Borussia Mönchengladbach: Marco Rose wünscht sich gegen Basaksehir FK Zeichen für weltoffenes Europa

Nach Fan-Schikane im Hinspiel : Borussia-Trainer Rose wünscht sich Zeichen für ein weltoffenes Europa

Borussia-Fans haben keine guten Erinnerungen an den Europa-League-Trip nach Istanbul. Marco Rose plädiert dafür, auf die Schikanen im Hinspiel mit versöhnlichen Gesten und gelebter Weltoffenheit zu antworten.

Die Rückennummer 12 wird bei Borussias Europa-League-Gegner Basaksehir FK nicht mehr vergeben. Als Beleg einer ausgeprägten Fankultur sollte man diese Symbolik jedoch nicht missverstehen: Basaksehirs „zwölfter Mann“ ist Recep Tayyip Erdogan. Der türkische Staatspräsident ist eng mit dem Klub verbandelt, nach eigenen Angaben soll er bei der Gründung 1990 eine entscheidende Rolle gespielt haben. Seit Erdogan bei der Einweihung des neuen Stadions vor gut zwei Jahren die 12 trug, ist sie ihm vorbehalten.

Was Fankultur im herkömmlichen Sinne angeht, hat Basaksehir indes Nachholbedarf. Seit dem letzten Aufstieg 2014 zählt der Klub zum Inventar der Spitzengruppe in der Süper Lig. An Zuschauerzahlen lässt sich das allerdings schwer ablesen: Gut 3.000 Zuschauer besuchen durchschnittlich die Heimspiele in der türkischen Eliteklasse. Dass die Gäste aus Mönchengladbach zum Hinspiel stolze 1.400 zahlende Zuschauer mitbrachten, wurde ihnen allerdings nicht gedankt. Mit Bussen wurden die Gäste ins Stadion verfrachtet, Fahnen, auf denen das Wort „Ultras“ zu lesen oder christliche Symbole zu erkennen waren, durften nicht mit rein. Das erwies sich vor allem deshalb als ungünstig, weil im Stadtwappen Mönchengladbachs ein Kreuz abgebildet ist.

Max Eberl verzichtete unter dem Eindruck des rigorosen Auftretens der türkischen Ordnungshüter anschließend auf diplomatische Schnörkel. „Das sind Dinge, die verurteile ich aufs Schärfste. So kenne ich die Türkei nicht, ich kenne die Menschen in der Türkei anders, es sind nette und höfliche Menschen. Das hier ist aber Polizeidiktatur, wenn ich das so sagen darf“, sagte Borussias Sportdirektor.

Vor dem Rückspiel am Donnerstag in Mönchengladbach (21 Uhr RTL/DAZN) schlagen die Verantwortlichen der Borussen jedoch versöhnliche Töne an. Angesprochen auf die Vorfälle im Hinspiel Anfang Oktober antwortete Trainer Marco Rose: „Wir sollten hier zeigen, alle zusammen, und zwar die Leute, die aus der Türkei da sind und wir Deutschen, dass wir ein sehr weltoffenes Europa sind und zusammengehören, und die Dinge dann auch vergessen machen.“

Rose konnte persönlich schließlich auch von keinen schlechten Erfahrungen in der Türkei berichten. „Dass Dinge passiert sind, die nicht so schön sind, die sich nicht gehören, ist völlig klar“, betonte der 43-Jährige. Er selbst und sein Team seien jedoch sehr freundlich aufgenommen worden.

Rückstandslos aufgearbeitet scheinen die Ereignisse aus dem Hinspiel aber noch nicht zu sein. Ein Medienvertreter aus der Türkei meldete sich auf der Pressekonferenz und wollte wissen, was genau denn damals eigentlich vorgefallen sein soll. Das konnte im Vorfeld der Partie noch aufgeklärt werden. Einig dürften sich jedoch alle in ihrem Wunsch sein, dass es nach dem Rückspiel keine weiteren Zwischenfälle zu diskutieren gibt.

(ako)