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Borussia Mönchengladbach: Lothar Matthäus rät Joachim Löw, Lars Stindl zur EM mitzunehmen

Borussias Kapitän : Lothar Matthäus will Lars Stindl bei der EM sehen

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus ist begeistert von Borussias Kapitän Lars Stindl und empfiehlt ihn für das Nationalteam. Allein das Spiel in Stuttgart, beim dem Stindl Torschütze und Vorbereiter war, belegt, dass der 32-Jährige in Topform ist.

Lars Stindl hat eine prominente Fan-Gemeinde. Mats Hummels, der Abwehrchef des Liga-Konkurrenten Borussia Dortmund, hat zuletzt bekanntgegeben, dass Gladbachs Mannschaftsführer ein Spieler sei, „den  du als Mitspieler immer in deinem Team haben willst“.

Auch der frühere Bundestrainer Berti Vogts und Trainer-Globetrotter Winfried Schäfer haben ihre Wertschätzung für den Gladbacher kundgetan. „Hut ab vor dem Kerl! Wie er spielt, wie er die anderen mitreißt, das zeugt von großem Charakter. Er gibt immer alles, spielt mit Herz, geht dahin, wo es wehtut, ist immer präsent und ein toller Fußballer – ich sage so etwas selten, aber er hat es verdient: Stindl ist ein echter Borusse wie ich ihn mir vorstelle“, schrieb Vogts in seiner Kolumne für unsere Redaktion. An gleicher Stelle lobte Schäfer Stindl. „Er ist aggressiv und darum wichtig für das Pressing der Borussen“, schrieb er. Nach dem 2:2 der Gladbacher beim VfB Stuttgart teilte Schäfer noch mit: „Stindl wird immer besser. Seine direkten Pässe, ganz stark.“

Ein weiterer Ex-Gladbacher hat sich als großer Stindl-Bewunderer geoutet: Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. „Er ist Leader, Torschütze, Bindeglied zwischen Trainer und Team. Ein Spieler in seiner Form ist ein Kandidat, über den Bundestrainer Joachim Löw für die EM im Sommer nachdenken muss“, sagte Matthäus, der von 1979 bis 1984 insgesamt 197 Spiele für Gladbach machte, beim Bezahlsender Sky. „Stindl ist in der Form seines Lebens“, befand Matthäus.

Löw indes weiß, was er an einem wie Stindl haben würde: einen zuverlässigen Teamplayer, der spielerisch auf höchstem Niveau unterwegs ist, Anführerqualitäten hat und sowohl Spielmacher als auch Abschluss-Spieler ist. An das Finale des Confederations Cup von 2017 wird sich Löw erinnern, schließlich war es Stindl, der den 1:0-Erfolg der Deutschen gegen Chile sicherstellte mit seinem Tor.

Geht Löw nach Statistiken, kommt er am Borussen nicht vorbei. 2020 war Stindl der beste deutsche Torjäger. In dieser Saison hat bisher kein Deutscher in der Bundesliga besser getroffen als der Gladbacher (neun Tore). International hat kein Spieler mit einem deutschen Pass mehr Scorerpunkte eingesammelt als Stindl (21).

„Er setzt sich immer wieder durch. Auch, wenn man ihn schon ein bisschen abgeschrieben hat, kommt er wieder zurück. Er ist nicht nur auf dem Platz wichtig, sondern auch als Ansprechpartner für junge Spieler“, sagte Matthäus.  „Er ist ein sehr erfahrener Spieler und Nationalspieler und ich hoffe, dass er da wieder hinkommt.“ Eine klare Ansage an Löw.

Stindl wird das Lob des Weltmeisters von 1990 sicherlich erfreut zur Kenntnis genommen haben. Dass er Lust darauf hätte, noch mal für Deutschland zu spielen, darf man annehmen. Schließlich ist er nie offiziell aus dem Nationalteam zurückgetreten und somit quasi Nationalspieler a.D. – die Frage ist, ob Löw ihn noch mal aktivieren will. Der Gladbacher wird es auf sich zukommen lassen und sich auf seine Leistungen bei Borussia konzentrieren.

Dort weiß man Stindls Qualitäten natürlich sehr zu schätzen. „Wir wissen, dass  er wichtig für uns ist, uns immer wieder beflügelt und wichtige Tore für uns macht“, sagte der Kollege Jonas Hofmann nach Stindls erneutem Gala-Spiel in Stuttgart. Vor dem Elfmeter, den er selbst zum 1:0 verwandelte, spielte er den schneidenden Pass auf Stefan Lainer, der dann im Strafraum gefoult wurde. Und dann bediente er mit einem ebenfalls perfekten Pass Denis Zakaria. Zwei Scorer-Punkte in Stuttgart, zwei beim 3:2 gegen die Bayern mit den Torvorlagen für Hofmann – würde man Stindls Bilanz im Jahr 2021 abziehen, fielen vier Punkte weg. Borussia hätte ein Problem.

Kurios ist indes: Daheim klappt es noch nicht so mit den Toren. Nur einen seiner neun Treffer hat Stindl im Borussia-Park erzielt, das war beim 1:2 gegen Hoffenheim. Diese Bilanz am Dienstag will er gegen Werder Bremen aufbessern. Werder liegt ihm durchaus, achtmal hat er in seiner Karriere gegen die Hanseaten getroffen, dreimal für Gladbach, zuletzt allerdings Mitte Oktober 2017 beim 2:0 in Bremen.

Nicht  nur Stindls prominente Fans würde es nicht wundern, wenn er nach über drei Jahren Enthaltsamkeit gegen Werder jetzt mal wieder zuschlagen würde. Allerdings könnte es sein, dass Stindl eine Pause bekommt, um durchzuschnaufen und Kraft zu sammeln für das Topspiel gegen Borussia Dortmund am Freitag. Es ist jedoch jedes Mal  eine schwere Entscheidung für Trainer Marco Rose, seinen Kapitän auf die Bank zu setzen. Denn aktuell gehört Stindl zur Kategorie „eigentlich unersetzlich“.