Borussia Mönchengladbach: Marco Rose und Stefan Lainer kennen Wolfsberg genau

Borussias Europa-Start gegen Wolfsberg : Rose und Lainer treffen auf alte Bekannte

Marco Rose arbeitete früher mit dem Trainer des Wolfsberger AC, Gerhard Struber, in Salzburgs Nachwuchsakademie zusammen. Stefan Lainer spielte als Profi schon 19-mal gegen Borussias ersten Europa-League-Gegner.

Als Ashley Cole, der frühere englische Weltklasseverteidiger, am 30. August in Monaco bei der Auslosung der Europa-League-Gruppen Borussia den Wolfsberger AC zukommen ließ, stellte sich bei deren Trainer Marco Rose „kein Kopfkino“ ein. Man hätte Gedanken wie „ausgerechnet die“ vermuten können. Schließlich waren es die Wolfsberger, die Roses Red Bull Salzburg in der vergangenen Spielzeit eine von zwei Saisonniederlagen beigebracht haben. In der Europa League auf einen Klub zu treffen, gegen den man wie Gladbachs Rechtsverteidiger Stefan Lainer schon 19-mal in seiner Profi-Karriere auf nationaler Ebene in Österreich gespielt hat, ist vermutlich auch nicht das ganz große Europa-Flair, das man sich erhofft hat.

Europa ist, so Rose, „die Chance, besondere Abende zu erleben und tolle Geschichten zu schreiben“. Wolfsberg, gab der Trainer zu, sei wohl nicht von dem Kaliber, dass so etwas geschieht. Aber es ist ein Gegner, den „wir auf keinen Fall unterschätzen dürfen“, wie Lainer klarstellte. Borussia ist Favorit und will diese Rolle auch spielen gegen den Klub aus Kärnten, der, so vergleichen Experten aus Österreich, trotz seines dritten Platzes in der Bundesliga des Nachbarlandes in etwa mittleres Zweitliga-Niveau haben dürfte. Wie unangenehm indes solche Gegner sein können, haben die Borussen in der ersten DFB-Pokalrunde beim SV Sandhausen erlebt. Da quälten sie sich zum 1:0-Sieg.

Dass selbst in Österreich immer wieder Menschen von „Wolfsburg“ sprechen, ist zu hören. Weswegen die Wolfsberger ihre Europa-Tour auch nutzen wollen, um ein bisschen Werbung für sich und den Fußball in Österreich zu machen. In den vergangenen Jahren haben das insbesondere Rose, Lainer und die anderen Salzburger getan. „Der WAC ist am Donnerstag auch hier, weil Salzburg so viele Punkte für Österreich geholt hat“, sagte Rose. Er hat, wie Lainer, natürlich verfolgt, wie famos die Salzburger am Dienstag in der Champions League gespielt haben beim 6:2 gegen Genk. In etwa so würde Borussia auch gern einsteigen in die Europa-League-Saison.

Gerhard Struber, der Trainer des Gegners, weiß um das Kräfteverhältnis, das im Borussia-Park herrschen wird. Auf dem Rasen und auf den Tribünen, wo sich vermutlich kaum 300 Fans der Wolfsberger tummeln werden. 11,65 Millionen Euro beträgt der Marktwert des gesamten Wolfsberger Kaders, der von Borussia wird auf 257 Millionen Euro geschätzt. Nur drei deutsche Zweitligisten sind niedriger eingestuft als Wolfsberg, was den Wert des Spielermaterials angeht: der VfL Osnabrück (11,55 Millionen Euro), der SV Wehen Wiesbaden (10,33) und der Karlsruher SC (9,9).

Doch Struber kennt Rose und seinen Ansatz ganz genau. Beide haben in der Nachwuchsakademie von RB Salzburg zusammengearbeitet. Rose ist dann nach seinem Youth-League-Sieg mit der U19 in der Gunst von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz und dem damaligen Manager Ralf Rangnick hochgeschnellt und schließlich zum Cheftrainer bestellt worden. Nun kommt Struber als Herausforderer nach Gladbach. Dass es ein Treffen der alten Bekannten ist, ist für keinen der beiden Kontrahenten von Vor- oder Nachteil, vermutet Rose. „Er kennt mich, ich kenne ihn“, sagte der Borussen-Trainer. Den Schluss, dass Rose und Struber ein ähnlich kumpelhaftes Verhältnis haben wie es Rose mit Schalke-Trainer David Wagner oder vor allem mit dem Mainzer Coach Sandro Schwarz hat, ließen die Worte nicht zu.

Für Rose jedoch ist es letztlich egal, wer der Gegner ist. Gerade gegen vermeintlich Kleinere vermochte er es in Salzburg immer, seine Mannschaft besonders zu motivieren. Fußball ist für ihn eine „Frage der Haltung“. Dies war in der Vergangenheit zuweilen ein Problem bei den Gladbachern. Gegen Große waren sie zu außergewöhnlichen Leistungen imstande, doch wenn es gegen vermeintlich leichtere Gegner ging, war plötzlich der Schlendrian da. Auch das soll Rose ändern. Seine Teams, das hat die Vergangenheit gezeigt, haben nicht alles gewonnen, aber immer das Gefühl vermittelt, alles zu geben.

So waren dann auch einige feine Europa-Erlebnisse mit RB Salzburg möglich. Wie 2017 die Siege in Dortmund und gegen Lazio Rom, als RB Salzburg sozusagen das Frankfurt jener Saison war und es bis ins Halbfinale ging. Oder in der Saison danach die Erfolge gegen RB Leipzig. „Coole Abende“ waren das, befand Lainer, der 2017/2018 ins Europa-League-Allstar-Team gewählt wurde. Wiederholungen sind erwünscht, natürlich, und die Wolfsberger sollen nicht gleich am ersten Europa-Abend der Saison die Gelegenheit haben, der Spielverderber zu sein.

Lainer weiß, was er sich beim nächsten Heimataufenthalt in Salzburg anhören müsste, von den zu erwartenden Spott-SMS ganz zu schweigen. Und dass er sicherlich noch die Rechnung vom 28. April begleichen will, liegt auf der Hand. In Europa wäre die Revanche besonders süß. Ashley Cole macht es möglich.

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