Borussia Mönchengladbach: Mamadou Doucouré gibt nicht auf

Borussias Pechvogel : Doucouré gibt noch nicht auf

Seit zwei Jahren ist Mamadou Doucouré bei Borussia, seit zwei Jahren ist er verletzt. Wir zeichnen die Leidensgeschichte des jungen Franzosen nach.

23. Oktober 2015 U 17-WM in Chile, Gruppenspiel zwischen Frankreich und Paraguay. Borussias Scouts sind hin und weg vom linken Innenverteidiger der Franzosen. Bereits im Sommer zuvor hat er beim Gewinn des EM-Titels überzeugt.

17. Juni 2016 „Wir freuen uns sehr, dass sich Mamadou Doucouré für Borussia entschieden hat“, sagt Manager Max Eberl, als die Verpflichtung offiziell verkündet wird. Das klingt fast schon zurückhaltend, denn intern haben sich die Borussen geradezu die Augen gerieben angesichts dieses Coups. „Der ist der Wahnsinn!“, sagt ein Scout eines anderes Klubs über Doucouré, der mit Paris-Saint Germain im Finale der Uefa Youth League gestanden hatte. „Noch ein paar Wochen“ werde der 18-Jährige aber ausfallen aufgrund eines Muskelbündelrisses.

6. Januar 2017 Aus Wochen werden Monate, aus Trainer André Schubert wird Dieter Hecking. In Marbella beginnt Doucouré, sich langsam an die Mannschaft heranzutasten. Kurz nachdem er sich in einer Mittagspause schüchtern den mitgereisten Journalisten präsentiert hat, erleidet er einen Rückschlag und muss nach Hause fliegen.

27. Februar 2017 Doucouré wird operiert, die Saison ist für ihn beendet. Per Videobotschaft wünscht ihm das Team alles Gute.

6. Juli 2017 Schon nach wenigen Tagen Vorbereitung hat Doucouré mehr Trainingseinheiten absolviert als im gesamten Jahr davor. Der inzwischen 19-Jährige kann sogar mitfahren in Trainingslager am Tegernsee und macht fast alle Übungen mit. Bestens integriert ins Mannschaftsgefüge ist er dank Ibrahima Traoré, trotz seiner langen Abwesenheit. Die beiden sind beinahe wie Brüder. „Einmal kam ich nach Hause und Mamadou saß schon bei mir rum. Stellen Sie sich das mal vor“, erzählt Traoré lachend. „Und er hat noch nicht mal was gekocht, das musste ich dann machen.“ Bald darauf muss Doucouré jedoch erneut kürzertreten und begibt sich nach Frankreich in die Reha.

4. Oktober 2017 Der nächste Anlauf, und wieder sieht es sehr vielversprechend aus. Doucourés Athletik ist beeindruckend, seine Ballbehandlung kann sich sehen lassen, doch mittlerweile hat er eben schon seit 17 Monaten pausiert.

6. Dezember 2017 In Wolfsburg darf er zumindest als 19. Mann am Bundesliga-Kader schnuppern. Drei Tage später zieht sich Doucouré im Training jedoch wieder einen Muskelbündelriss zu. „Wenn man es positiv sehen kann, ist es nicht der operierte Oberschenkel, sondern der andere“, sagt Hecking. Als die Borussen am Samstag danach gegen Schalke ins Stadion einlaufen, tragen sie Trikots mit der 29 – Doucourés Nummer, die er selbst nur bei Fototerminen getragen hat.

1. Februar 2018 Mit Applaus begrüßen die Kollegen Doucouré nach zwei Monaten auf dem Trainingsplatz zurück. Wieder sieht es ganz gut aus. Hecking sagt zwar, dass er erst in der kommenden Saison wieder mit dem Franzosen plane. Vielleicht könnte er in der Länderspielpause Ende März wenigstens sein Testspieldebüt geben.

26. Februar 2018 Doch daraus wird nichts. Ein Muskelteilriss beendet endgültig auch Doucourés zweite Saison bei Borussia.

21. Mai 2018 Doucouré will aktuell nicht reden, sondern erst einmal fit werden. Den Trainingsstart am 1. Juli hat er fest im Blick. „Im Moment wirkt er sehr positiv“, sagt Hecking über den Youngster, dessen Verletzungsgeschichte längst tragische Ausmaße angenommen hat. An Doucourés 20. Geburtstag postet Traoré ein Video, auf dem er seinen gefühlten kleinen Bruder umarmt und ihm eine Collage überreicht. Auf einem der Bilder posiert Doucouré stolz im Borussia-Trikot, das er irgendwann endlich einmal in einem Spiel tragen will. „In unseren Planungen kann er momentan keine Rolle spielen“, gibt sich Hecking realistisch. Der Tag des Comebacks wäre so etwas wie die Geburt des Fußballprofis Doucouré. Denn sein letztes Spiel hat er in der U 19 von Paris-Saint Germain gemacht, vor mehr als zwei Jahren.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Mamadou Doucouré

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