie sehen, dass Borussia im Vergleich zu anderen recht gut durch diese Krise zu kommen scheint?

Ginter Natürlich gibt einem das ein positives Gefühl. Ich kenne zwar nicht alle Zahlen, aber mich als Spieler freut es, wenn es danach aussieht, dass wir zumindest im Großteil so zusammenbleiben, auch wenn man noch abwarten muss, wie groß die Verluste und dann die Gewinne, die wir einspielen, sein werden. Aber da weiß man ja, dass Gladbach immer seriös wirtschaftet, und das ist gut so. Hoffen wir das Beste.

Ihr Vertrag läuft noch bis 2021 und beinhaltet eine Option für eine Verlängerung bis 2022. Gespräche über einen neuen Kontrakt hat es noch nicht gegeben, aber Sie könnten ja garantieren, in der nächsten Saison auch bei Borussia zu spielen.

Ginter (lacht) Ich habe schon oft betont, wie gut es mir hier geht und dass alles passt. Es wird auch bestimmt demnächst Gespräche geben und ich kann mir gut vorstellen, noch länger bei Borussia zu bleiben.