Borussia Mönchengladbach: Marco Rose will taktisch flexibel sein

Borussias System : Rose will auch mal weg von der Raute

Marco Rose hat eine Kern-Grundordnung. In der muss er für den einen oder anderen Spieler die richtige Position finden. Die Profis müssen also flexibel sein. Aber Borussias Trainer will seine Mannschaft auch taktisch breit aufstellen.

Marco Rose fand, dass Raffael genau der Richtige sei für den Moment. Der „Maestro“ ist kreativ, kann den letzten Pass spielen, kann Tore machen. Gerade in diesen Disziplinen taten sich die Borussen schwer im Auftaktspiel gegen Schalke 04. Tatsächlich hatte Raffael noch eine der besten Chancen seines Teams, doch Torwart Alexander Nübel verhinderte den sechsten Treffer Raffaels gegen Schalke insgesamt und es blieb beim 0:0. Doch was auch zu sehen war: Raffael gab dem Spiel ganz vorn eine gewisse Ordnung in den knapp 13 Minuten, die er auf dem Platz war, mehr Ruhe.

Das war auch der Auftrag, den Fabian Johnson hatte, als er nach 63 Minuten für Florian Neuhaus ins Spiel kam. Der US-Amerikaner ist ein Mann, den Manager Max Eberl als „Strukturspieler“ einsortiert hat, einen also, der taktisch beschlagen ist und ein Spiel temperieren kann. So kam Johnson dann in die Auftaktpartie der Saison gegen den FC Schalke 04, in der es im Zentrum der Borussen recht wild zuging, um das Spiel in der Schlussphase zu beruhigen, um aus dieser Ruhe heraus vielleicht doch noch zum Sieg zu kommen.

Wofür Johnson auch steht, ist Flexibilität. Was hat er nicht schon alles gespielt in den fünf Jahren Gladbach: Rechtsaußen, Linksaußen, rechter und linker Verteidiger, mal in der Viererkette, mal vorgezogen im 3-5-2-System, auch Stürmer war er schon. Auch für Rose ist Johnson „unsere Allzweckwaffe“: „Im 4-3-3 offensiv beide Positionen, Außenverteidiger, jetzt haben wir gesehen, dass er in der Raute auf der Acht spielen kann. Da freue ich mich, dass wir so einen Spieler haben. Er ist einfach ein guter Fußballer, ist beidfüßig und hat Tempo. Das sollte für einen Trainer eine gute Personalie sein“, sagte Rose.

Die „Rose-isierung“ des Gladbacher Fußballs findet auf zwei Ebenen statt: Im Kopf der Spieler und taktisch. Zunächst, unabhängig vom System, müssen die Borussen, die den vergleichsweise körperlosen Ballbesitzfußball der vergangenen Jahre gewohnt sind, umdenken, was die Intensität des Spiels angeht: Zweikämpfe sind nicht nur erlaubt, sondern gewünscht und ein Teil des Plans. Pressing als Prinzip und nicht als Momentaufnahme, aktiv nach vorn Verteidigen, Action statt Abwarten. Das ist der neue Ansatz, von dem Sportdirektor Max Eberl spricht – es kommt zu allem Hinterlegten im Team neu dazu.

Johnson personifiziert derweil mit seiner Vielseitigkeit, dass im Kader der Borussen viele Varianten stecken. Das flache 4-4-2 mit zwei Sechser und Außenbahnspielern, das 4-2-3-1 mit einer Spitze, das Spiel mit einer defensiven Dreierkette, das 4-3-3 der vergangenen Saison. Nun kommt Roses Spielidee mit der Raute hinzu. Sie ist ein System, das sehr zentriert ist, weswegen die Außenpositonen, die in den Jahren zuvor ein großes Thema waren, wegfallen. So muss der eine oder andere Spieler unter Rose positionell flexibel sein.

Patrick Herrmann zum Beispiel ist ein klassischer Rechtsaußen, beim neuen Trainer indes ist er zum Pressing-Mann im Zweierangriff geworden. Ibrahima Traoré ist wie Herrmann gelernter Außenstürmer. Er kam gegen Schalke wie Johnson und Raffael noch ins Spiel. Er ist einer der Spieler, über die Rose sagt: „In dieser Grundordnung die richtige Position für ein paar Jungs zu finden, wird nicht so einfach, das haben wir auch offen kommuniziert“, sagte Rose. Heißt auch, dass, je rautischer das Borussen-Spiel wird, für sie die Chance zu spielen womöglich geringer ist. Welche Schlüsse mancher daraus zieht, wird sich zeigen. Aber: „Wir werden auch nicht immer Raute spielen“, sagte Rose.

Die Raute  ist, sagte Rose, die Kern-Grundordnung, und „wir sind gerade dabei, uns die zu erarbeiten und Struktur reinzukriegen“. Doch Rose will sein Team auch nicht „jede Woche in die Raute reinpressen“, es gibt Alternativen. „Auch der Trainer muss flexibel sein“, weiß er. Es gehört ja zu seinem Auftrag, Borussia auch systemisch breit aufzustellen. So arbeitet Rose daran, die Raute einerseits zu manifestieren, andererseits aber die größtmögliche Flexibilität zu erreichen. „Wir haben ja in der Vorbereitung auch 4-3-3 und 4-2-3-1 gespielt und werden zeitnah auch die Dreierkette dazu nehmen, auch dafür haben wir die Spieler im Kader“, kündigte der Trainer an.

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