Borussia Mönchengladbach: Marco Roses Team fehlten Konsequenz und Effizienz

Analyse nach Borussias Aus : Das sind die Gründe für das Scheitern in der Europa League

Gegen Basaksehir FK blieb Borussia das Glück verwehrt, das sie häufig schon hatte in der Europa League. Auf internationalem Terrain fehlten dem Team von Marco Rose vor allem Konsequenz und Effektivität.

Es lief die Nachspielzeit, als Patrick Herrmann den Ball in den Strafraum von Basaksehir FK flankte und das Spielgerät dann von der Stirn Marcus Thurams auf das gegnerische Tor zuflog. Beim 1:1 im Hinspiel hatte Herrmann selbst getroffen, als die offizielle Spielzeit abgelaufen war, in Rom war es Lars Stindl gewesen und beim Rückspiel gegen die Roma Thuram, auch da per Kopf. Es wäre die Fortführung der verrückten Geschichte von Borussia und der Nachspielzeit gewesen, wenn Thuram erneut erfolgreich gewesen wäre in der Szene. Doch alles blieb im Konjunktiv. Der Ball prallte an den Pfosten. Die Nachspielzeit-Story setzte sich gegen Basaksehir dennoch fort. Aus Borussen-Sicht allerdings in absurder Weise, denn Enzo Crivelli erzielte das 2:1-Siegtor eine Minute nach Ablauf der regulären Spielzeit.

Wenige Zentimeter trennten Thuram kurz darauf vom erneuten Heldentum, es wäre mal wieder das Spiel des Franzosen gewesen, hatte er zuvor doch das 1:0 erzielt, da nach der Flanke von Stefan Lainer. Doch Thurams Helden-Epos blieb unvollendet. Schon im DFB-Pokal bei Borussia Dortmund hatte er für die Führung gesorgt, die dann aber nicht gereicht hatte, auch da bedeutete ein 1:2 das Aus.

Was gegen Basaksehir fehlte, war die Konsequenz. Im Angriff produzierten die Borussen trotz des schleppenden Spiels 18 Torschüsse, gerade nach der Pause waren auch richtig dicke Chancen dabei. Herrmann und Alassane Plea ließen die besten ungenutzt, vor allem die Gelegenheit des Franzosen war beachtlich, doch platzierte er den Abschluss zu mittig. Zudem fehlte die defensive Konsequenz: Beim 1:1 gab es einen leichten Ballverlust, dann fehlte jeder Zugriff – auch bei Keeper Yann Sommer. Und beim 1:2 gab es erneut ein Gegentor im Anschluss an einen Standard. Es wurde, monierte Rose, nicht mannorientiert gedeckt. Crivelli bedankte sich.

Ein Tor im Schnitt haben die Gladbacher in den sechs Europa-League-Spielen erzielt, das ist eine dünne Quote für eine Mannschaft, deren Ausrichtung konsequent offensiv ist. 86 Schüsse in die Richtung des gegnerischen Tors haben die Borussen in der Europa-League-Saison produziert, das ist, zusammen mit Espanyol Barcelona, der zehntbeste Wert. Im Schnitt 14,22 Schüsse pro Spiel sind eigentlich genug, um mehr als einmal pro Spiel zu treffen. Basaksehir zum Beispiel kommt auf rund 23 Versuche weniger, versuchte es 10,67-mal im Schnitt. Doch die Präzision ist entscheidend, und da haperte es bei Borussia. Nur 26 der 86 Schüsse gingen auf das Tor. Basaksehir kommt zwar nur auf 24, doch bei deutlich weniger Versuchen (insgesamt 64).

Zu wenig Konsequenz hinten und vorn, zu wenig Effektivität und Präzision im Abschluss – und am Ende kam auch noch das Pech hinzu beim Pfostenschuss von Thuram. Doch wiegt man Glück und Pech auf, so dürfen die Borussen nicht hadern nach zuvor drei Last-Minute-Toren, die insgesamt vier Punkte und das Team von Marco Rose überhaupt in die Position brachten, auf die Zwischenrunde hoffen zu dürfen. Ohne die Nachspielzeit hätten die Gladbacher vier Zähler gehabt und wären vorzeitig draußen gewesen.

So konterkarierten Crivellis Tor und der Pfostentreffer Thurams all das, was zuvor passiert war während der Nachspielzeiten in Istanbul sowie in und gegen Rom. Das Schicksal wendete sich im entscheidenden Moment gegen die Borussen.  Das entbehrt nicht einer gewissen Tragik. Doch wie sie vorher das Glück erzwungen haben, so haben sie vielleicht dieses Mal ein paar Prozent zu wenig investiert, um es sich zu verdienen.