Borussia Mönchengladbach: Marco Rose ist im System von Dieter Hecking erfolgreich

Rose auf Heckings Spuren : 4-3-3 ist die neue alte Erfolgsformel

Marco Rose favorisiert das 4-Raute-2, sein Team kommt aber deutlich besser im 4-3-3 klar. Der neue Trainer übernimmt damit sozusagen ein taktisches Erbe seines Vorgängers Dieter Hecking. Mit Erfolg.

Als Marco Rose im Sommer zu Borussia kam, hatte der Trainer einen klaren Plan. Auch was das Spielsystem anging, in dem er seine neue Mannschaft formieren wollte. Schnell ging es in den Sprachgebrauch in und um Mönchengladbach über: „4-Raute-2“, ein System also mit einem Sechser, zwei Achtern, einem Zehner und zwei Spitzen. Rose will ein stets vertikales Spiel. Und wenn die Mannschaft wie in dieser Spielform mittig zentriert ist, ist das hinterlegt.

Bei seinem Ex-Verein RB Salzburg klappte das Spiel mit der Raute prima, es war Roses Meistersystem. Doch in Gladbach kam sein Team fußballerisch nicht so recht in Schwung in dieser Formation. Das Ansinnen, vertikal zu spielen, war zu erkennen. Aber auch, dass den Borussen durch die neuen Anforderungen die Selbstverständlichkeit ihres Spiels abhanden gekommen war. Die Automatismen fehlten, die Laufwege stimmten nicht, vieles war Stückwerk. Bis Rose beim 2:1 gegen Düsseldorf umstellte auf die Variante, mit der sein Vorgänger Dieter Hecking in der ersten Hälfte der vergangenen Saison die Liga verblüfft hatte: auf das 4-3-3. Vorn ist es mit den zwei Flügelspielern breiter angelegt, und die Gladbacher kommen über die Breite besser in die Tiefe. Ergebnis: Von Spiel zu Spiel läuft das Spiel von Roses Team runder.

Hecking hatte zu Beginn der Vorsaison das lange Zeit typische Gladbach-System, das 4-4-2, gekippt und sein Team in der offensiven Variante des 4-3-3 aufgestellt: mit einem Single-Sechser und zwei Achtern. Vorn waren die Außen vorgerückt, so hatten sie kürzere Wege zum Tor.

Wie in Roses 4-Raute-2 gibt es fünf Offensivkräfte, doch sind die Außenbahnen besser zu kontrollieren, es fällt leichter, gegen den Ball kompakter zu sein. Borussia spielte sich in diesem System unter Hecking weit nach oben, wie jetzt wurde spekuliert, sie könne sogar im Meisterrennen ein Wörtchen mitreden. Rose macht sich das dort Gelernte jetzt zu Nutze. „Ich bin bereit, auf die Stärken der Mannschaft einzugehen“, sagte Rose am Sonntag nach dem 4:2-Sieg gegen Eintracht Frankfurt. Der 43-Jährige hat erkannt, dass er Borussia nicht gleich auf zwei Ebenen verändern kann: im Denken und systemisch. So entschied er, eins nach dem anderen zu tun.

„Marco wollte natürlich sein System spielen, musste sich dann aber die Frage stellen: Ist es die richtige Form, den neuen Ansatz zu verinnerlichen? Auch das ist die Qualität eines Trainers, ich rechne ihm das hoch an“, sagte Sportdirektor Max Eberl. Und: „Die Mannschaft hat großes Vertrauen in das System, da fällt es leichter, den neuen Ansatz draufzupacken.“ Generell ist es Roses Ziel, diverse Systeme im Team zu hinterlegen, um für verschiedene Situationen Lösungsmöglichkeiten zu haben.

„Wir sind nicht hergekommen, um der Mannschaft etwas aufzudrücken. Es muss alles zusammenpassen“, sagte Rose. Er hatte ohnehin angemerkt, dass seine Art des Fußballs grundsätzlich unabhängig ist von der Formation. Es geht dem Trainer um die „Haltung“, die die Spieler auf dem Platz zeigen. Darum, stets aktiv zu sein, bei jeder Entscheidung nach vorn zu denken und entsprechend die Wege zu machen. Durch die Männer auf dem Flügel – zuletzt gegen Frankfurt waren es Patrick Herrmann und Marcus Thuram – ziehen die Borussen die Defensivreihe des Gegners auseinander und schaffen so Freiräume im Zentrum.

Vier von sieben Pflichtspielen wurden seit der Systemumstellung gewonnen, nur eines ging verloren. In der Liga ist Borussia Erster, in der Europa League nach den Unentschieden bei Basaksehir FK (das einzige Spiel, in dem Gladbach nicht im 4-3-3 spielte) und in Rom wieder im Rennen. Nun soll das neue alte System auch beim Pokalspiel in Dortmund für Roses Team die Erfolgsformel sein – sofern es die personelle Lage hergibt. Denn der Stürmer-Schwund könnte zumindest für den Moment die Rückkehr zur Raute bedeuten. Indes: Dank des 4-3-3 hat sich die Rose-Denke nun weit mehr in den Köpfen der Borussen festgesetzt.

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