Borussia Mönchengladbach: Matthias Ginter und Lars Stindl hoffen auf Einsatz im DFB-Team

DFB-Team: Borussen-Duo hofft auf seine Chance

Lars Stindl und Matthias Ginter könnten morgen für Deutschland gegen Brasilien ein Thema sein. Derweil kümmert sich ihr Klubmanager Max Eberl um den Kader für die neue Saison, der öfter in voller Breite zur Verfügung stehen soll.

Gespielt hat Borussias Abwehrchef Matthias Ginter beim 1:1 des DFB-Teams gegen Spanien ebenso wenig wie sein Mannschaftskamerad Lars Stindl. Beide saßen 90 Minuten nebeneinander auf der Bank. Gleichwohl hat Ginter, 24, am Wochenende für Schlagzeilen gesorgt. Im Interview mit der "Welt am Sonntag" hat er gesagt, dass Fußballer im Vergleich zu anderen Arbeitnehmern zu viel verdienen. "Wenn ich sehe, wie Bauarbeiter oder Krankenpfleger schuften müssen und dafür ein Gehalt bekommen, mit dem sie kaum über die Runden kommen, dann muss ich sagen: Natürlich verdienen wir Fußballer zu viel", sagte Ginter. "Wir leisten ja nichts Essentielles - wie Ärzte, die Leben retten oder Leute gesund machen." Das seien Dinge, die für die Gesellschaft wirklich wichtig sind: "Fußballspielen fällt da nicht unbedingt unter diese Kategorie." Das Thema ist ein ewiger Klassiker im Kanon der Debatten um das professionelle Balltreten. "Ich nehme dir gern etwas ab", twitterte jemand dazu.

Schon eine Woche zuvor hatte Borussia im Zentrum eine Diskussion aus der Moralecke gestanden. Da ging es um Max Eberls Verbal-Attacke auf Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann. Eberl entschuldigte sich, und dass ein Manager sich derart nicht verhalten dürfe, war ein Konsens aller Diskutanten. Die Frage, in welcher Art die Aktion geahndet werden muss, wurde hingegen großflächig abgehandelt, derzeit prüft das DFB-Gericht, wie das Strafmaß ausfallen könnte.

Eberl treibt die Planungen für die neue Saison voran

Eberl konzentriert sich derweil wieder auf sein Kerngebiet: Die Planung des Kaders der neuen Saison. Grundsätzlich, gab er nochmal bekannt, werde Borussia an den Parametern der vergangenen Jahre festhalten. "Wir haben nun mal nicht endlos Mittel zur Verfügung, bestimmte Transfers können wir uns einfach nicht leisten. Wir wägen natürlich immer ab, ob wir lieber einen Spieler mit Top-Qualität holen oder drei mit Perspektive", sagte er.

Eben dies dürfte die Leitfrage bei der Suche nach Verstärkungen für die Offensive sein: Wird es einen Königs-Transfer geben oder wird das Mehr-Tore-Thema auf mehrere neue Schultern verteilt? Immerhin steht ja fest, dass einer, der Torgefahr erzeugen kann, dazukommt: Florian Neuhaus (21), der bei Fortuna Düsseldorf aus dem Mittelfeld heraus fünfmal getroffen und zwei Treffer vorbereitet hat. Für ganz vorn ist unter anderem der Berner Roger Assalé (24) ein Thema.

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Dass auch Talente gleich helfen können, zeigt Michael Cuisance. Der Mann für alle Fälle im Mittelfeld ist 18 und hat 18 Liga- und zwei Pokal-Einsätze beisammen (zwei Assists). Aktuell ist er dabei, sich mit der französischen U 19 für die EM im Sommer zu qualifizieren, bei der Eliterunde in Spanien gab es am Samstag ein 2:0 gegen Bulgarien, zuvor wurde Belgien besiegt (3:2). Damit sind die Franzosen Tabellenführer, Platz eins muss es auch sein für die EM-Teilnahme. Morgen reicht ein Unentschieden gegen den Zweiten Spanien.

Die Borussen schauen bei der Eliterunde genau hin, Steffen Korell, Borussias Scouting-Direktor, ist vor Ort. Assalé plus ein Stürmer unter 20 - das könnte ein Plan sein. Dass es aber nicht nur in der Offensive Veränderungen geben wird, ist zu vermuten, sogar ein mittelschwerer Umbruch ist denkbar. Die aktuelle Saison hat Borussias Problemzonen aufgedeckt. Neben der Suche nach neuem Personal wollen sich Eberl und Trainer Dieter Hecking vor allem darum kümmern, dass das Team künftig weit öfter in der vollen Breite zur Verfügung steht. "Es geht um die Frage, wie wir weniger Verletzte bekommen", sagte Eberl. "Wir werden jeden Stein umdrehen", hat Hecking angekündigt.

Zum Thema Verletzungsmisere hatte sich auch Ginter geäußert und darauf hingewiesen, dass auch die professionelle Lebensführung eines Spielers dazu beiträgt, dass er fit und unverletzt ist und bleibt. Er selbst hat in dieser Saison noch keine Minute verpasst. Auch Stindl hat mehr oder weniger immer gespielt, weswegen das Bank-Angestellten-Dasein im Dienst des DFB vom Freitag für beide eine, im Vergleich zum Borussen-Dasein, ungewöhnliche Erfahrung war.

Gegen Brasilien morgen könnte sich das ändern. Bundestrainer Joachim Löw hat ankündigt, dass Thomas Müller eine Pause bekommt, Stindl könnte die Alternative sein. Auch Ginter will dieses Mal am liebsten für sportliche Schlagzeilen sorgen - mit einem Einsatz gegen den Rekordweltmeister. Für Ginter und Stindl geht es um die WM, und was das angeht, liegt (das gilt auch für Borussias Ansinnen, der Saison in den letzten Spielen vielleicht noch eine neue Richtung zu geben) jenseits aller gut gemeinten Einlassung und Moraldebatten die Wahrheit einzig auf dem Platz.

(kk)