Borussia Mönchengladbach: Matthias Ginter stabilisiert DFB-Abwehr

Stammplatz in der DFB-Elf : Borussias Ginter wird für Löw immer wichtiger

In seinem 22. Länderspiel war Borussias Abwehrchef Matthias Ginter erneut als Rechtsverteidiger unterwegs. Fast hätte er gegen Frankreich seinen ersten Treffer für Deutschland erzielt.

Lars Stindl hatte natürlich zugeschaut. Die 1:2 (1:0)-Niederlage Deutschlands gegen Weltmeister Frankreich hatte Borussias Kapitän „von der Couch“ aus gesehen, da für ihn ein Länderspieleinsatz nach seiner schweren Verletzung (Syndesmosebandriss) und seinem gerade erst erfolgten Comeback zu früh kam. Der Confed-Cup-Sieger von 2017 darf sich aber weiterhin als Teil der Nationalmannschaft sehen und analysierte so treffend: „Das war sehr schade für die Jungs, sie haben eigentlich ein gutes Spiel gemacht. Sie hätten nach dem 1:0 das 2:0 nachlegen können, dann läuft es anders. So war es hinten raus ein bisschen unglücklich.“

Stindl nannte da nicht explizit seinen Abwehrchef bei Borussia, aber die Zusammenfassung passte auch gut auf Matthias Ginter. Der 24-Jährige machte eben ein „gutes Spiel“ und er war nahe dran am vielleicht entscheidenden 2:0 – sein Schuss nach einer abgefälschten Ecke wurde von Frankreichs Benjamin Pavard noch so stark geblockt, dass Torwart Hugo Lloris ihn zur Ecke klären konnte. Eine zweite Chance, diesmal per Kopf nach einer Ecke, setzte Ginter ebenfalls noch vor der Pause zu hoch an. Nach der Niederlage postete er in der Nacht noch zwei Bilder bei Instagram von der Partie in Paris und schrieb darunter: „Gute Arbeit heute, leider nicht das beste Ergebnis.“

Dennoch – Borussias Abwehrchef machte einen sehr stabilen, umsichtigen Eindruck, beteiligte sich am Spielaufbau und drosselte auch mal mit einem Rückpass zu Torwart Manuel Neuer das Tempo, wenn es vor ihm keinen Raum für ein sinnvolles Anspiel gab. Die Rolle, die ihm Bundestrainer Joachim Löw im DFB-Team zugedacht hat, ist anders als im Verein nicht die des Innenverteidigers, sondern die eines rechten Verteidigers in einer Dreierkette. Dabei kommt ihm seine Schnelligkeit und Übersicht zugute, letztere hat er beispielsweise in Gladbach auch immer wieder mit sehr genauen Flügelwechseln unter Beweis gestellt. Ginter selbst beschreibt seine Rolle in der Nationalmannschaft so: „Die Priorität hat die Defensive. Ich versuche aber immer wieder, ob jetzt als Innen- oder Außenverteidiger, auch offensiv im Spielaufbau Akzente zu setzen. Im Grunde genommen kenne ich die Position ja noch aus meiner Dortmunder Zeit.“

Zu Borussia war er gekommen, um eine feste Position einzunehmen und vor allem nicht mehr die etwas ungeliebte des Sechsers vor der Abwehr zu bekleiden. In seinem zweiten Jahr ist er der unumstrittene Abwehrchef im Zentrum der Gladbacher Defensive, hat erneut alle Spiele über die volle Distanz absolviert und auch bereits einmal getroffen. In der Vorsaison hatte er nach 34 Spieltagen fünf Bundesligatore und zwei Assists beisammen. Auf einen Treffer für die Nationalmannschaft muss er bislang noch warten, in seinem 22. Länderspiel war er am Dienstagabend immerhin nahe dran.

Debütiert hat Ginter bereits im März 2014 noch als Defensivkraft des SC Freiburg – bei dem Borussia am Freitag, 26. Oktober antritt – im Alter von 20 Jahren. Er ist damit einer der zahlreichen Akteure, die Bundestrainer Joachim Löw in die Nationalelf geholt hat. Doch in Gladbach hat er sich zum Abwehrchef entwickelt und ist nun mehr und mehr dabei, das auch im Trikot des DFB zu werden.

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