Borussia Mönchengladbach: Marc-André ter Stegen ist ein Paradebeispiel für das Gladbacher Scouting

Wichtigste Säule der Kaderplanung : So sucht und fördert Borussia ihre Talente

Mirko Sandmöller, Geschäftsführer des Nachwuchsleistungszentrums, spricht über die Jugendarbeit und das Ziel, Spieler in den Profibereich zu bringen. Das jüngste Beispiel ist Jordan Beyer.

Als möglicher Zugang für die neue Saison ist Marcus Thuram bei Borussia im Gespräch, wie die „Sport-Bild“ berichtet. Der 21-jährige Sohn des französischen Weltmeisters von 1998, Lilian Thuram, passt in jedem Fall ins Beuteschema der Gladbacher, deren Kaderzusammenstellung auf drei Säulen beruht. Die nannte Mirko Sandmöller, Geschäftsführer der Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) unlängst in einem Vortrag zum Talentmanagement bei Borussia: interne Talente wie Jordan Beyer, externe wie Denis Zakaria – oder eben Marcus Thuram – und Führungsspieler wie Kapitän Lars Stindl. „Idealerweise schaffen wir es, diese drei Säulen zu einem Drittel zu bedienen“, sagte Sandmöller.

Gemeint ist die der internen Talente, die den Sprung in den Profi-Bereich schaffen können wie Famana Quizera oder schon geschafft haben – Paradebeispiel dafür neben den immer noch aktiven Borussen Tony Jantschke und Patrick Herrmann ist natürlich Marc-André ter Stegen, der inzwischen Stammtorwart des FC Barcelona ist. „Er hat einen fantastischen Weg beschritten und viele Dinge von Borussia mitgenommen“, sagte Sandmöller und präzisierte: „Diese Mentalität, die er hat, hat er damals schon gelebt und in unsere Mannschaften gebracht.“ Oder Beyer, der in der abgelaufenen Saison auf seine ersten neun Bundesliga-Einsätze kam. „Er könnte noch A-Jugend spielen“, verdeutlichte Sandmöller und betonte: „Unsere wichtigste Aufgabe ist, Spieler in den Lizenzkader zu bringen.“

Die Arbeit der Talentsucher muss indes immer früher beginnen, um einen Spieler zu finden und zu halten, der ein vergleichbares Potenzial hat. „Wir reden teilweise über Siebenjährige, da spielen etliche Faktoren in der Entwicklung eine Rolle“, berichtete Sandmöller. Der 36-Jährige ist seit 2008 bei Borussia, war lange Zeit Trainer und ab 2012 in einer Doppelfunktion Leiter des Vereins-Internats. Vor anderthalb Jahren wurde er Geschäftsführer des NLZ, das seit 2001 zu den Lizenzierungsauflagen eines Profiklubs gehört. „Die Ausbildung erfolgt bei uns ganzheitlich“, betont Sandmöller. „Nicht nur fußballerisch, sondern auch schulisch. Wir haben eine extrem hohe Verantwortung, die Spieler zu den höchstmöglichen Schulabschlüssen zu bringen. Dafür haben wir das Internat, das wir von zwölf auf 24 Plätze aufgestockt haben, und Partnerschulen.“ Fußballerisch gibt es Teams vom Perspektivkader der U8 über den Regionalligisten U23 bis hin zum sogenannten Übergangsbereich im Profi-Kader für Top-Talente, den nun Eugen Polanski verantwortet, nachdem Otto Addo zu Borussia Dortmund gewechselt ist.

Die Jugendarbeit lassen sich die Gladbacher einiges kosten: „Wir investieren vier Millionen Euro pro Jahr, aber es lohnt sich“, sagte Borussias Präsident Rolf Königs. Mit diesem Geld soll also eine der drei Kader-Säulen möglichst oft bedient werden. „Wir wollen in der Tradition der Fohlen aus den 70er Jahren mit ihrem aktiven, offensiven und kreativen Spiel die Nachwuchsarbeit leben“, sagte Sandmöller.

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