Borussia Mönchengladbach: Marco Rose muss verlieren lernen - Kommentar

Neuer Borussia-Trainer : Rose muss verlieren lernen

Borussia Mönchengladbach hat sich als Tabellenfünfter für eine Neuausrichtung auf der Trainerposition entschieden. Marco Rose steht vor großen Herausforderungen. Bei RB Salzburg hat er fast nur gewonnen. In der Bundesliga wird er sich auch an Niederlagen gewöhnen müssen.

Es gäbe eine Reihe von Möglichkeiten, sich an Marco Rose abzuarbeiten. Ist er ein neuer Jürgen Klopp? Jein. Rose legt, Überraschung, natürlich Wert auf die Feststellung, er sei ein eigener Typ. Aber man sieht schon, dass die beiden eine Weile miteinander verbracht haben. Und Rose hat sehr gut zugesehen und vor allem zugehört. Der Spielstil bei Salzburg spricht dafür, sein Sprachstil bei seiner Vorstellung an neuer Wirkungsstätte auch. Borussia Mönchengladbach hat nach Hans Meyer (Lucien Favre war was für Feinschmecker, Dieter Hecking eher mit verstecktem Humor gesegnet) wieder einen Typen mit Entertainer-Qualitäten auf der Trainerbank. Rose verfügt in seinem sprachlichen Repertoire über die Bandbreite Akademiker bis Pausenschulhof. Aus letzterer Rubrik entstammen dann so Einlassungen wie, Gladbach sei „ein lässiger Verein“, es sei „cool“ dort zu arbeiten und „Ich suche die Challenge“, also die Herausforderung.

Nun wird ein Trainer am Ende nicht ausschließlich daran gemessen, wie er sich verkauft, sondern vor allem daran, wie viel Punkte er sammeln konnte. So gesehen ist es natürlich ein Wagnis von Manager Max Eberl gewesen, könnte man meinen, ausgerechnet einen Neuanfang zu wagen nach einer Saison, in der die Mannschaft als Tabellenfünfter nur knapp an der Champions-League-Qualifikation vorbeigeschrammt ist. Andererseits wäre alles andere noch größere Augenwischerei gewesen. Denn Gladbach hat in der Rückrunde nicht die Champions League verpasst, sondern sich gerade noch so ins Ziel gerettet. Eine spielerische Weiterentwicklung war unter Hecking nicht zu sehen. Eine spezielle „Gladbacher Schule“ ohnehin nicht. Sich nun neu auszurichten, sollte man vor allem als Chance begreifen.

Eine der größten Herausforderungen für Marco Rose wird wohl sein, sich damit auseinanderzusetzen, auch mal Verlierer zu sein. Willkommen in der Bundesliga. Rose, Jahrgang 1976, ist bislang als Trainer in Österreich auf einer nicht enden wollenden Erfolgswelle unterwegs gewesen. Als Verantwortlicher von RB Salzburg hat er während seiner zweijährigen Amtszeit kein einziges Heimspiel verloren, seine letzte Heimniederlage war am 10. September 2016 mit der Salzburger U18-Akademie gegen Admira Wacker Mödling (1:2). Und auch auf internationalem Parkett hat Rose abgeliefert.

Am Niederrhein wird er mit großer Wahrscheinlichkeit eine andere Lebenswirklichkeit kennenlernen. Rose ist sich dessen sehr wohl bewusst. Und dennoch hat er die Herausforderung angenommen, weil die Bundesliga für einen ambitionierten Trainer eine gute Spielwiese ist. Es wird an Rose liegen, sich schnell freizustrampeln in dem Haifischbecken, in dem es weit weniger beschaulich zur Sache geht als in der Alpenrepublik. Er war es als Trainer nur gewohnt, Gejagter zu sein. Nun muss er sich mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln Strategien überlegen, die Großen der Branche ein wenig zu ärgern und bei den Gleichgroßen vorne mitzuspielen. In Gladbach hat man sich an den süßen Duft des Erfolgs längst wieder gewöhnt. Man will sich nicht nur für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren, der Weg dorthin soll auch maximal ansehnlich sein. Es wird ein Balanceakt für Rose werden, schönen Spielstil mit Effizienz zu kombinieren. Rose hat in Gladbach bisher seine größte Prüfung vor sich. Es ist eine Wette auf die Zukunft, wie er abschneiden wird. Er hat sich zum Auftakt sympathisch präsentiert. Selbst das gelingt nicht allen in dieser Branche.

Von daher spricht schon mal mehr für als gegen ihn.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Marco Rose bei Borussia Mönchengladbach vorgestellt

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