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Borussia Mönchengladbach: Marco Rose sah gegen Leipzig "seinen" Fußball

Borussia-Trainer Rose zufrieden : „So stelle ich mir Fußball vor“

Borussias Trainer fand, dass sein Team beim 1:3 gegen Leipzig „eine Messlatte gelegt hat“. Er sah aber auch vermeidbare Gegentore. Weswegen sein Kollege Julian Nagelsmann mehr Freude am Treffen beider Trainer hatte.

Julian Nagelsmann hatte sich ausgesprochen gefreut auf das erste Aufeinandertreffen mit Borussias neuem Trainer Marco Rose, der wie der Leipziger Übungsleiter als einer der begabtesten Vertreter der jungen deutschen Trainer-Generation gilt. Nagelsmann, 32 Jahre alt und an diesem Abend 3:1-Sieger mit RB, wurde nicht enttäuscht. „Er ist ein smarter Kollege“, befand der Gast und gab zu, von Rose taktisch überrascht worden zu sein. Mit einer Raute habe er gerechnet und mit einem abkippenden Achter, aber nicht mit dem 4-2-3-1, das Rose formierte, und einer „statischen Doppelsechs“: „Wir hatten am Anfang Probleme, hatten es dann aber kompakter hinbekommen und hatten einen besseren Zugriff“, sagte Nagelsmann. „Die Grundordnungen können sich ändern, aber die Art und Weise, wie beide Teams in Zukunft spielen wollen, war schon zu erkennen“, resümierte er.

Nagelsmann und Rose hatten Spaß am Spiel. „Rassig und interessant“ fanden es die Kontrahenten. „Ich habe meinen Jungs in der Kabine gesagt: So stelle ich mir Fußball vor. Es macht Spaß, so ein Spiel zu coachen“, sagte Rose. Indes mit einer Einschränkung: „Das Problem ist: wir haben verloren.“

Das lag zum einen am dreimaligen Leipziger Torschützen Timo Werner, zum anderen aber auch daran, dass die Borussen bei den ersten beiden Gegentoren nicht ganz bei der Sache waren. Das 0:1 war, merkte Rose an, „ein Tor, was zu verteidigen gewesen wäre“. Und auch zwei Minuten nach der Pause „haben wir ein vermeidbares Gegentor bekommen“. In der Szene verlor Fabian Johnson, dieses Mal von Rose in der Dreiereihe im offensiven Mittelfeld aufgeboten, den Ball, daraus entwickelte sich der Angriff, den Werner eiskalt abschloss.

Rose hatte „insgesamt ein gutes Spiel“ seines Team gesehen, eines, in dem „die Messlatte gelegt wurde, für das, was wir in den nächsten Wochen spielen wollen, da wollen wir auf gar keinen Fall mehr drunter kommen, sondern eher in Teilbereichen drüber“. Es war gegen Leipzig also schon der Borussen-Fußball, den sich der Trainer vorstellt. Indes war der Gegner spielerisch dann doch überlegen, bei Leipzig wirkte alles automatisierter, eingespielter, zudem scheint RB die nächste Stufe seines Fußballs eingeläutet zu haben: Da wird nicht mehr nur gepresst und gestresst, es gab ausgedehnte Ballbesitzpassagen, in denen der Ball zirkulierte und das Spiel entwickelt wurde. Das ist der Nagelsmann-Ansatz – die vier Siege in den ersten vier Pflichtspielen und die zumindest temporäre Tabellenführung belegen, dass dieser schon ganz gut angekommen ist.

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Borussia muss noch an sich arbeiten, es fehlt in vielen Situationen noch das Feintuning, daher wirkt das Spiel wild, zuweilen auch unkontrolliert. Zu Beginn setzten die Borussen ihre Energie aber gewinnbringend ein, es gab einige schnelle Kombinationen in Richtung Tor, da hätte gerade Alassane Plea die Führung erzielen können, ja müssen. Hätte er in der Startsequenz des Spiels getroffen, wäre Borussia mit sieben Punkten Erster gewesen, doch dazu kam es nicht. „In der Phase, in der wir hätten in Führung gehen können, haben wir das Tor aber nicht gemacht. In der Phase, in der wir eigentlich alles im Griff hatten, haben wir den ersten Gegentreffer bekommen“, monierte Rose und stellte fest: „Timo Werner hatte einen richtig guten Tag.“

Rose führte gegen RB aber vor, dass seine Idee vom Spiel systemunabhängig gelebt werden kann. Er wechselte die Formation, sah aber die Essenz seiner Spielidee. „Was mir gefallen hat, ist, dass die Jungs die Intensität trotzdem hoch gehalten und dran geglaubt haben. Wir haben nochmal richtig Druck aufs Spiel bekommen und mit einem Standard nochmal reingefunden haben“, sagte Rose. Sein Team zeigte Nehmerqualitäten, das gefällt einem wie Rose. Denn er weiß: Das Wesentliche seiner Botschaft ist angekommen.

Breel Embolo traf nach einem Standard, schon in Mainz waren zwei von drei Toren nach ruhenden Bällen gefallen. „Danach hatten wir die Großchance zum 2:2, das wäre für uns sehr wichtig gewesen.“ So aber gab es die erste Pflichtspielniederlage für den Trainer als Borusse. Weswegen für Rose das Treffen weniger die reine Freude war als für Nagelsmann.