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Borussia Mönchengladbach: Marcus Thuram ist nicht nur sportlich ein Gewinn

Kniefall und „Kosmopolit“ : Borussias Thuram überzeugt mit Toren und Gesten

Borussias Offensivmann aus Frankreich hat im Mai gegen Union Berlin viele seiner Qualitäten gezeigt: Als Torschütze und „Kosmopolit“, wie ihn Manager Max Eberl nennt. Nun könnte Marcus Thuram gegen die „Eisernen“ sein Startelf-Comeback feiern.

Typische Bilder von Marcus Thuram? Sie zeigen ihn mit seinem breiten, fröhlichen Lächeln. Borussias Franzose ist einer aus der Spaßfraktion im Team, einer, der mit seiner gute Laune ansteckt. Das zeigen diese Fotos.

Und dann sind da natürlich die Bilder von Gladbachs Offensivmann mit diversen Eckfahnen, die er in die Luft reckt. Angefangen hat er damit in Köln, nachdem Borussia in der vergangenen Saison das Derby gewonnen hatte durch das Tor von Alassane Plea. Danach ist die Geste mit der Eckfahne zum Symbolbild für Borussias Erfolg in der vergangenen Saison geworden. Kommende Woche geht es wieder nach Köln, die Borussia würde da natürlich liebend gern den Kreis schließen und erneut den Eckfahnenjubel aufführen.

Thurams Kniefall gegen Union Berlin war für die Hands of God ein ikonisches Bild der vergangenen Saison. Foto: Js/Hand of god

Dass er jedes Mal ein Trikot eines Kollegen anfordert, um es zu „hissen“, sollte man nicht unterschlagen, denn das belegt die große menschliche Kompetenz des jungen Mannes, dessen Vater der französische Welt- und Europameister Lilian Thuram ist. Thuram junior sucht sich Teamkameraden aus, die im jeweiligen Spiel eine besondere Rolle gespielt haben. Oder für die es eine besondere Bedeutung hatte.

Der Beleg für die These, dass Thuram Borussia nicht nur sportlich, sondern auch menschlich bereichert hat, ist vor allem jedoch das Spiel gegen den kommenden Gegner, Union Berlin, in der vergangenen Saison. Zweimal traf Thuram beim 4:1-Sieg und war somit einmal mehr federführend an drei wichtigen Punkten beteiligt.

Doch war da auch seine Geste nach dem zweiten Treffer: Er kniete nieder wie es der US-Football-Star Colin Kaepernick tat, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. In der Woche darauf übernahm die Bundesliga Thurams Geste. Sie war es, die dem ersten Heimspiel gegen Union überhaupt eine außergewöhnliche Note verlieh. Die Berliner Agentur Hands of God hat aus der Geste eine Illustration gemacht und mit dem Erlös die Amadeu-Antonio-Stfitung unterstützt, die sich gegen Rassismus einsetzt.

„In erster Linie holen wir natürlich Spieler, von denen wir glauben, dass sie zu uns passen. Aber wir haben Marcus als jungen Kosmopolit kennengelernt, der in Italien geboren ist, in Frankreich gelebt hat, durch seinen Vater Lilian die Welt kennengelernt und sehr viel Soziales mitbekommen hat. Es ist schön, wenn man meinungsstarke Spieler hat, die zum richtigen Zeitpunkt das Gefühl haben, sich für eine Sache einsetzen zu müssen. Und die Aktion von Marcus war gut. Der Fußball hat die Möglichkeit, Statements abzugeben. Und wenn Spieler so eine Meinung haben, freut einen das sehr“, sagte Eberl über Thuram und seine Aktion am 31. Mai.

Trainer Marco Rose freut es indes, dass Thuram nach seiner Sprunggelenkverletzung, die er sich Mitte Juni beim 1:2 in München zugezogen hatte, wieder einsatzbereit ist. Thuram feierte am vergangenen Spieltag in Dortmund ein 33-Minuten-Comeback, bei dem er aber an der 0:3-Niederlage nichts ändern konnte. Dass die Wucht mit der der 192-Zentimeter-Kerl unterwegs ist, den Gladbachern fehlte, war ersichtlich. Thuram ist ein Unterschiedsspieler mit seiner Art, seinem Speed und seiner Präsenz. Rose will ihn, wie auch seinen Kumpel und Sturmpartner Alassane Plea, den Borussen mit der wohl größten Coolness vor dem gegnerischen Tor, weiter über Einsätze aufbauen. „Beide haben jetzt eine Trainingswoche mehr. Trotzdem befinden wir uns in einem Prozess, bei dem wir über Re-Integration reden. Aber sie sind auf jeden Fall ein Stück weiter“, sagte Rose.

Thuram, der auch schon im DFB-Pokal gegen Oberneuland gut eine halbe Stunde mitmachte, könnte gegen Union möglicherweise sein Startelf-Debüt in der Saison 2020/21 feiern. Er wird lächelnd zur Arbeit schreiten, denn er liebt seinen Job. Und vielleicht gibt es nach dem Abpfiff dann auch wieder ein typisches Thuram-Bild zu sehen für die rund 10.000 Fans, die dabei sein werden: seinen Eckfahnenjubel.