Borussia Mönchengladbach: Marco Rose – bodenständig, aber sehr ambitioniert

Gladbachs neuer Trainer vorgestellt : Rose – bodenständig, aber sehr ambitioniert

Borussias neuer Trainer Marco Rose hatte seinen ersten Auftritt im Borussia-Park. Er findet Gladbach als Klub „lässig“. Sich selbst hält er für einen ganz normalen Typen.

Da saß er nun, der „gehypteste Trainer von allen“, und schaute sich mit wachen Augen um im Medienraum des Mönchengladbacher Borussia-Parks. Ein wenig nervös wirkte er zunächst schon an seinem großen Tag, dem Tag, an dem er offiziell seinen ersten Job als Bundesliga-Trainer antrat. Zwar geht es erst am 30. Juni los mit der konkreten Arbeit am Team, wenn der Trainingsauftakt in Gladbach sein wird. Doch am Mittwoch begann die neue Ära des Borussen-Fußballs. Nichts weniger als die soll Rose, geboren in Leipzig vor 42 Jahren und bis vergangenen Sonntag Trainer bei Red Bull Salzburg, prägen.

Als dann die Frage kam nach den oben zitierten Worten Jürgen Klopps, Roses Kumpel aus Mainzer Zeiten, lächelte der Neu-Gladbacher. Er war froh über diese Frage, denn nun war endlich mal Gelegenheit, etwas richtig zu stellen. Hilfreich sei es wohl nicht gewesen, dass Klopp, Champions-League-Finalisten-Trainer aus Liverpool, sich derart über ihn geäußert habe. „Ich muss da mal auf die Bremse treten“, sagte der Mann, der ungebremsten Fußball predigt, „ich bin ein ganz normaler Typ, bodenständig, aber sehr ambitioniert“. Vor allem sei er kein Klopp-Klon, sondern „eine eigenständige Persönlichkeit“. Der Rose ist Rose ist Rose.

Dass zu seiner Persönlichkeit ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein gehört, das will und kann Rose nicht verheimlichen. Das gehört dazu bei einem, der gern in die Offensive geht, der gern attackiert, der erobern will, der gewinnen will und sich an seine letzte Heimniederlage kaum noch erinnern kann.

All das will er auf sein Team übertragen, und wer ihn oben auf dem Podium des Gladbacher Presseraums sitzen sah, immer wieder mit den Händen seine Worte untermalend, der sah tatsächlich schon ein wenig den „Menschenfänger“, von dem die „Süddeutsche Zeitung“ geschrieben hat: Rose ist total überzeugt von dem, was er tut, und wer total überzeugt von dem ist, was er tut, der ist authentisch und kann andere mitnehmen auf dem Weg.

Rose kam im beerenfarbenen Poloshirt, unter dessen rechten Ärmel ein Tattoo sichtbar wurde, in cooler Jeans und weißen Turnschuhen, dazu der grau melierte Bart. Für die Fotos im Inneren des Stadions warf er noch eine blaue Trainingsjacke über, insgesamt war es ein hipper Look, das darf man sagen. Der Style passt zu dem, was man in Gladbach von Rose erwartet: Er will Emotionen und Energie erzeugen im Team, Gier. Die Gier nach dem Ball, die Gier nach Toren, die Gier nach Erfolgen. Nein, der Mann steht nicht für Erzählkino, er will pure Actionfilme machen, aber im Hochglanzformat. „Wir wollen die Fans begeistern“, sagte Rose. Er soll den Fußball nicht neu erfinden in Gladbach, aber er soll ihn umdefinieren, ihn um den Rose-Touch erweitern.

Was Rose ganz sicher ist: Ein guter Zuhörer. Wenn Fragen bei der Pressekonferenz kamen, konzentrierte er sich auf die Worte des Gegenübers, das spürte man. Er wird viel zuhören in den kommenden Wochen in Gesprächen mit seinen Spielern. Nach und nach wird nun bei einigen Borussen das Telefon klingeln und Rose am anderen Ende der Leitung sein. Er will etwas über seine Mannschaft erfahren, über seinen neuen Klub.

Rose geht auf die Menschen zu, auf dem Weg zur Pressekonferenz schüttelte er schon viele Hände. Er legt auch Wert auf Teamarbeit. „In einer Zeit, in der die Anforderungen immer größer werden, ist es für mich unerlässlich, dass ich mich auf mein Team verlassen kann. Ich habe richtig gute Jungs an meiner Seite und werde viele Dinge auch an sie abgeben. Ich versuche immer, mit jedem, dem ich gegenüber trete, auf Augenhöhe zu sein“, sagte er. Sein Co-Trainer Alexander Zickler – „ein unglaublich guter Mensch“ (Rose) – hat von gemeinsamen Grilleinsätzen berichtet. „Da muss Max Eberl erst mal einen Grill kaufen“, stellte Rose klar und grinste breit in Richtung des Managers. Nun, daran würde es nicht scheitern, wenn es nötig wäre.

Rose ist ein Kumpeltyp, ist so „lässig“, wie er Borussia als Klub findet. Aber er hat auch klar gestellt, dass er keine Kompromisse macht, wenn es darum geht, seinen Plan umzusetzen. Er kommt nach Gladbach, um „Dinge zu entwickeln, Dinge voranzutreiben, Nachhaltigkeit reinzubringen“. Dass dafür intensiv gearbeitet werden muss, setzt Rose voraus. Bei seinem ersten Besuch in Gladbach hat er den Brasilianer Raffael im Kraftraum angetroffen, das hat ihm gefallen. Auch der „gehypteste Trainer von allen“ braucht Spieler, die voll mitziehen.

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