Borussia Mönchengladbach: Louis Beyer nutzt mit 18 seine Chance

Rechtsverteidiger Jordan Beyer : Ein Kempener in Borussias Startelf

Der gebürtige Kempener Jordan Beyer hat mit 18 Jahren sein Pflichtspieldebüt für Borussia Mönchengladbach gegeben. Das Eigengewächs hat seine Chance genutzt.

Gleich nach seinem Debüt stand Jordan Beyer mit dem Rücken zur Wand, wortwörtlich betrachtet, denn im übertragenen Sinne hatte er keinen Anlass für derartige Feststellungen geliefert. Im Profifußball, wo sich der 18-Jährige fortan bewegt, ist alles geregelt. Und so musste sich Beyer erst vor einer Wand mit den Sponsoren des DFB-Pokals positionieren, bevor er nach Borussias 11:1-Rekordsieg gegen den BSC Hastedt die Fragen der Journalisten beantworten durfte. „Es war ein Riesenerlebnis“, sagte Beyer. „Sieben Wochen habe ich drauf hingearbeitet, umso mehr habe ich mich gefreut.“

Besagte sieben Wochen dauerte Borussias Saisonvorbereitung, die der Verteidiger aus der eigenen Jugend ohnehin bei den Profis absolviert hätte. Doch dann ging die Tür für seine Premiere im Trainingslager am Tegernsee ganz weit auf. Der Schweizer Nationalspieler Michael Lang, gerade erst vom FC Basel verpflichtet, verletzte sich in seiner ersten Einheit als Borusse am Knie. Wenn Lang in der Saison, die am Wochenende mit dem Pokal begann, in jedem Pflichtspiel hätte auflaufen können, wäre das Trainer Dieter Hecking vermutlich recht gewesen. So aber war die rechte Abwehrseite plötzlich vakant, weil Nico Elvedi neuerdings im Zentrum eingeplant ist (und wie Lang noch ein paar Spiele ausfällt).

Mit der Situation ging Beyer sofort offen und ehrlich, aber mit der nötigen Demut um. „Ich bin mir bewusst, dass jetzt eine Lücke entstanden ist. Man gönnt das niemandem, aber es ist natürlich eine Chance“, sagte er. Mit reifen Leistungen in den Testspielen zeigte Beyer, dass auf ihn Verlass ist. In den Tagen vor dem Spiel gegen Hastedt hatte sich abgezeichnet, dass seine Zeit gekommen war. Jetzt spielte er sogar durch und leitete in der zweiten Minute mit einem feinen Pass auf Florian Neuhaus die Szene ein, die zum 1:0 führte – und jegliche Wunder-Hoffnungen der Hastedter in Luft auflöste „Man muss es angehen wie jedes Bundesligaspiel, darf den Gegner trotz des Klassenunterschieds nicht unterschätzen und muss Vollgas geben. Das ist uns gut gelungen“, sagte Beyer.

Nun hat er beste Chancen, am Samstag am ersten Spieltag gegen Bayer 04 Leverkusen sein Bundesliga-Debüt zu feiern. „Das ist das Ziel“, sagte der erste 2000er in Borussias Vereinsgeschichte, dessen Name sich vom „Insidertipp“ nach und nach vorgearbeitet hat zum Status „in aller Munde“. Beyers Geburtstort, Kempen am Niederrhein, trägt seinen Teil dazu bei, Dieser erste Auftritt für die Profis dürfte die Verantwortlichen im Verein mit besonderem Stolz erfüllen, auch wenn jedes Eigengewächs grundsätzlich gleich behandelt wird. Beyer legte zwar den rheinischen Umweg über Fortuna Düsseldorf ein, ist aber seit seiner Kindheit Borussia-Fan.

Der Junioren-Nationalspieler könnte noch für die U19 spielen, mit der er vergangene Saison spät den Klassenerhalt schaffte. Für einen ambitionierten Bundesliga-Klub, dessen Manager Max Eberl es als „alternativlos“ bezeichnet, auf eigene Talente zu setzen, ist das zu wenig. „Leider, so muss ich es sagen, hat mir die schwierige Zeit aber weitergeholfen“, meinte Beyer rückblickend. Für seine Profi-Premiere gilt das Gleiche wie für den Kantersieg: Sie sollte nicht überbewertet werden, ist aber ein Fingerzeig.

Vor drei Jahren etablierte sich Mo Dahoud als bislang letztes Gladbacher Eigengewächs in der Bundesliga. Marvin Schulz, der parallel zu Dahoud scheinbar den Durchbruch schaffte, spielte am Ende nur elfmal und steht heute in der Schweiz beim FC Luzern unter Vertrag. Ba-Muaka Simakala, Marcel Benger und Florian Mayer als seine Nachfolger kamen nicht über wenige Minuten hinaus.

„Wir haben unsere Philosophie darauf ausgelegt, dass wir immer wieder Talente finden wollen, am besten im eigenen Stall, aber auch extern. In den letzten zwei Jahren haben wir mehr dort gefischt, jetzt ist es schön, dass es mal wieder ein eigenes Talent ist“, sagte Eberl am Sonntag. Eines kann Beyer niemand mehr nehmen: Als 25. Eigengewächs seit 2004 darf er bald sein Trikot im Kabinengang des Borussia-Parks aufhängen.

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