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Borussia Mönchengladbach: Mainz war die richtige Reaktion auf den Bayern-Sieg

Auf dem Platz und im Kopf : Borussia kann mit dem Druck umgehen

In der Vergangenheit hat es Borussia oft nicht geschafft, ihre Möglichkeiten zu nutzen. Nun schoss sie sich mit dem 4:0 gegen Mainz auf Rang zwei. Ein Grund dafür ist die mentale Stärke.

Erfolg macht sexy. Und ist lukrativ. Das zeigt die neue Marktwert-Einschätzung des Portals transmarkt.de. Die dort befindlichen Preisetiketten für Spieler sind Schätzwerte, doch darf man daraus zumindest einen Trend ableiten. Was Borussia angeht, besagt der: Das aktuelle sportliche Hoch schlägt sich auch monetär nieder. Wurde der Marktwert des Gladbacher Kaders vor dem Spiel gegen Mainz noch auf insgesamt 209 Millionen Euro geschätzt, so liegt er nach der Aktualisierung am Montag bei 235 Millionen Euro.

Am meisten legte Florian Neuhaus zu, dessen Wert von drei auf zehn Millionen Euro angestiegen ist. Jonas Hofmann (jetzt acht Millionen) und Alassane Plea (jetzt 25) steigerten sich jeweils um fünf Millionen Euro, Nico Elvedi (jetzt 23), Thorgan Hazard (jetzt 25) und Yann Sommer (jetzt 13) kletterten in der Preisskala immerhin um jeweils drei Millionen Euro nach oben. Geld steht im Fußball meistens für Qualität. So kann man aus der Marktwertentwicklung ablesen, dass sich Borussias Qualität gesteigert hat. Das wahre Qualitäts-Barometer ist jedoch die Tabelle. Und die weist Borussia derzeit als die zweitbeste Fußballmannschaft im Lande aus.

Nach dem großen Sieg beim FC Bayern war das Spiel gegen die kompakten Mainzer in verschiedener Hinsicht ein Gradmesser. Einmal, weil die Borussen die richtige Reaktion auf den Sieg beim Rekordmeister zeigten: Sie ließen sich davon nicht blenden wie von einem Irrlicht, sondern blieben ganz bei sich und konzentriert auf das Wesentliche. Was auf dem Rasen derzeit erfolgreich gelingt, klappt nun auch im Kopf: das Umschalten.

Was auch gelang: mit dem Druck des Möglichen umzugehen. Borussia konnte Zweiter werden mit einem Sieg gegen Mainz, konnte also etwas schaffen. Das war eine Situation, die es in den vergangenen Saison auch des Öfteren gab. Da jedoch verpassten die Borussen immer wieder etwas, und das ergab in Summe einen Hauptmakel der jüngeren Vergangenheit.

Nun aber erledigte Borussia die nicht gerade unkomplizierte Pflichtaufgabe gegen bis dahin sehr kompakte Mainzer sehr konzentriert, der Wille zum Erfolg war spürbar. Vor allem transportiert dies die neue Zielstrebigkeit: Meist geht es steil nach vorn, statt quer. Quälte sich Borussia in den vergangenen zwei Jahren zuweilen regelrecht zu Toren, so gehen diese derzeit leicht und locker vom Fuß, die Effektivität vor des Gegners Tor ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. 7:0 Tore gegen die Bayern und gegen Mainz, das geht deutlich über eine reine Pflichterfüllung hinaus.

Der nächste Schritt soll nun das Spiel in Freiburg werden. Dort gab es seit 2002 keinen Sieg. In Wolfsburg, wo das seit 2003 so ist, wurden noch zwei Führungen verspielt, weswegen die Negativ-Serie weiter besteht. Nach Freiburg fahren die Borussen, um es besser zu machen. Aber auch mit dem Wissen, dass Erfolg von gestern keine Garantie ist für morgen. Das ist an sich bekannt. Doch es scheint, als könne Borussia das Wissen nun auch gewinnbringend anwenden. Darum ist sie sexy und teuer.