1. Sport
  2. Fußball
  3. Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach: Luca Netz rechnet mit Pfiffen bei Hertha BSC

Berlin-Reise mit Borussia : Netz macht sich keine Illusionen für Hertha-Rückkehr

Dass Luca Netz die Hertha verlassen hat, lag unter anderem an der fehlenden Perspektive. Der 18-Jährige kehrt am Samstag zum ersten Mal zurück an seine alte Wirkungsstätte. Im Vorfeld der Partie hat das Borussia-Talent über den Empfang, dem ihn die Hertha-Fans bereiten könnten, gesprochen.

Luca Netz erlebt in diesen Wochen so einige Premieren. Der erste große Vereinswechsel liegt hinter ihm, ebenso das Pflichtspiel-Debüt für Borussia, vor zwei Wochen bestritt er sein erstes U21-Länderspiel. Am vergangenen Samstag lief er dann vor über 40.000 Zuschauern auf. „Vor so vielen Fans habe ich noch nie gespielt“, sagte Netz im Anschluss.

Seit zweieinhalb Monaten lebt Netz am Niederrhein. Seine Geburtsstadt Berlin, die rund 600 Kilometer entfernt liegt, hat er zum ersten Mal dauerhaft verlassen. Am kommenden Samstag (18.30 Uhr) kehrt er als Gast zurück ins Olympiastadion – dort, wo er am 2. Januar 2021 sein erstes Bundesligaspiel absolvierte. Exakt zehn Jahre schnürte er für Hertha seine Schuhe, er war ein waschechtes Eigengewächs, das einst mit sieben Jahren vom FSV Bernau zum Großstadt-Klub gewechselt war.

Diese Geschichte gibt es auch zum Hören - exklusiv für Sie. Abonnieren Sie jetzt unsere RP Audio-Artikel in Ihrer Podcast-App!

Nun ist er 18 und stand unter Gladbach-Trainer Adi Hütter in fünf der bisherigen acht Liga-Partien in der Startelf. Dass er Power und Tempo mitbringt, ist zu erkennen, ebenso, dass ihm manchmal noch die Robustheit fehlt. Gegen seinen Ex-Klub dürfte er trotzdem wieder in der Startelf stehen. Zwar ist Ramy Bensebaini nach seiner Verletzung ein Kandidat für den Kader, wohl aber noch nicht für die Anfangsformation. Zumal der Algerier auch einen Platz als Innenverteidiger in der Dreierkette einnehmen könnte, dann würde er Netz absichern.

In Berlin war man über den Abgang eines der größten Talente nicht erfreut. Die Fanszene reagierte mit Unmut, zum Teil wohl aus Verärgerung, warum ein junger Bursche nach nur elf Pflichtspiel-Einsätzen weiterzieht, aber auch aus Frust über den eigenen Verein, der Netz keine vielversprechende Perspektive aufzeigen konnte.

„Klar tut so ein Abgang absolut weh“, sagt Marc Schwitzky, freier Journalist und Hertha-Fan, im „Fohlenfutter-Podcast“ unserer Redaktion. „Letztlich muss man sagen, die Perspektive bei einem Verein, der von Max Eberl geleitet wird, ist einfach eine gute. Ganz andere junge Spieler haben da schon den Weg in die Nationalmannschaft geschafft“, so Schwitzky. „Er ist eines der vielversprechendsten Talente Deutschlands, was die Außenverteidiger-Position angeht. Wenn er bei Gladbach durchstartet, dann ist der Weg zum DFB kurz. Das wird ihn dazu bewogen haben, den Verein zu verlassen.“

Konkurriert hatte Netz bei der Hertha zuletzt mit Marvin Plattenhardt und Maximilian Mittelstädt. „Es sind beides Spieler, die eindimensionaler sind als Netz, der auch mal in die Mitte oder in den Strafraum zieht, der mehr Tiefe ins Spiel bringt. Dementsprechend hätte ich die Chance absolut gesehen, dass er an den beiden vorbeikommt“, sagt Schwitzky. Trotzdem entschied sich Netz für einen Vereinswechsel. Bei Borussia hat er einen langfristigen Vertrag unterschrieben, der bis 2026 läuft. Zwei Millionen Euro, die durch Nachschläge auf bis zu vier Millionen Euro anwachsen können, hat Borussia für ihn bezahlt.

  • Aufstellungs-Tipp : So könnte Borussias Startelf gegen Freiburg aussehen
  • Tim Heubach spielte einst bei Borussia
    „Ich kann es nur empfehlen“ : Ex-Borusse Heubach berichtet von seinem Malaysia-Abenteuer
  • Jonas Hofmann (l) jubelt mit Kouadio
    Wie Mannschaft und Fans sich helfen : Borussia spielt unter Hütter wieder Unterhaltungs-Fußball

Dass er im Berliner Olympiastadion, wo am Samstag maximal 25.000 Zuschauer dabei sein werden, unliebsam empfangen wird, kalkuliert Netz ein. Für ihn kommt es bei seiner Rückkehr zum ersten Duell mit seinen ehemaligen Mannschaftskameraden. „Ich freue mich schon auf das Spiel, aber ich glaube, da werden mich einige ausbuhen“, so Netz. Unterstützt wird er neben den anwesenden Borussia-Fans auch von 25 Freunden und Familienmitgliedern, die sich Tickets gesichert haben. „Ich denke, dass wir die nächsten Punkte in Berlin holen“, gibt sich Netz zuversichtlich.

Mit aktuell neun Punkten haben die Berliner unter Trainer Pál Dárdai in dieser Saison bislang zwei Zähler weniger als Borussia auf dem Konto. Am vergangenen Wochenende feierte Hertha einen 2:1-Auswärtssieg bei Eintracht Frankfurt. Für Borussia wird es nun darum gehen, zum vierten Mal in Folge ungeschlagen zu bleiben und im besten Fall den einen oder anderen Tabellenplatz gutzumachen. Netz, so viel ist sicher, will seinen Teil dazu beitragen, dass das gelingt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Borussia-Talent Luca Netz