Borussia Mönchengladbach: Matthias Ginter im Interview

Borussias Ginter im Interview : „Unser Spiel ist nicht mehr so lethargisch“

Matthias Ginter spricht im ersten Teil des exklusiven Interviews über seine neue Rolle im Nationalteam und sagt, was sich bei Borussia Mönchengladbach zum Guten verändert hat.

Matthias Ginter sitzt in der Business-Lounge des Borussia-Parks. Um ihn herum erzählen riesige schwarz-weiße Bilder die Geschichte seines Arbeitgebers Borussia Mönchengladbach. Ginter ist seit einem Jahr in Gladbach und will als Abwehrchef dazu beitragen, dieser Geschichte neue, schöne Kapitel hinzuzufügen. Auch beim Neustart des DFB-Teams nach der WM spielt der 24-Jährige eine Rolle.

Herr Ginter, sind Sie ein Gesicht des Neuanfangs beim DFB? Haben Sie persönlich vom schlechten Abschneiden bei der WM profitiert?

Ginter Ich tue mich schwer, das zu sagen. Ich bin seit 2014 in der Mannschaft, also schon ein paar Jährchen. Neben der WM in Brasilien durfte ich ja auch am Confed-Cup und den Olympischen Spielen teilnehmen. Nichtsdestotrotz war es für mich eine besondere Ehre, die Länderspiele nach Russland bestreiten zu können, weil die Fans zurecht eine Reaktion erwartet haben. Ich finde, dass wir es auch ganz gut gemacht haben. Nächste Woche wollen wir den nächsten Schritt machen.

Sie sind bei Joachim Löw jetzt rechter Verteidiger. Das wollten Sie eigentlich nicht mehr sein, sondern Innenverteidiger.

Ginter (lacht) Ich bin ja nach Gladbach gekommen, um eine feste Position zu haben. Und ich wollte vor allem kein Sechser mehr sein. Die Unterschiede, ob man in der Viererkette innen rechts, in der Dreierkette halbrechts oder rechter Verteidiger spielt, sind nicht so groß. Es war auch ganz schön mal wieder da zu spielen, vor allem, weil man seinen Offensivdrang ausleben kann.

Haben Sie trotzdem darüber nachgedacht, bei Borussia in der Viererkette von innen nach außen zu wechseln?

Ginter Dieter Hecking kennt ja die Situation, weiß auch, wie ich als Rechtsverteidiger in Dortmund und der Nationalmannschaft gespielt habe. Wenn ich Gladbach-Trainer wäre, würde ich mich aufgrund der Kaderzusammenstellung aber auch als Innenverteidiger aufstellen. Wir haben ja im Sommer einen Innenverteidiger abgegeben und einen Rechtsverteidiger geholt.

Am Samstag in München treffen Sie auf alle die, die im Nationalteam Innenverteidiger sind: Boateng, Hummels, Süle. Ist das Spiel bei den Bayern für Sie auch eine Art Konkurrenzkampf?

Ginter Im Nationalteam sieht mich der Bundestrainer ja eher als Rechtsverteidiger. Außerdem geht es in dem Spiel nicht um Einzelne, sondern darum, als Mannschaft eine gute Leistung abzurufen und zu zeigen, dass wir dort mithalten können.

Vergangene Saison hat das 30 Minuten lang geklappt, dann gab es fünf Gegentore. Das tat weh als Verteidiger, oder?

Ginter Nicht nur als Verteidiger tut ein 1:5 weh. Nach der 1:0-Führung wurde der Druck immer größer und eins hat dann zum anderen geführt. Dann haben wir uns, leider nicht zum ersten Mal in der zurückliegenden Saison, auseinandernehmen lassen. Aber auch aus solchen schmerzlichen Erfahrungen kann man etwas lernen.

Was?

Ginter Wichtig ist, dass wir unseren Plan durchziehen und als Mannschaft zusammenbleiben.

Sie haben nach dem 3:3 gegen Hoffenheim in der vergangenen Saison angemerkt, dass der eine oder andere vielleicht etwas professioneller arbeiten könnte. Hat sich das geändert?

Ginter Es hat sich viel verändert. Ich will nicht sagen, dass ich das angeschoben habe. Aber schon als ich nach dem WM-Urlaub im Trainingslager am Tegernsee ankam, habe ich gemerkt, dass ein ganz anderer Zug da ist. Auch im Team hinter dem Team hat es einige Veränderungen gegeben. Ich glaube schon, dass uns das gut tut. Man merkt es auch auf dem Platz: Das Spiel ist nicht mehr so zäh und lethargisch wie manchmal in der vergangenen Saison, weil wir auch ein neues Spielsystem haben. Ich bin mir sicher, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Ist es eine neue Borussia?

Ginter Neu würde ich nicht sagen, sondern eher, dass wir uns weiterentwickelt haben. Verschiedene Dinge wurden verändert, die uns gut tun. Es sind die richtigen Schlüsse aus der vergangenen Saison gezogen worden.

Was wäre für Sie persönlich der nächste Schritt?

Ginter (grinst) Sechs Tore zu machen (Anm. d. Redaktion: vergangene Saison erzielte Ginter erstmals fünf Tore) und Kapitän zu werden?! Spaß beiseite: Ich betrachte generell jeden Tag einzeln und versuche jeden Tag ein bisschen voranzukommen, technisch, taktisch, physisch, psychisch, es gibt so viele Dinge. Daher setze ich mir eher sehr, sehr kurzfristige Ziele als langfristige. Die kommen dann von allein.

Dennoch: Sie haben doch einen Karriereplan, oder?

Ginter Nein, ehrlich gesagt nicht. Und ich hatte noch nie einen. Ich denke auch nicht, dass das wirklich geht. Es kann jeden Tag etwas passieren: Man verletzt sich, der Trainer wechselt, der neue Trainer setzt nicht auf dich – dann ist der Karriereplan im Eimer. Ich versuche immer bei mir zu bleiben und weiterzukommen.

Sie sprachen davon, Kapitän zu werden …

Ginter … im Scherz.

Trotzdem: Warum ist der einzige aktuelle deutsche Nationalspieler in Gladbach nicht zumindest Vize-Kapitän oder im Mannschaftsrat?

Ginter Der Mannschaftsrat wurde gewählt.

Haben Sie keine Freunde im Team?

Ginter (lacht) Natürlich habe ich Freunde im Team. Aber ich bin außerhalb des Platzes nicht so der Lautsprecher, gerade auch, wenn es um Dinge außerhalb des Fußballs geht. Und wir haben viele Spieler, die doch einige Jahre länger im Klub sind. Die kennen den Verein besser und können ihn an der Stelle besser vertreten.

Thomas Grulke und Karsten Kellermann führten das Gespräch.

Den zweiten Teil des Interviews finden Sie hier.

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