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Borussia Mönchengladbach: Matthias Ginter ist Marco Roses Quarterback

Abwehrchef wertvoll für die Offensive : Matthias Ginter ist Borussias Quarterback

Matthias Ginter hat mit einem langen Pass das 2:0 in Frankfurt eingeleitet. Seine Spieleröffnungen sind eine Waffe bei Borussia. Auf diese Art könnte auch Bayer Leverkusen am Samstag zu knacken sein.

In den Wochen vor Borussias erstem Spiel nach dem Restart in Frankfurt (3:1) hatten Highlight-Sendungen der bisherigen Partien in der Bundesliga Hochkonjunktur im Fernsehen. Oft waren die Szenen des letzten Spieltags zu sehen, bei dem Gladbach wenige Tage vor dem Nachhol-Derby gegen Köln (2:1) zu Hause auf Borussia Dortmund traf und 1:2 verlor. Eine Aktion, die dort präsentiert wurde war eine Chance von Alassane Plea. Matthias Ginter schlug einen Diagonalball über 47 Meter auf Ramy Bensebaini, der nach einem kurzen Solo auf Plea flankte, der an BVB-Keeper Roman Bürki scheiterte. Diese Szene wiederholte sich Frankfurt nahezu – nur mit besserem Ausgang.

In der siebten Minute schlug erneut Ginter den langen Pass auf Bensebaini, der den Ball hereinbrachte. In der Mitte war diesmal Marcus Thuram zur Stelle, der aus wenigen Metern das 2:0 erzielte. Man sieht also: Dieser Spielzug hat Methode bei Borussia, er ist einstudiert. Und er funktioniert immer besser.

Ginter ist dabei der Startpunkt. Er ist schon lange nicht nur der Abwehrchef, der enorm wichtig für Defensive der Borussen ist, sondern er spielt auch eine große Rolle für die Offensivabteilung des Teams. Immer wieder streut er seine punktgenauen Diagonalbälle ein, besonders wenn Bensebaini auf der linken Seite agiert. Der Ablauf ist dabei immer ähnlich: Ginter führt den Ball, der linke Außenstürmer, meistens Thuram, zieht mit dessen Gegenspieler im Schlepptau in die Mitte, in den gewonnenen Raum startet Bensebaini, der von Ginter bedient wird. Es muss aber nicht die Diagonale sein, sondern kann auch der direkte Weg sein. Gegen Bremen (3:1) spielte er den langen Ball auf Thuram, der für Patrick Herrmann das 2:0 auflegte.

Der Nationalspieler ist sozusagen Borussias Quarterback. Er entscheidet, ob er die kurzen Varianten, etwa den Rückpass zum Torwart, den Querpass zum zweiten Innenverteidiger oder rechten Abwehrmann sowie den Kurzpass ins zentrale Mittelfeld, wählt oder eben den langen Ball. Wie die Teams im American Football kann Gladbach variieren zwischen verschiedenen Spielzügen – weil Ginter die Diagonalpässe beherrscht und seine Kollegen damit umgehen können.

„Ich bin mir bewusst, dass das nicht das erste Mal war, dass wir so erfolgreich waren, daher ist das eine gute Waffe für uns“, sagte Marco Rose nach dem Sieg in Frankfurt. Aufgrund der Tatsache, dass dieses Spiel vor leeren Rängen stattfand, war auch zu hören, dass ihm die Aktion von Ginter sehr gefallen hat. „Geiler Ball, Matze“, kommentierte Rose, als sich die Mannschaften zum Wieder-Anstoß der Frankfurter bereit machten. „Wenn keine Räume im Zentrum vorhanden sind, ist es die richtige Lösung, das Spiel auf diese Weise zu verlagern, man hat gesehen, dass das zum Erfolg führen kann. Ich bin froh, dass ich ein Team beisammen habe, dass die Technik hat, um solche Bälle zu spielen und zu verwerten“, sagte Rose.

Auch am kommenden Samstag beim Spiel gegen Champions-League-Konkurrent Bayer Leverkusen (15.30 Uhr) könnten Ginters Quarterback-Fähigkeiten eine Rolle spielen. Das Team von Trainer Peter Bosz agiert mit Außenverteidigern, die ihre Stärken im Offensivbereich haben. Entsprechend ausgerichtet ist das Spiel der Leverkusener, das mit den langen Bällen ausgehebelt werden kann.

Wie anfällig Bayer über die Außen ist, zeigte übrigens auch schon das Hinspiel. Beim 2:1-Erfolg der Borussen gingen den Toren Angriffe über die rechte Seite voraus. Da konnte Gladbach den aktuellen Fünften der Bundesliga mit Kurzpässen und Dribblings knacken. Borussia hat also ein eine Menge Optionen im Angebot. Darüber, welches Mittel zu welchem Zeitpunkt am Samstag gegen Leverkusen den Erfolg bringen soll, wird vor allem auch Borussias Quarterback Ginter entscheiden.