Borussia Mönchengladbach: Matthias Ginter verteidigt Dieter Hecking

Gladbacher Ginter macht Ansage: "Nicht reden, sondern Punkte holen"

Anlass für eine Trainerdiskussion sieht Nationalspieler Matthias Ginter nicht, er nimmt stattdessen das Team in die Pflicht. Mit seinem Ex-Klub Borussia Dortmund hat dagegen nicht nur der Nationalspieler noch eine Rechnung offen.

Während gestern in Mönchengladbach der Karneval tobte, zog Matthias Ginter die Ruhe vor. Er war mit seiner Verlobten am Sorpesee im Sauerland. Ausspannen für einen Tag, Naherholung, um Kraft zu sammeln für die Krisenbewältigung. Eine Krise, das hatte Ginters Teamkollege und Mit-Weltmeister von 2014, Christoph Kramer, am Montagabend bei Sky 90 zwar gesagt, gebe es nicht in Mönchengladbach, doch letztlich ist es Wortklauberei. "Eine schwierige Situation" macht Trainer Dieter Hecking aus, und das kann durchgehen als Definition für "Krise". Grundsätzlich dürfte niemand bei Borussia zufrieden sein mit dem Status quo nach 22 Spieltagen, entsprechend räumte Ginter nach dem 0:1 beim VfB Stuttgart am Sonntag ein: "Wir haben uns das sicherlich anders vorgestellt."

Was ihn persönlich angeht, müsste der Defensivmann zufrieden sein. 22 Saisonspiele gab es, 22 hat er gemacht, dazu noch die drei Pokalspiele, und nur dreimal war er nicht Innenverteidiger. Außerdem ist er mit vier Toren mit Lars Stindl drittbester Torschütze der Gladbacher. Alles in allem ist eingetroffen, was er sich vorgenommen hat, als er sich im Sommer 2017 entschied, von Borussia Dortmund zur Namencousine an den Niederrhein zu wechseln. Nun, da sein Ex-Klub am Sonntag zu Besuch ist an seinem neuen Arbeitsplatz, dem Borussia-Park, ist es natürlich an der Zeit für eine Bilanz. Fazit: Ginter ist nicht, wie in Dortmund, ein personifizierter Verschiebebahnhof, er hat einen festen Platz im Team und ist daher zu einer Führungsfigur geworden.

Als solche ist er nun, ausgerechnet vor dem Spiel gegen Dortmund, extrem gefordert als Krisenmanager. "Es gibt viele Faktoren", weiß Ginter, "die auf ein Bundesligaspiel einwirken: Technik, Taktik, die Physis, um in den körperlichen Duellen dagegenzuhalten, das Mentale." Zu oft fielen einige dieser Faktoren in den vergangenen Spielen gegen die Gladbacher aus, beim VfB nahezu alle: "Das Spiel in Stuttgart hat unser Dilemma widergespiegelt: Entweder wir kriegen frühe oder späte Gegentore, uns fehlt die Durchschlagskraft oder wir müssen zu oft einem Rückstand hinterherlaufen", fasste Ginter zusammen.

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Eine Trainerdiskussion, und da geht Ginter d'accord mit Kramer, sei indes unangebracht. "Er bleibt sehr ruhig, findet nach jedem Spiel die richtigen Worte und zwischendurch immer wieder in Einzelgesprächen. Das gibt einer Mannschaft Sicherheit, dass man gut unterwegs ist", sagte Kramer bei Sky. "Auf keinen Fall" müsse Dieter Hecking infrage gestellt werden, sagte auch Ginter. Er sieht vor allem das Team in der Pflicht. "Es stimmt in der Mannschaft, in der Kabine. Aber wir tun gut daran, nicht auf andere zu schauen, sondern ganz allein auf uns. Wir müssen uns schleunigst zusammensetzen und dafür sorgen, dass wir die Dinge besser machen, die uns jetzt Punkte gekostet haben", stellte Ginter klar.

Heute, wenn sich die Borussen zum ersten Training der Vorbereitung auf das Dortmund-Spiel treffen, gibt es also zunächst mal Gesprächsbedarf. Allerdings braucht es weniger Worte als vielmehr Taten. "Wir sollten nicht von Europa oder von der Tabelle reden, sondern ganz einfach unsere Punkte holen", sagte Ginter dann auch.

Gegen den BVB sollte die Motivation besonders groß sein, gab es doch im Hinspiel das klaffende 1:6. Dass die Dortmunder zuletzt zweimal gesiegt haben, während die Gladbacher dreimal in Folge verloren haben, lässt Ginter nicht als großes Plus für die Westfalen gelten. Und auch nicht, dass der genesene Marco Reus besonders gern gegen seine frühere Borussia produktiv ist: fünf Tore und fünf Assists sammelte er ein, seit er 2012 wechselte. "Es steht nirgends, dass man nach drei Niederlagen nicht gewinnen kann", sagte Ginter. Auch der BVB, bei dem fast alles nach dem Abstand zu den Bayern bemessen wird (19 Punkte = zu viel), "hat sich die Saison sicher anders vorgestellt". So ist es ein wenig das Duell zweier enttäuschter Borussias. Wobei Gladbach derzeit weit mehr zu verlieren hat als der BVB, der als Dritter auf einem Champions-League-Rang steht.

(kk)