1. Sport
  2. Fußball
  3. Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach: Marco Rose schnauft durch nach 3:2 beim FSV Mainz 05

„Haben immer dran geglaubt“ : Borussia schnauft durch nach dem Kraftakt von Mainz

„Manchmal fühlt sich so ein Sieg besser an als ein 4:0 oder 5:0. Für die Moral waren das sehr drei wichtige Punkte“, sagte Oscar Wendt nach dem 3:2-Erfolg in Mainz. Das Geburtstagskind fasste damit gut die Gefühlslage der Borussen zusammen.

Jonas Hofmann ist derzeit die Effizienz in Person bei Borussia. In Mainz benötigte er diesmal nur 31 Spielminuten für ein Tor und einen Assist. Die beiden Standard-Scorerpunkte – ein Elfmeter und ein Eckball – drehten einen 1:2-Rückstand in einen 3:2-Sieg. Und doch gab es einen Rüffel von Trainer Marco Rose. „Hoffi“, ermahnte der in der Interviewzone des Mainzer Stadions den 28-Jährigen, „beim nächsten Mal ziehst du eine Jacke an. Es wird langsam Winter. Du stehst seit einer Viertelstunde hier draußen und hast geschwitzt.“

Eine Erkältung ihres aktuell Besten wollen die Borussen ungern riskieren. Am Dienstag kommt schon Real Madrid in der Champions League, es wird das dritte Spiel in sieben Tagen, das vierte in elf. Rose wollte zunächst nur aus gesundheitlicher Sicht an dieses Duell denken und bat nach einem aufreibenden Nachmittag bei seinem Ex-Verein in Mainz darum, „mal kurz durchschnaufen“ zu dürfen. Die Bundesliga sei „sehr wichtig, unser täglich Brot“, betonte der Trainer. Mit acht Punkten wird werden die Fohlen am Montagabend, wenn Leverkusen und Augsburg den fünften Spieltag beenden, mindestens auf Platz sieben stehen. Besser waren sie in dieser Saison noch nicht.

Borussia nähert sich den Champions-League-Plätzen an, könnte aber schon wieder mittendrin sein. Doch Roses Team hat bereits vier Punkte nach Führung in der Liga verspielt, so viele wie in der gesamten vergangenen Saison. Und bis zur 75. Minute sah es so aus, als würden die Punkte fünf, sechs und sieben hinzukommen.

Gladbach lag hinten, als die Schlussphase anbrach, obwohl es bereits nach einer Viertelstunde durch Lars Stindl getroffen hatte. „Wir haben Mainz durch Inkonsequenz in Führung gehen lassen“, fasste Rose die Fehler vor den Gegentoren zusammen. Dass sie zu wenig Abstand gehalten hätten im beinahe menschenleeren Mainzer Stadion, konnte man den Borussen nicht vorwerfen.

Bis zur 72. Minute wechselte Rose fünfmal, so früh wie noch nie, seit die Corona-Sonderregel eingeführt wurde. Marcus Thuram, Alassane Plea, Florian Neuhaus, Jonas Hofmann und Hannes Wolf belebten das Spiel, ohne Mainz allzu sehr ins Wackeln zu bringen. Den Ausgleich brachte ein Handelfmeter, erzwungen durch Thuram, verwandelt von Hofmann.

„Wir haben immer dran geglaubt. Ein Auswärtsspiel direkt nach einem Champions-League-Auswärtsspiel ist sehr, sehr schwierig“, sagte Matthias Ginter. Ihm gelang nach Hofmanns Hereingabe das 3:2, eine Co-Produktion der beiden Nationalspieler und Ex-Dortmunder. Vergangene Saison hatte Gladbach nach internationalen Auswärts-Auftritten immer zu Hause auflaufen dürfen und stets gewonnen.

„Leider schaffen wir es weiterhin nicht, konstant zu spielen. Aber wir haben nie aufgegeben, in der zweiten Halbzeit hat man gemerkt, dass wir gewollt haben. Manchmal erzwingst du dein Glück auch“, sagte Hofmann, der in den zehn Minuten nach der erneuten Führung, inklusive Nachspielzeit, einen Lerneffekt erkannte: „Man hat eine Veränderung gesehen im Vergleich zu Mailand, Wolfsburg und Berlin.“ Schließlich hatte Borussia auch bei Inter am Mittwoch kurz vor Schluss geführt und noch den Ausgleich kassiert. Diesmal hielt sie dicht.

Was den Unterschied gemacht hatte in Mainz, drückte Patrick Herrmann salopp aus: „Man muss sich immer wieder aufrappeln. Am Ende haben wir einfach ein Tor mehr gemacht als Mainz.“ Je öfter diese Banalität des Fußballs gelingt, desto weniger schwer werden die Beine. Insofern könnte der Sieg in Mainz ähnlich wichtig sein wie jener im August 2019, der erste unter Rose, ebenfalls ein Kraftakt.