1. Sport
  2. Fußball
  3. Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach: Marcus Thuram könnte noch mehr Mittelstürmer sein

Check des Offensivpersonals : So viel Mittelstürmer steckt in Borussias Kader

Die Nummer 9 ist im Kader der Borussen nicht vergeben. Aber es gibt einige Kandidaten für die Neuner-Position, also die des Mittelstürmers. Wir schauen auf ihre Stärken.

Vier Jahre sind es schon. Seit vier Jahren ist eine der klassischen Rückennummern des Fußballs bei Borussia nicht vergeben: die 9! Josip Drmic trug sie zuletzt in der Saison 2016/17, seither ist die Zahl, die üblicherweise den Mittelstürmer ausweist, vakant in Mönchengladbach.

Nun haben Experten wie die Ex-Borussen Berti Vogts und Winfried Schäfer zuletzt grundsätzlich einen Mangel an echten Mittelstürmern im Lande ausgemacht. Und das, obwohl der aktuelle Fußball eigentlich wieder weit mehr auf Strafraum-Action setzt als zu den Hochzeiten des Tiki-Taka.

Diesen Trend gibt es auch in Gladbach definitiv, spätestens seit 2018, als der damalige Trainer Dieter  Hecking auf das 4-3-3-System umstellte, nachdem seine Vorgänger Lucien Favre und André Schubert am liebsten mit zwei bis drei Hybriden aus offensivem Mittelfeldspieler und hängender Spitze spielen ließen. Alassane Plea wurde 2018 für 23 Millionen Euro gekauft, es wurde also richtig in das Berufsbild „Mittelstürmer“ investiert. 2019 kam Breel Embolo für zehn Millionen Euro dazu, auch er hat als Hauptposition das „MS“ für Mittelstürmer im Profil stehen.

Plea ist eher die spielende Variante dieses Typus, er kann auch ein Ballverteiler sein, sein größter Vorzug ist aber die Abschluss-Qualität. Wie genau Plea arbeitet, belegt seine Expected-Goals-Bilanz: 5,51 Tore hätte er laut der Statistik, die sich an der Qualität der Chancen orientiert, machen müssen, sechs sind es geworden. Heißt: Plea ist extrem effizient vor dem Tor: Hat er eine große Chance, trifft er.

Embolo, der mehr der Mittelstürmer vom Typ Brecher ist, hat hingegen genau da das größte Defizit: Seine fünf Saisontore sind satte 2,53 zu wenig, gemessen an den Chancen, die sich boten. Vor allem gegen Augsburg und Hoffenheim fallen dem geneigten Betrachter reichlich Situationen ein, die das belegen. Doch Emolo erarbeitet sich immer wieder diese Situationen, das ist sein Plus, während Plea eher phlegmatisch wirkt, ist Embolo ein ständiger Unruheherd und unberechenbar, weil er nie aufgibt. Arbeitet er an seiner Konzentration und somit an der Präzision, wird er in der neuen Saison einen wichtigen Schritt nach vorn machen.

  • Heiko Vogel⇥Foto: Heiko van der Velden
    Borussias Regionalliga-Team : Jetzt bekommt auch Heiko Vogel einen wie Ramy Bensebaini
  • Seit drei Jahren in Gladbach: Alassane
    Borussias Stürmer : Verabschiedet sich Plea mit seiner schwächsten Saison?
  • Bereiten sich mit der deutschen Mannschaft
    Vom Trainingslager bis zu den Gruppenspielen : Das ist der Fahrplan aller EM-Borussen

Über die beiden „echten“ Mittelstürmer hinaus gibt es aber weiteres Neuner-Potenzial im Gladbacher Kader, insgesamt ist es ein Quintett, das für die Neun infrage kommt.

Vor allem ist da Lars Stindl, Gladbachs bester Torschütze der vergangenen Saison. Stindl ist vor allem ein Zehner, doch er hat alle Talente, die ein Mittelstürmer braucht: ein Gespür für die Situation im Strafraum, eine extrem kurze Reaktionszeit und viel Genauigkeit beim Schuss.

Der frühere Nationalstürmer Oliver Neuville rät grundsätzlich dazu, die Innenseite in der Nah-Distanz vor dem Tor zu nutzen, um dem Torwart keine Chance zu lassen. Stindl beherrscht diese Schusstechnik wie kaum einer in der Bundesliga. Vor allem kann er auch aus keiner guten Chance ein Tor machen, wie sein Expected-Goals-Wert zeigt: Da steht ein Plus von 4,79 zu Buche. Stindl braucht wenig für viel.

Leicht überperformt hat in Sachen Trefferquote auch Hannes Wolf. Dreimal traf er, zweimal wäre anhand der zu erwartenden Tore „normal“ gewesen. Das spricht für die Abschlussqualität des Österreichers, der wie Stindl eher von der Zehn aus agiert, doch ist durchaus vorstellbar, dass auch er künftig ein bisschen mehr Mittelstürmer wird. In Salzburg hat er den Job schon ab und an gemacht, indes, darauf wies er hin, dann vor allem an der Seite eines wuchtigeren Stürmers. Körperlich müsste Wolf seine Widerstandsfähigkeit noch steigern für die Mann-gegen-Mann-Duelle im Strafraum.

Wuchtig, umtriebig und technisch versiert ist Marcus Thuram. Er hat zudem die Effizienz von Plea (acht Tore bei 7,58 zu erwartenden Toren). Der künftige Ex-Trainer Marco Rose zog Thuram öfter ins offensive Zentrum, in 14 von 40 Pflichtspielen. Es tut ihm gut, weil der Weg zum Tor direkter ist: immerhin vier seiner elf Saisontore erzielte er als zentraler Stürmer.

Sollte Plea im Sommer den Arbeitgeber wechseln, wäre EM-Fahrer Thuram, so er sich nicht auch neu orientiert (Paris Saint Germain soll nun auch Interesse haben am Sohn von Frankreichs Rekordnationalspieler Lilian Thuram), wohl die Nummer eins im künftigen Neuner-Ranking in Gladbach. Wie bei allen Mittelstürmer-Anwärtern ist indes sein Kopfballspiel ausbaufähig. An der Stelle könnte Max Eberl vorn noch einen neuen Akzent setzen mit einem Fachmann in dieser Disziplin.